Die Gefah­ren des Tabak­schmug­gels

Ein Schmugg­ler muss nicht nur mit sei­ner Bestra­fung und dem Ver­lust der geschmug­gel­ten Waren rech­nen, son­dern außer­dem auch die dar­auf ent­fal­len­den Ein­fuhr­ab­ga­ben ent­rich­ten, wenn er "erwischt" wird. So hat der Bun­des­fi­nanz­hof in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den, dass Ein­fuhr­ab­ga­ben (also Zoll, Ein­fuhr­um­satz­steu­er und Tabak­steu­er) nicht erlö­schen, wenn Ziga­ret­ten, die in das Zoll­ge­biet der Euro­päi­schen Gemein­schaft ein­ge­schmug­gelt wor­den sind, bei dem Ent­la­den aus dem Schmug­gel­fahr­zeug am Bestim­mungs­ort beschlag­nahmt und spä­ter ein­ge­zo­gen wer­den.

Die Gefah­ren des Tabak­schmug­gels

Der Klä­ger in dem vom BFH ent­schie­de­nen Fall war als Fah­rer eines Sat­tel­zu­ges in das Zoll­ge­biet der EU ein­ge­reist. Hin­ter einer Tarn­la­dung aus Säge­spä­nen beför­der­te er 4 000 000 Stück (= 20 000 Stan­gen) unver­zoll­te und unver­steu­er­te Ziga­ret­ten, die er nicht zur Ein­fuhr anmel­de­te. Nach dem Pas­sie­ren der Gren­ze setz­te er sei­ne Fahrt zu einer Werk­statt­hal­le fort, in der die Ziga­ret­ten aus dem LKW ent­la­den wer­den soll­ten. Dort beob­ach­te­ten Beam­te des Zoll­fahn­dungs­diens­tes das Gesche­hen und nah­men den Klä­ger sowie wei­te­re Tat­be­tei­lig­te fest, nach­dem die­se mit dem Ent­la­den des LKW begon­nen hat­ten. Dabei wur­den die geschmug­gel­ten Ziga­ret­ten beschlag­nahmt und spä­ter im Straf­ver­fah­ren ein­ge­zo­gen.

Zusätz­lich zu der straf­recht­li­chen Ver­fol­gung ver­lang­te das zustän­di­ge Haupt­zoll­amt vom Klä­ger und den ande­ren Tat­be­tei­lig­ten die Zah­lung der auf den Ziga­ret­ten las­ten­den Ein­fuhr­ab­ga­ben in Höhe von rund einer hal­ben Mil­li­on Euro.

Zu Recht, wie der BFH ent­schied. Bereits dadurch, dass die Ziga­ret­ten vor­schrifts­wid­rig, d.h. ohne die vor­ge­schrie­be­ne Anmel­dung beim Zoll, in das Zoll­ge­biet der Gemein­schaft ver­bracht wer­den, ent­ste­hen die Ein­fuhr­ab­ga­ben. Wäh­rend das Gesetz für Zoll und Ein­fuhr­um­satz­steu­er ein Erlö­schen der Abga­ben­schuld vor­sieht, wenn die geschmug­gel­ten Waren "bei" dem vor­schrifts­wid­ri­gen Ver­brin­gen beschlag­nahmt und spä­ter ein­ge­zo­gen wer­den, gibt es eine ent­spre­chen­de Rege­lung für die Tabak­steu­er nicht. Im Streit­fall sei­en – so der BFH – aber auch Zoll und Ein­fuhr­um­satz­steu­er nicht erlo­schen, weil das vor­schrifts­wid­ri­ge Ver­brin­gen beim Zugriff der Zoll­fahn­dungs­be­am­ten bereits been­det gewe­sen sei. Auch sei­en die Beam­ten nicht etwa zu einem frü­he­ren Ein­grei­fen ver­pflich­tet gewe­sen, um damit die Vor­aus­set­zung für das Erlö­schen der Abga­ben zu schaf­fen.

Die vom Schmugg­ler zu ent­rich­ten­den Ein­fuhr­ab­ga­ben kön­nen gera­de bei Tabak­wa­ren oder brannt­wein­hal­ti­gen Erzeug­nis­sen eine erheb­li­che Grö­ßen­ord­nung errei­chen. Die Ver­pflich­tung zur Zah­lung gilt übri­gens für jede Per­son, die sich in irgend­ei­ner Form an dem vor­schrifts­wid­ri­gen Ver­brin­gen als Mit­tä­ter oder Gehil­fe betei­ligt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. März 2006 – VII R 23/​04