Der Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­scheid zu Las­ten der Insol­venz­mas­se

Ein Insolvenzverwalter/​Treuhänder ist nicht ver­pflich­tet, dem Finanz­amt den Eigen­tü­mer eines Kfz zu nen­nen. Die Mit­tei­lung, dass das Fahr­zeug nicht im Eigen­tum der Insol­venz­schuld­ne­rin steht, reicht regel­mä­ßig aus.

Der Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­scheid zu Las­ten der Insol­venz­mas­se

Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG unter­liegt das Hal­ten von Fahr­zeu­gen zum Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen der Kraft­fahr­zeug­steu­er. Steu­er­schuld­ner ist bei einem inlän­di­schen Fahr­zeug die Per­son, für die das Fahr­zeug zum Ver­kehr zuge­las­se­nen ist (§ 7 Nr. 1 Kraft­StG). Mit der Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens geht gemäß § 80 Abs. 1 der Insol­venz­ord­nung (InsO) das Recht des Schuld­ners, das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen (§ 35 InsO) zu ver­wal­ten, auf den Insol­venz­ver­wal­ter über, der als Ver­mö­gens­ver­wal­ter gemäß § 34 Abs. 3 i. V. m. Abs. 1 AO die steu­er­li­chen Pflich­ten des Insol­venz­schuld­ners zu erfül­len hat, soweit sei­ne Ver­wal­tung reicht. Als Ver­mö­gens­ver­wal­ter ist der Insol­venz­ver­wal­ter Steu­er­pflich­ti­ger und rich­ti­ger Bekannt­ga­be- und Inhalts­adres­sat von Steu­er­be­schei­den, mit denen eine Finanz­be­hör­de bestehen­de Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten gel­tend macht. Dem­ge­gen­über sind Steu­er­for­de­run­gen, die sich gegen das insol­venz­freie Ver­mö­gen des Schuld­ners rich­ten, gegen den Schuld­ner fest­zu­set­zen (BFH, Urteil vom 13.04.2011 – II R 49/​09, BStBl II 2011, 944; BFH, Beschluss vom 08.09.2009 – II B 63/​09, BFH/​NV 2010, 68)).

Für das Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren gel­ten die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der Insol­venz­ord­nung ent­spre­chend (§ 304 Abs. 1 S. 1 InsO). Die Auf­ga­ben des Insol­venz­ver­wal­ters wer­den dann von dem Treu­hän­der wahr­ge­nom­men (§ 313 Abs. 1 InsO).

Gemäß § 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO sind Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten die Ver­bind­lich­kei­ten, die durch Hand­lun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters oder in ande­rer Wei­se durch die Ver­wal­tung, Ver­wer­tung und Ver­tei­lung der Insol­venz­mas­se begrün­det wer­den, ohne zu den Kos­ten des Insol­venz­ver­fah­rens zu gehö­ren. Kraft­fahr­zeug­steu­er ist als Abga­ben­for­de­rung im Sin­ne der zwei­ten Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve den in ande­rer Wei­se durch die Ver­wal­tung, Ver­wer­tung und Ver­tei­lung der Mas­se begrün­de­ten Ver­bind­lich­kei­ten zuzu­ord­nen, soweit sie die Insol­venz­mas­se betrifft. Dies ist der Fall, wenn die Abga­ben­for­de­rung selbst einen Bezug zur Insol­venz­mas­se auf­weist und erst nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens begrün­det wur­de [1].

Die Insol­venz­mas­se erfasst nach § 35 Abs. 1 InsO das gesam­te Ver­mö­gen, das dem Schuld­ner zur Zeit der Eröff­nung des Ver­fah­rens gehört und das er wäh­rend des Ver­fah­rens erlangt. Maß­ge­bend für die Fest­set­zung der Kraft­fahr­zeug­steu­er zu Las­ten der Insol­venz­mas­se ist, ob das Fahr­zeug Teil der Insol­venz­mas­se ist. Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung, wonach die Rechts­po­si­ti­on des Hal­tens zur Insol­venz­mas­se gehört, hat der BFH auf­ge­ge­ben [2]. Dem schließt sich das Finanz­ge­richt Ham­burg an.

Nach Mit­tei­lung der Treu­hän­de­rin gehört das auf die Insol­venz­schuld­ne­rin zuge­las­se­ne Kfz nicht zur Insol­venz­mas­se, weil es nicht in deren Eigen­tum steht. Die Treu­hän­de­rin hat inso­weit kei­ne ech­te Frei­ga­be eines Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des aus der Insol­venz­mas­se erteilt, son­dern ledig­lich bestehen­de Eigen­tums­rech­te aner­kannt und damit einen mas­se­frem­den Gegen­stand dem Aus­son­de­rungs­be­rech­tig­ten frei­ge­ge­ben (vgl. Lwowski/​Peters in Mün­che­ner Kom­men­tar zur InsO, 2. Aufl. 2007, § 35 Rn. 86; Schu­ma­cher in Frank­fur­ter Kom­men­tar zur InsO, 6. Aufl. 2011, § 35 Rn. 30). Anders als in dem der Ent­schei­dung des BFH vom 08.09.2011 (II R 54/​10, a. a. O.) zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt war nicht zu ent­schei­den, ob eine Frei­ga­be nach § 35 Abs. 2 InsO im Zusam­men­hang mit einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit erfolgt. Eben­so wenig stell­te sich die Fra­ge, ob es sich um einen unpfänd­ba­ren Gegen­stand im Sin­ne von § 36 Abs. 1 InsO han­del­te.

Da die Kraft­fahr­zeug­steu­er an die Halter­ei­gen­schaft anknüpft und es nicht dar­auf ankommt, wer Eigen­tü­mer des Fahr­zeu­ges ist, bedurf­te es grund­sätz­lich kei­ner wei­te­ren Infor­ma­tio­nen, um die Kraft­fahr­zeug­steu­er gegen­über dem rich­ti­gen Steu­er­schuld­ner fest­zu­set­zen. Dabei ist davon aus­zu­ge­hen, dass ein Insol­venz­ver­wal­ter oder Treu­hän­der der Auf­sicht des Insol­venz­ge­richts unter­liegt und nicht unbe­rech­tigt Gegen­stän­de aus der Insol­venz­mas­se aus­son­dert oder frei­gibt. Anhalts­punk­te dafür, dass im vor­lie­gen­den Fall nicht von die­sen Grund­sät­zen aus­ge­gan­gen wer­den kann, sind weder dar­ge­legt noch sonst ersicht­lich.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 12. Dezem­ber 2012 – 2 K 234/​12

  1. BFH, Urteil vom 13.04.2011 – II R 49/​09, BStBl II 2011, 944; BVerwG, Urteil vom 16.12.2009 – 8 C 9/​09, NJW 2010, 2152[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 13.04.2011 – II R 49/​09, BStBl II 2011, 944; vom 08.09.2011 – II R 54/​10, BStBl II 2012, 149[]