Aus­nah­me von der Zweit­woh­nungs­steu­er

Eine Sat­zungs­re­ge­lung, die drit­te und wei­te­re Woh­nun­gen eines Inha­bers im Gemein­de­ge­biet von der Zweit­woh­nungs­steu­er aus­nimmt, ist mit dem Gleich­heits­satz ver­ein­bar. Der Sat­zungs­ge­ber darf auch bestim­men, dass die Kur­gäs­te und Feri­en­gäs­te nicht zur Zweit­woh­nungs­steu­er her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn sie nur für die übli­che Urlaubs­dau­er eine Unter­kunft anmie­ten.

Aus­nah­me von der Zweit­woh­nungs­steu­er

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern beur­teil­te die ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen in der Sat­zung über die Erhe­bung einer Zweit­woh­nungs­steu­er in der Gemein­de Ost­see­bad Binz vom 19.12 2014 als wirk­sam.

Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts geklärt, dass eine Sat­zungs­re­ge­lung, die drit­te und wei­te­re Woh­nun­gen eines Inha­bers im Gemein­de­ge­biet von der Zweit­woh­nungs­steu­er aus­nimmt, mit dem Gleich­heits­satz ver­ein­bar ist. Bei einer im kom­mu­na­len Steu­er­recht zuläs­si­gen 1 typi­sie­ren­den Betrach­tung wird ein Inha­ber meh­re­rer Zweit­woh­nun­gen im Gebiet ein und der­sel­ben Gemein­de in der Regel allen­falls eine die­ser Woh­nun­gen für per­sön­li­che Nut­zungs­zwe­cke vor­hal­ten. Des­halb ist es nicht zu bean­stan­den, wenn eine Gemein­de die­sen Erfah­rungs­satz im Sin­ne der Ver­ein­fa­chung der Steu­er­ver­wal­tung zum Anlass nimmt, der­ar­ti­ge Sach­ver­hal­te von vorn­her­ein gene­ra­li­sie­rend von der Besteue­rung aus­zu­neh­men 2. Dar­auf hat auch das Ver­wal­tungs­ge­richt rich­ti­ger­wei­se für sei­ne Ent­schei­dung abge­stellt.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat zudem bereits aus­ge­spro­chen, dass es auch nicht gegen den Gleich­heits­satz ver­stößt, wenn nur die Eigen­tü­mer und Dau­er­mie­ter, nicht aber die Kur­gäs­te und Feri­en­gäs­te zur Zweit­woh­nungs­steu­er her­an­ge­zo­gen wer­den 3. Dem ist zuzu­stim­men. Die Zweit­woh­nungsteu­er ist eine Steu­er auf die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit, die in der Ver­wen­dung des Ein­kom­mens für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf zum Aus­druck kommt. Das Inne­ha­ben einer wei­te­ren Woh­nung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf (Zweit­woh­nung) neben der Haupt­woh­nung ist ein beson­de­rer Auf­wand, der gewöhn­lich die Ver­wen­dung von finan­zi­el­len Mit­teln erfor­dert und in der Regel wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit zum Aus­druck bringt 4. Das nach dem Auf­wands­be­griff im Sin­ne des Art. 105 Abs. 2a GG gebo­te­ne Inne­ha­ben einer wei­te­ren Woh­nung für die per­sön­li­che Lebens­füh­rung setzt eine dahin­ge­hen­de Bestim­mung des Ver­wen­dungs­zwecks der Zweit­woh­nung vor­aus 5. Eine sol­che Fest­le­gung kann nur der­je­ni­ge tref­fen, der für eine gewis­se Dau­er recht­lich gesi­chert über die Nut­zung der Woh­nung ver­fü­gen kann 6. Auch § 3 Abs. 3 Steu­er­sat­zung begeg­net daher kei­nen recht­li­chen Beden­ken. Der Sat­zungs­ge­ber darf bestim­men, dass ein Gast, der nur für die übli­che Urlaubs­dau­er eine Unter­kunft anmie­tet, nicht zur Zweit­woh­nungsteu­er her­an­ge­zo­gen wird 7. Dies ist zutref­fend vom Ver­wal­tungs­ge­richt dar­ge­stellt wor­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Beschluss vom 26. Febru­ar 2016 – 1 L 410/​15

  1. vgl. dazu auch OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern Beschluss vom 21.02.2011 – 1 L 205/​08 – 13[]
  2. BVerwG, Urteil vom 06.12.1996 – 8 C 49/​95 – 16[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 12.02.1986 – 2 BvR 36/​86[]
  4. OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern Urteil vom 04.12.2008 – 1 L 299/​04 – 18[]
  5. stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, vgl. zuletzt BVerwG, Urteil vom 15.10.2014 – 9 C 5/​13 – 12, m.w.N.[]
  6. BVerwG, Urteil vom 13.05.2009 – 9 C 8/​08 – 16[]
  7. vgl. BayVGH, Beschluss vom 15.05.2007 – 4 ZB 06.3415 – 10[]