Aus­glie­de­rung im Kon­zern – und die Grund­er­werb­steu­er

Die Grund­er­werb­steu­er­ver­güns­ti­gung für Umstruk­tu­rie­run­gen im Kon­zern setzt im Fall der Neu­grün­dung nicht die Ein­hal­tung der fünf­jäh­ri­gen sog. Vor­be­hal­tens­frist vor­aus.

Aus­glie­de­rung im Kon­zern – und die Grund­er­werb­steu­er

Hin­ter­grund die­ses vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Rechts­streits ist die Steu­er­ver­güns­ti­gung nach § 6a GrEStG, die durch das sog. Wachs­tums­be­schleu­ni­gungs­ge­setz vom 22.12 2009 für Erwerbs­vor­gän­ge nach dem 31.12 2009 geschaf­fen wor­den ist. Danach wird für bestimm­te steu­er­ba­re Rechts­vor­gän­ge auf­grund einer Umwand­lung, bei Ein­brin­gun­gen sowie bei ande­ren Erwerbs­vor­gän­gen auf gesell­schafts­recht­li­cher Grund­la­ge die Steu­er unter der Vor­aus­set­zung nicht erho­ben, dass an dem Umwand­lungs­vor­gang aus­schließ­lich ein herr­schen­des Unter­neh­men und ein oder meh­re­re von die­sem abhän­gi­ge Gesell­schaf­ten oder meh­re­re von einem herr­schen­den Unter­neh­men abhän­gi­ge Gesell­schaf­ten betei­ligt sind. Abhän­gig in die­sem Sin­ne ist eine Gesell­schaft, an deren Kapi­tal oder Gesell­schafts­ver­mö­gen das herr­schen­de Unter­neh­men inner­halb von fünf Jah­ren vor dem Rechts­vor­gang und fünf Jah­ren nach dem Rechts­vor­gang unmit­tel­bar oder mit­tel­bar oder teils unmit­tel­bar, teils mit­tel­bar zu min­des­tens 95 % unun­ter­bro­chen betei­ligt ist.

Im Streit­fall beschlos­sen die Gesell­schaf­ter einer grund­be­sit­zen­den Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung – A GmbH (alt) – im Juni 2012 die Aus­glie­de­rung eines Teil­be­triebs auf eine neu zu grün­den­de Gesell­schaft mit Wir­kung zum 1.01.2012 und die Umbe­nen­nung der A GmbH (alt) in B Hol­ding GmbH. Zugleich wur­de die A GmbH (neu) gegrün­det, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin die B Hol­ding GmbH wur­de. Im Zuge der Umwand­lung gin­gen ver­schie­de­ne Grund­stü­cke auf die A GmbH (neu) über. Vor die­sem Hin­ter­grund setz­te das Finanz­amt Grund­er­werb­steu­er fest. Hin­ge­gen berief sich die Klä­ge­rin auf die Steu­er­ver­güns­ti­gung für Kon­zern­um­struk­tu­rie­run­gen. Die Vor­be­hal­tens­zeit von fünf Jah­ren sei – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung – im Fall der Neu­grün­dung nicht anwend­bar.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Über­tra­gung des Grund­be­sit­zes sei zwar steu­er­bar, die Steu­er wer­de jedoch nach Maß­ga­be des Ver­güns­ti­gungs­tat­be­stands für Kon­zern­um­struk­tu­rie­run­gen nicht erho­ben. Zwar sei die Vor­be­hal­tens­frist von fünf Jah­ren für die erst im Juni 2012 gegrün­de­te Klä­ge­rin im Streit­fall nicht erfüllt. Aller­dings erge­be sich aus dem Zweck des Geset­zes, dass bei einer Umwand­lung durch Neu­grün­dung einer Gesell­schaft die Vor­schrift ein­schrän­kend aus­ge­legt wer­den müs­se. Die Frist die­ne näm­lich der Ver­hin­de­rung von Steu­er­um­ge­hun­gen durch miss­bräuch­li­che Gestal­tun­gen. Bei einem kon­zern­in­ter­nen Vor­gang wie im Streit­fall sei ein sol­cher Miss­brauch aber objek­tiv aus­ge­schlos­sen, da kei­ne Grund­stü­cke aus dem Kon­zern­ver­bund gelöst wür­den.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 7. Mai 2014 – 7 K 281/​14 GE