Ener­gie­steu­er­li­che Ent­las­tung nach Ver­wen­dung

Ein Ener­gie­er­zeug­nis ist im Sin­ne der ener­gie­steu­er­li­chen Ent­las­tungs­tat­be­stän­de "nach­weis­lich ver­steu­ert" nicht bereits mit dem Ent­ste­hen des Steu­er­an­spruchs, son­dern erst mit sei­ner ver­bind­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung, etwa durch Anmel­dung oder Fest­set­zung der Steu­er.

Ener­gie­steu­er­li­che Ent­las­tung nach Ver­wen­dung

Eine Ent­las­tung bei der Ver­wen­dung eines nach­weis­lich ver­steu­er­ten Ener­gie­er­zeug­nis­ses ist auch dann mög­lich, wenn die Ver­steue­rung erst nach der Ver­wen­dung erfolgt.

Die für den Beginn der Antrags­frist maß­geb­li­che Ent­ste­hung des Steu­er­ent­las­tungs­an­spruchs ist nicht gege­ben, bevor die Ener­gie­steu­er ange­mel­det oder fest­ge­setzt ist.

Ein­tritt der Steu­er­be­las­tung nach Ver­wen­dung

Nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b) Ener­gieStG wird eine Steu­er­ent­las­tung auf Antrag gewährt für Ener­gie­er­zeug­nis­se, die nach­weis­lich nach § 2 Abs. 1 Nr. 9, 10 oder Abs. 3 Satz 1 Ener­gieStG ver­steu­ert wor­den sind und die von einem Unter­neh­men des pro­du­zie­ren­den Gewer­bes im Sin­ne des § 2 Nr. 3 des Strom­steu­er­ge­set­zes für die Metall­erzeu­gung und -bear­bei­tung sowie im Rah­men der Her­stel­lung von Metall­erzeug­nis­sen für die Her­stel­lung von Schmiede‑, Press‑, Zieh- und Stanz­tei­len, gewalz­ten Rin­gen und pul­ver­me­tall­ur­gi­schen Erzeug­nis­sen und zur Ober­flä­chen­ver­ed­lung und Wär­me­be­hand­lung, ver­wen­det wor­den sind. Nach Absatz 2 der Vor­schrift ist ent­las­tungs­be­rech­tigt der­je­ni­ge, der die Ener­gie­er­zeug­nis­se ver­wen­det hat.

Die­se Vor­schrift setzt nicht vor­aus, dass das ver­wen­de­te Ener­gie­er­zeug­nis im Zeit­punkt der Ver­wen­dung bereits mit Steu­er belas­tet gewe­sen ist, viel­mehr ist es hin­rei­chend, wenn eine Steu­er­be­las­tung erst nach der Ver­wen­dung ein­ge­tre­ten ist.

Der Wort­laut des § 51 Abs. 1 Ener­gieStG stellt die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der Ver­wen­dung des Ener­gie­er­zeug­nis­ses einer­seits und der nach­weis­li­chen Ver­steue­rung ande­rer­seits neben­ein­an­der und ver­knüpft sie ledig­lich mit dem Wort "und". Eine Bestim­mung der zeit­li­chen Bezie­hung zwi­schen der Ver­wirk­li­chung bei­der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen ist in der Vor­schrift nicht ent­hal­ten, so dass es auf eine Rei­hen­fol­ge nicht ankommt. Ein Tat­be­stands­merk­mal der "Vor­ver­steue­rung", wie sie der Beklag­te ver­langt, ist in der Vor­schrift nicht ent­hal­ten.

Bei rechts­kon­for­mem Ver­hal­ten aller an der Lie­fer­ket­te Betei­lig­ten wird bei einem Ener­gie­er­zeug­nis, für das die Steu­er mit der Ent­nah­me zum frei­en Ver­kehr gemäß § 8 Abs. 1 Ener­gieStG ent­steht, die Ener­gie­steu­er­an­mel­dung und damit die Belas­tung des Erzeug­nis­ses mit Ener­gie­steu­er zwar grund­sätz­lich vor der Ver­wen­dung des Ener­gie­er­zeug­nis­ses erfol­gen. Dass Fäl­le, in denen – wie vor­lie­gend – ein hier­vor abwei­chen­der Gesche­hens­ab­lauf vor­liegt, mit einer Ver­sa­gung der Ent­las­tung sank­tio­niert wer­den sol­len, ist weder dem Gesetz zu ent­neh­men noch ande­ren Quel­len.

Dass eine teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung nach Sinn und Zweck der Vor­schrift zu einem ande­ren Ergeb­nis führt, kann nicht fest­ge­stellt wer­den. Die auf die Ener­gie­er­zeug­nis­se erho­be­ne Ener­gie­steu­er soll das begüns­tig­te pro­du­zie­ren­de Gewer­be nicht belas­ten. Für die wirt­schaft­li­che Belas­tung des Gewer­bes spielt es jedoch kei­ne Rol­le, zu wel­chem Zeit­punkt die Steu­er ange­mel­det, fest­ge­setzt oder gezahlt wor­den ist, sofern sie denn – wie hier – über­haupt ent­rich­tet wird.

Antrag inner­halb des Fol­ge­jah­res

Nach der Rege­lung in § 95 Abs. 1 Satz 3 Ener­gieStV wird die Steu­er­ent­las­tung nur gewährt, wenn der Antrag spä­tes­tens bis zum 31. Dezem­ber des Jah­res, das auf das Kalen­der­jahr folgt, in dem der Steu­er­ent­las­tungs­an­spruch ent­stan­den ist, beim Haupt­zoll­amt gestellt wird.

Der Steu­er­ent­las­tungs­an­spruch ent­steht mit der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stan­des des § 51 Ener­gieStG. Sofern – wie im vor­lie­gen­den Fall – das Ener­gie­er­zeug­nis im Zeit­punkt der Ver­wen­dung noch nicht mit ange­mel­de­ter oder fest­ge­setz­ter Ener­gie­steu­er belas­tet ist, ver­wirk­licht sich der Tat­be­stand erst, wenn es nach­fol­gend noch zu einer Besteue­rung des Ener­gie­er­zeug­nis­ses kommt.

Die Aus­le­gung der Vor­schrift ergibt, dass das Tat­be­stands­merk­mal der nach­weis­li­chen Ver­steue­rung des Ener­gie­er­zeug­nis­ses nicht bereits mit dem blo­ßen Ent­ste­hen des Steu­er­an­spruchs – hier also mit der Ent­nah­me zum frei­en Ver­kehr und vor der Ver­wen­dung bei der Klä­ge­rin – erfüllt wird, son­dern erst dann, wenn es tat­säch­lich zu einer Steu­er­be­las­tung kommt, also mit der Anmel­dung der Steu­er oder ihrer Fest­set­zung.

Die­ses Ergeb­nis ergibt sich aus der Aus­le­gung der Vor­schrift.

Für die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis spricht zunächst der Wort­laut des § 51 Ener­gieStG. Zwar ist der Begriff der Ver­steue­rung nicht aus sich her­aus ein­deu­tig. Dass ein im Sin­ne der Vor­schrift nach­weis­lich ver­steu­er­tes Ener­gie­er­zeug­nis nicht bereits infol­ge des blo­ßen Ent­ste­hens des Steu­er­an­spruchs gege­ben ist, zeigt der Ver­gleich des Wort­lauts der Vor­schrift mit der – auch vom Beklag­ten zitier­ten – Begriffs­de­fi­ni­ti­on in § 45 Ener­gieStG. In die­ser Rege­lung, nach der Steu­er­ent­las­tung im Sin­ne die­ses Geset­zes den Erlass, die Erstat­tung und die Ver­gü­tung einer ent­stan­de­nen Steu­er umfasst, wird – anders als in § 51 Ener­gieStG – aus­drück­lich der Begriff der ent­stan­de­nen Steu­er ver­wen­det.

Die hier zugrun­de geleg­te Aus­le­gung ent­spricht zudem Sinn und Zweck der Ent­las­tungs­vor­schrif­ten. Die Ent­las­tung dient dazu, die wirt­schaft­li­che Belas­tung des Begüns­tig­ten mit der auf dem Ener­gie­er­zeug­nis las­ten­den Ener­gie­steu­er zu kom­pen­sie­ren.

Dem­nach bedarf es, um von einer "nach­weis­li­chen Ver­steue­rung" spre­chen zu kön­nen, zumin­dest noch einer ver­bind­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung des Steu­er­an­spruchs durch einen fest­set­zen­den Steu­er­be­scheid (§ 155 AO) 1 oder einer ihm gleich gestell­ten Steu­er­an­mel­dung nach § 168 AO 2. Die von den Ent­las­tungs­vor­schrif­ten bezweck­te Kom­pen­sa­ti­on einer Steu­er­be­las­tung ist indes weder im Hin­blick auf einen dem Grun­de nach begüns­tig­ten Ver­wen­der gebo­ten noch dem Ent­las­tungs­schuld­ner, also der Staats­kas­se als Gläu­bi­ger der Ener­gie­steu­er, auf­zu­er­le­gen, soweit eine Steu­er zwar durch Ver­wirk­li­chung etwa des Ent­nah­me­tat­be­stan­des ent­stan­den ist, aber man­gels Anmel­dung oder Fest­set­zung nicht kon­kre­ti­siert ist und es inso­weit noch an der recht­li­chen Grund­la­ge für eine Steu­er­erhe­bung fehlt.

Bestim­mung des Ent­las­tungs­zeit­raums

§ 95 Ener­gieStV bestimmt in Abs. 1 Satz 1 für die Stel­lung des Antrags, dass er sich auf alle Ener­gie­er­zeug­nis­se bezieht, die inner­halb eines Ent­las­tungs­ab­schnitts ver­wen­det wor­den sind. Für die Bestim­mung des Zeit­raums, für den ein Antrag gestellt wird, ist dem­ge­mäß – anders als für den Beginn der Antrags­frist – nicht auf die Erfül­lung des gesam­ten Ent­las­tungs­tat­be­stands abzu­stel­len, son­dern allein auf die tat­säch­li­che Ver­wen­dung.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 2. März 2011 – 4 K 181/​10

  1. vgl. Seer in Tipke/​Kruse Abga­ben­ord­nung Finanz­ge­richts­ord­nung, § 155, Rdnr. 11[]
  2. so auch Fried­rich, Kom­men­tar Ener­gie­steu­ern, Ener­gieStG § 45 Rdnr. 1[]