Das aus­ge­üb­te Vor­kaufs­recht für ein Grund­stück – und der Über­gang von Nut­zen und Lasten

Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und Vor­kaufs­be­rech­tig­ter kön­nen den Über­gang von Nut­zen und Las­ten abwei­chend von den in dem ursprüng­li­chen Kauf­ver­trag fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen auf einen spä­te­ren Zeit­punkt festlegen.

Das aus­ge­üb­te Vor­kaufs­recht für ein Grund­stück – und der Über­gang von Nut­zen und Lasten

Mit der Aus­übung eines Vor­kaufs­rechts kommt der Kauf zwi­schen dem Berech­tig­ten und dem Ver­pflich­te­ten unter den Bestim­mun­gen zustan­de, wel­che der Ver­pflich­te­te mit dem Drit­ten ver­ein­bart hat (§ 464 Abs. 2 BGB). Die Bestim­mun­gen des Kauf­ver­trags, der durch die Abga­be der Vor­kaufs­er­klä­rung zwi­schen dem Berech­tig­ten und dem Ver­pflich­te­ten zustan­de kommt, wer­den nicht zwi­schen die­sen bei­den aus­ge­han­delt, son­dern dem Ver­trag des Ver­pflich­te­ten mit dem Drit­ten ent­nom­men1. Aller­dings wird die Ver­trags­frei­heit durch § 464 Abs. 2 BGB nicht ein­ge­schränkt2. Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und Vor­kaufs­rechts­be­rech­tig­ter kön­nen ver­ein­ba­ren, dass für das Kauf­ver­hält­nis zwi­schen die­sen bei­den Per­so­nen ande­re Bestim­mun­gen als für das ursprüng­lich mit dem Drit­ten geschlos­se­ne Geschäft gel­ten sol­len. Das gilt z.B. für Ver­ein­ba­run­gen über die Fäl­lig­keit des Kauf­prei­ses, die unge­ach­tet der Bestim­mun­gen im ursprüng­li­chen Ver­trag immer erst nach der Aus­übung des Vor­kaufs­rechts ein­tre­ten kann3.

Die­se Grund­sät­ze kön­nen auf eine von dem ursprüng­li­chen Ver­trag abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung über den Über­gang von Besitz, Nut­zen und Las­ten über­tra­gen wer­den. Ins­be­son­de­re, wenn auf­grund des ursprüng­lich zwi­schen dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und dem Drit­ten geschlos­se­nen Ver­trags Besitz, Nut­zen und Las­ten bereits vor der Aus­übung des Vor­kaufs­rechts auf den Drit­ten über­ge­gan­gen sind, kön­nen der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und der Vor­kaufs­be­rech­tig­te den Über­gang abwei­chend von dem in dem ursprüng­li­chen Kauf­ver­trag fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen auf einen spä­te­ren Zeit­punkt festlegen.

Weiterlesen:
Energiesteuerentlastung - und die nachweisliche Versteuerung

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Febru­ar 2021 – II R 44/​17

  1. Staudinger/​Schermaier [2013] § 464 BGB Rz 14[]
  2. vgl. Staudinger/​Schermaier [2013] § 464 BGB Rz 18, m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.10.1982 – V ZR 147/​81, NJW 1983, 682, unter 1.; und vom 05.05.1988 – III ZR 105/​87, NJW 1989, 37, unter II. 1.c[]

Bild­nach­weis: