Die Erben­ge­mein­schaft in der Grund­er­werb­steu­er

Nach § 1 Abs. 3 Nr.1 GrEStG unter­liegt der Grund­er­werb­steu­er, wenn — wie hier – zum Ver­mö­gen einer Gesell­schaft ein inlän­di­sches Grund­stück gehört, ein Rechts­ge­schäft, das den Anspruch auf Über­tra­gung eines oder meh­re­rer Antei­le der Gesell­schaft begrün­det, wenn durch die Über­tra­gung unmit­tel­bar oder mit­tel­bar min­des­tens 95% der Antei­le der Gesell­schaft in der Hand des Erwer­bers ver­ei­nigt wer­den.

Die Erben­ge­mein­schaft in der Grund­er­werb­steu­er

Die Mit­er­ben­ge­mein­schaft ist in ihrer gesamt­hän­de­ri­schen Ver­bun­den­heit auch Erwer­be­rin im Sin­ne die­ser Vor­schrift. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, von der abzu­wei­chen kei­ne Ver­an­las­sung besteht, ist eine Erben­ge­mein­schaft, soweit sie nach außen ein Grund­stück aus dem Nach­lass ver­äu­ßert oder für den Nach­lass erwirbt, selb­stän­di­ger Rechts­trä­ger im Sin­ne des Grund­er­werb­steu­er­rech­tes 1.

Dem steht der bür­ger­lich-recht­li­che Cha­rak­ter einer Erben­ge­mein­schaft als Abwick­lungs­ge­mein­schaft nicht ent­ge­gen. Zwar ist die Erben­ge­mein­schaft zivil­recht­lich nicht rechts­fä­hig. Sie ist nicht auf Dau­er ange­legt, son­dern auf Aus­ein­an­der­set­zung gerich­tet und ver­fügt nicht über eige­ne Orga­ne, durch die sie im Rechts­ver­kehr han­deln könn­te. Die Erben­ge­mein­schaft ist daher kein eigen­stän­di­ges, hand­lungs­fä­hi­ges Rechts­sub­jekt, son­dern ledig­lich eine gesamt­hän­de­risch ver­bun­de­ne Per­so­nen­mehr­heit, der mit dem Nach­lass ein Son­der­vemö­gen zuge­ord­net ist (vgl. BGH, Beschluss vom 17.10.2006 – VIII ZB 94/​05, NJW 2006, 3715 m.w.N.; BFH, Urteil vom 17.7.1975 – II R 141/​74 BFHE 117, 270, BSt­Bl II 1976, 159 m.w.N.). Gleich­wohl ist die Erben­ge­mein­schaft nach außen auch bür­ger­lich-recht­lich der­art ver­selb­stän­digt, dass zum Bei­spiel selbst bei Gleich­heit der Per­so­nen und der Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se zwei Erben­ge­mein­schaf­ten nach ver­schie­de­nen Erb­las­sern ver­schie­de­ne Rechts­trä­ger sind. Des­halb bedarf etwa die Grund­stücks­über­tra­gung zwi­schen sol­chen Erben­ge­mein­schaf­ten der Auf­las­sung.

Zwar schreibt das Grund­er­werb­steu­er­ge­setz nicht aus­drück­lich vor, dass die Erben­ge­mein­schaft im Grund­er­werb­steu­er­recht als selb­stän­di­ger Rechts­trä­ger zu behan­deln ist. Die grund­er­werb­steu­er­recht­li­che Selb­stän­dig­keit der Erben­ge­mein­schaft folgt viel­mehr aus deren bür­ger­lich-recht­li­cher Selb­stän­dig­keit als Zurech­nungs­sub­jekt des gesamt­hän­de­risch gebun­de­nen Son­der­ver­mö­gens (vgl. BFH Urteil vom 29.11.1972 II R 42/​67, BFHE 108, 257, BSt­Bl II 1973, 372; eben­so bereits Urteil vom 22.2.1961 II 227/​59 U, BSt­Bl III 1961, 213, vom 29.1.1964 II 174/​63 U, BFHE 78, 413, BSt­Bl III 1964, 160). Es ist kein Grund erkenn­bar, war­um dies nur für den Erwerb von Grund­stü­cken oder grund­stücks­glei­chen Rech­ten, und nicht auch im Rah­men des § 1 Abs. 3 GrEStG für den Erwerb von Ansprü­chen auf Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft gel­ten soll. Die­ses Ergeb­nis ent­spricht auch dem Zweck der Vor­schrift.

Der Gesetz­ge­ber hat mit § 1 Abs. 3 GrEStG Rechts­hand­lun­gen, die auf die Ver­ei­ni­gung von Antei­len in einer Hand gerich­tet sind und zu einem Wech­sel der Rechts­trä­ger­schaft an die­sen Antei­len füh­ren, dem grund­stücks­be­zo­ge­nen Grund­stücks­er­werb gleich­ge­stellt (vgl. Fischer in Borut­tau, a.a.O., § 1 Rdz. 906). Mit dem Erwerb von min­des­tens 95 v.H. der Antei­le an der Gesell­schaft wird deren Inha­ber so behan­delt, als habe er die zum Aktiv­ver­mö­gen der Gesell­schaft gehö­ren­den Grund­stü­cke von der Gesell­schaft, deren Antei­le sich in sei­ner Hand ver­ei­ni­gen, erwor­ben (vgl. Fischer in Borut­tau, a.a.O., § 1 Rdz. 907 m.w.N.). Die­sem Zweck ent­spricht es, den Anspruch der Antei­le in der Hand der Erben­ge­mein­schaft als Erwer­be­rin ein­tre­ten zu las­sen.

Die Rechts­la­ge ist daher nicht anders, als wenn die Kapi­tal­erhö­hung noch zu Leb­zei­ten des Gesell­schaf­ters C statt­ge­fun­den hät­te und die­ser erst danach ver­stor­ben wäre. Hin­zu kommt, dass nach der Rege­lung in dem Ver­trag über die Grün­dung der GmbH der Kapi­tal­an­teil des Gesell­schaf­ters C auf die Mit­er­ben unge­teilt über­ge­gan­gen ist. Auch die­se ein­deu­ti­ge Rege­lung spricht gegen die von den Klä­gern ver­tre­te­ne Ansicht, wonach die Kapi­tal­erhö­hung auf sie als Mit­er­ben ent­spre­chend ihrem Erb­an­teil vor­zu­neh­men ist.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 29. August 2012 – 7 K 3691/​11 GE

  1. vgl. BFH Urtei­le vom 15.05.1957 – II 102/​56 U, BFHE 65, 14, BSt­Bl III 1957, 238; und vom 13.11.1974 – ll R 26/​74, BFHE 114, 288, BSt­Bl 1975, 249 m.w.N. jeweils m.w.N.; Fischer in Borut­tau, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz 17.Aufl § 1 Rdz.73 m.w.N.; Pahl­ke in Pahlke/​Franz, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz 4.Aufl. § 1 Rdz.51[]