Die Hun­des des Tier­schutz­ver­eins – und die Hun­de­steu­er­pflicht des Spenders

Hal­ter eines Hun­des ist der­je­ni­ge, dem das Tier zeit­lich und räum­lich zuge­ord­net ist und der dafür auch in gewis­sem Umfang Ein­kom­men oder Ver­mö­gen auf­wen­det. Ein Tier­schutz­ver­ein kann nicht als Hal­ter von 18 Hun­den ange­se­hen wer­den, wenn er im Hin­blick auf sei­ne finan­zi­el­le Situa­ti­on nicht in der Lage ist, die lau­fen­den Aus­ga­ben für die Tie­re sowie die Auf­wen­dun­gen für deren Unter­brin­gung zu tra­gen. Bei der vor­zu­neh­men­den wer­ten­den Betrach­tung aller Umstän­de ist viel­mehr das Mit­glied des Ver­eins Hal­ter der Tie­re, von dem das Wohl und Wehe des Ver­eins abhängt, weil es im Wege einer Groß­spen­de den ganz über­wie­gen­den Teil der Ver­eins­ein­nah­men ver­ant­wor­tet und zudem auf sei­nem Haus­grund­stück unent­gelt­lich die Unter­kunft für die Tie­re zur Ver­fü­gung stellt. 

Die Hun­des des Tier­schutz­ver­eins – und die Hun­de­steu­er­pflicht des Spenders

Nach § 1 Abs. 2 der im hier ent­schie­de­nen Streit­fall ein­schlä­gi­gen kom­mu­na­len Hun­de­steu­er­sat­zung unter­liegt das Hal­ten von Hun­den durch natür­li­che Per­so­nen im Gemein­de­ge­biet der Steu­er, soweit es nicht aus­schließ­lich der Erzie­lung von Ein­nah­men dient. Steu­er­schuld­ner und Steu­er­pflich­ti­ger ist der Hal­ter eines Hun­des (§ 2 Abs. 1 Hun­de­steu­er­sat­zung). Hal­ter ist nach § 2 Abs. 2 der Hun­de­steu­er­sat­zung, wer einen Hund in sei­nem Haus­halt oder sei­nem Wirt­schafts­be­trieb für die Zwe­cke der per­sön­li­chen Lebens­füh­rung auf­ge­nom­men hat. Kann der Hal­ter eines Hun­des nicht ermit­telt wer­den, so gilt als Hal­ter, wer den Hund wenigs­tens drei Mona­te lang gepflegt, unter­ge­bracht oder auf Pro­be oder zum Anler­nen gehal­ten hat.

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Wie in die­sen Sat­zungs­be­stim­mun­gen zum Aus­druck kommt, han­delt es sich bei der Hun­de­steu­er um eine Auf­wand­steu­er im Sin­ne des Art. 105 Abs. 2a GG1. Mit ihr wird der beson­de­re, über die Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs hin­aus­ge­hen­de Auf­wand für die per­sön­li­che Lebens­füh­rung und damit die in der Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf zum Aus­druck kom­men­de wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit besteu­ert2. Des­halb setzt die Erhe­bung der Hun­de­steu­er grund­sätz­lich vor­aus, dass mit der Hun­de­hal­tung ein gewis­ser – wenn auch unter Umstän­den nur gering­fü­gi­ger – zusätz­li­cher Ver­mö­gens­auf­wand ver­bun­den ist3.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Erhe­bung einer Auf­wand­steu­er sind im hier ent­schie­de­nen Fal­le bei der Klä­ge­rin nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg erfüllt:

Nach der Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist Hal­ter eines Hun­des der­je­ni­ge, dem das Tier zeit­lich und räum­lich zuge­ord­net ist und der dafür auch in gewis­sem Umfang Ein­kom­men oder Ver­mö­gen auf­wen­det. Für die steu­er­li­che Zuord­nung eines Hun­des zu sei­nem Hal­ter bil­det die Auf­nah­me in des­sen Haus­halt oder Betrieb eine unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung4. Dass die Kos­ten der Hun­de­hal­tung (teil­wei­se) durch frei­wil­li­ge Spen­den Drit­ter getra­gen wer­den, schließt die Halter­ei­gen­schaft nicht aus5.

Dies zugrun­de legend ergibt eine wer­ten­de Betrach­tung aller Umstän­de, dass die Klä­ge­rin, die im Jahr 2018 18 Hun­de auf ihrem Grund­stück hielt, selbst in nen­nens­wer­tem Umfang einen besteu­er­ba­ren Auf­wand im Sin­ne der dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung trägt.

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Den ver­eins­in­ter­nen Unter­la­gen ist zu ent­neh­men, dass der Ver­ein als Hal­ter der Hun­de nicht in Betracht kommt. Denn er ver­fügt über kei­ner­lei Rück­la­gen durch die die Aus­ga­ben für die Hun­de pro­gnos­tisch dau­er­haft gesi­chert wer­den könn­ten. Zudem erhebt der Ver­ein trotz der Rege­lung in § 4 Nr. 2 der Ver­eins­sat­zung, wonach von pas­si­ven Mit­glie­dern Bei­trä­ge erho­ben wer­den, kei­ne Mit­glieds­bei­trä­ge für den Unter­halt der Hun­de. Der Ver­ein finan­ziert sich viel­mehr aus­schließ­lich aus Spen­den, wobei die Klä­ge­rin von den im Jahr 2018 getä­tig­ten Spen­den in Höhe von 10.398, 20 Euro einen Betrag von 7.596, 24 Euro spen­de­te. Dar­aus ergibt sich, dass die Klä­ge­rin im Jahr 2018 einen Anteil von 73 Pro­zent der Ver­eins­ein­nah­men bestrit­ten hat. Im Hin­blick auf die­se finan­zi­el­le Situa­ti­on des Ver­eins kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die­ser als Hal­ter der 18 Hun­de in Betracht kommt. Denn ohne die finan­zi­el­len Zuwen­dun­gen der Klä­ge­rin hat der Ver­ein man­gels wei­te­rer Groß­spen­den und regel­mä­ßi­ger Mit­glieds­bei­trä­ge kei­ne ste­ti­gen, ver­läss­li­chen, dau­er­haf­ten Ein­nah­men, um die lau­fen­den Aus­ga­ben für die Hun­de­hal­tung tra­gen zu kön­nen. Man­gels finan­zi­el­ler Res­sour­cen wäre der Ver­ein auch nicht in der Lage, für die Unter­brin­gung der Tie­re zu sor­gen, wenn die Klä­ge­rin die unent­gelt­li­che Unter­kunft auf ihrem Grund­stück „auf­kün­di­gen“ wür­de. Viel­mehr hängt das Wohl und Wehe des Ver­eins von dem finan­zi­el­len und tat­säch­li­chen Ein­satz der Klä­ge­rin maß­geb­lich ab.

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Daher ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Klä­ge­rin selbst die Hal­te­rin der Hun­de ist. Dafür spricht zum einen der bereits erwähn­te Umstand, dass im Jahr 2018 der Haupt­be­trag der Spen­den von ihr erbracht wur­de. Des Wei­te­ren stellt die Klä­ge­rin das in ihrem Eigen­tum ste­hen­de Grund­stück, auf dem sie selbst lebt, unent­gelt­lich für die Unter­kunft der Tie­re zur Ver­fü­gung. Da die Hun­de mit­hin auf ihrem Grund­ei­gen­tum gehal­ten wer­den, sind sie ihr auch räum­lich und zeit­lich zuge­ord­net. Hin­zu kommt, dass der Ver­eins­sitz dem Wohn­sitz der Klä­ge­rin ent­spricht und sie als Vor­sit­zen­de des Vor­stands des Ver­eins des­sen Geschi­cke maß­geb­lich beeinflusst.

Unab­hän­gig davon recht­fer­tigt bereits der Umstand, dass die Klä­ge­rin 18 Hun­de auf ihrem Wohn­grund­stück hält, die Erhe­bung der Hun­de­steu­er. Die Hun­de sind danach ent­spre­chend der dar­ge­leg­ten Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs der Klä­ge­rin zeit­lich und räum­lich zuge­ord­net. Eine abwei­chen­de Ein­schät­zung ergibt sich auch nicht auf der Grund­la­ge des klä­ge­ri­schen Vor­trags, etli­che Ver­eins­mit­glie­der küm­mer­ten sich täg­lich um die Tie­re; die Hun­de sei­en zudem über den Ver­ein ver­si­chert, was durch die Vor­la­ge einer Bestä­ti­gung für die Hun­de­hal­ter­haft­pflicht­ver­si­che­rung nach­ge­wie­sen ist. Die Klä­ge­rin hat allein schon durch die unent­gelt­li­che Zur­ver­fü­gung­stel­lung ihres Grund­stücks für die Unter­brin­gung von 18 Hun­den und wei­te­ren Tie­ren inso­weit den Auf­wand zu tra­gen. Dies ist Aus­druck der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit der Klä­ge­rin, die der Sat­zungs­ge­ber mit der Hun­de­steu­er tref­fen und „abschöp­fen“ will6.

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Nach der Fik­ti­on des § 2 Abs. 2 Satz 2 der Hun­de­steu­er­sat­zung gilt im Übri­gen als Hal­ter, wer den Hund wenigs­tens drei Mona­te gepflegt, unter­ge­bracht oder auf Pro­be oder zum Anler­nen gehal­ten hat. Die­se Rege­lung gilt nicht nur, wenn der Hal­ter eines Hun­des nicht ermit­telt wer­den kann. Nach der Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg7 kommt sowohl nach dem Wort­laut als auch nach dem Sinn und Zweck der Rege­lung in § 2 Abs. 2 Satz 2 Hun­de­steu­er­sat­zung die­se nicht nur im Fal­le her­ren­lo­ser Hun­de, son­dern gera­de auch dann zur Anwen­dung, wenn wie hier umstrit­ten ist, wel­che von meh­re­ren in Betracht kom­men­den Per­so­nen bzw. Ver­ei­ni­gun­gen im hun­de­steu­er­recht­li­chen Sin­ne als Hal­ter anzu­se­hen ist. Für die­se Streit­fäl­le schafft § 2 Abs. 2 Satz 2 Hun­de­steu­er­sat­zung eine Ver­mu­tungs­re­ge­lung, wonach der­je­ni­ge als Hun­de­hal­ter gilt, der einen Hund län­ger als drei Mona­te bei sich auf­ge­nom­men hat. Im Hin­blick auf die vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen hat die Klä­ge­rin die­se Ver­mu­tungs­re­ge­lung nicht ent­kräf­tet bzw. nicht aus­rei­chend nach­ge­wie­sen, dass der Ver­ein als Hal­ter anzu­se­hen ist.

Der Umstand, dass die Hun­de aus Tier­schutz­grün­den auf­ge­nom­men und betreut wer­den, weil sie alt und krank sind, führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Es ist für das Vor­lie­gen einer Auf­wand­steu­er ohne Belang, wel­chen Zwe­cken die Ein­kom­mens- oder Ver­mö­gens­ver­wen­dung im Ein­zel­fall dient8. Auch eine Hun­de­hal­tung aus der sitt­li­chen Ver­pflich­tung des Tier­schut­zes und der Tier­pfle­ge oder ande­ren altru­is­ti­schen Zwe­cken stellt einen besteu­er­ba­ren Auf­wand dar9.

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Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 24. März 2021 – 2 S 3006/​20

  1. BVerwG, Beschluss vom 28.11.1997 – 8 B 224.97 6[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 06.12.1983 – 2 BvR 1275/​79, BVerfGE 65, 325; BVerwG, Urtei­le vom 10.10.1995 ‑8 C 40.93, BVerw­GE 99, 303; und vom 06.12.1996 – 8 C 49.95, Buch­holz 401.61 Zweit­woh­nungs­steu­er Nr. 12 S. 15[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 16.05.2007 – 10 C 1/​07 13; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 06.03.2012 – 2 S 2738/​11 37; vom 15.09.2010 – 2 S 811/​10 37; und vom 26.05.2008 – 2 S 1025/​06 21; sowie Beschluss vom 14.07.2020 – 2 S 3022/​19 18[]
  4. Baye­ri­scher VGH, Beschluss vom 15.01.2013 – 4 ZB 12.540 9, 10[]
  5. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 26.05.2008, aaO 22; sowie Beschluss vom 14.07.2020, aaO19[]
  6. VGH, Beschluss vom 14.07.2020, aaO 25[]
  7. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 06.03.2012, aaO 44; Beschluss vom 14.07.2020, aaO Rn. 27[]
  8. BVerfG, Beschluss vom 06.12.1983 – 2 BvR 1275/​79, BVerfGE 65, 325[]
  9. VGH, Urteil vom 26.05.2008, aaO 24; VGH, Beschluss vom 14.07.2020, aaO 24[]

Bild­nach­weis:

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