Erhöh­te Hun­de­steu­er für Rott­wei­ler

Hun­de der Ras­se "Rott­wei­ler" dür­fen nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter als soge­nann­te gefähr­li­che Hun­de ent­spre­chend der ört­li­chen Hun­de­steu­er­sat­zung mit dem erhöh­ten jähr­li­chen Steu­er­satz­be­legt wer­den.

Erhöh­te Hun­de­steu­er für Rott­wei­ler

Die Stadt Gescher hat­te in ihrer Hun­de­steu­er­sat­zung die Hun­de­steu­er für angeb­lich gefähr­li­che Hun­de­ras­sen auf 240,00 ? von ansons­ten 36,00 ? hoch­ge­setzt. Die Klä­ger, Hal­ter eines Rott­wei­lers, hat­ten in ihrer Kla­ge dar­auf ver­wie­sen, die in der Hun­de­steu­er­sat­zung erfolg­te Auf­nah­me der Hun­de­ras­se "Rott­wei­ler" in eine Lis­te von Hun­den, deren Gefähr­lich­keit unwi­der­leg­lich ver­mu­tet wer­de, ver­sto­ße gegen den auch im Steu­er­recht zu beach­ten­den Gleich­heits­grund­satz. Der Rat habe sich bei Erlass der Hun­de­steu­er­sat­zung an dem im Jah­re 2003 in Kraft getre­te­nen Lan­des­hun­de­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len ori­en­tiert. Die­ses defi­nie­re vier Hun­de­ras­sen in sei­nem § 3 als "gefähr­li­che Hun­de", zu denen der Rott­wei­ler nicht gehö­re. Die­se Ras­se sei viel­mehr in die Ras­se­lis­te des § 10 Lan­des­hun­de­ge­setz, die "Hun­de bestimm­ter Ras­sen" betref­fe und für die weni­ger ein­schnei­den­de Ver­pflich­tun­gen bei der Hal­tung vor­ge­se­hen sei­en, auf­ge­nom­men. Eine sol­che Dif­fe­ren­zie­rung, wie sie das Lan­des­hun­de­ge­setz auf­wei­se, feh­le in der Hun­de­steu­er­sat­zung der Stadt Gescher.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Gericht nicht. Es hat im Wesent­li­chen dar­ge­legt: Mit der Hun­de­steu­er dür­fe die Gemein­de u. a. auch das Ziel ver­fol­gen, in ihrem Gebiet gene­rell und lang­fris­tig das Hal­ten sol­cher Hun­de zurück­zu­drän­gen, die auf Grund ihrer durch Züch­tung geschaf­fe­nen typi­schen Eigen­schaf­ten in beson­de­rer Wei­se die Eig­nung auf­wie­sen, ein gefähr­li­ches Ver­hal­ten zu ent­wi­ckeln, sei es auch erst nach Hin­zu­tre­ten ande­rer Fak­to­ren. Die­sem mit der Hun­de­steu­er ver­folg­ten Len­kungs­zweck ent­spre­che es, wenn die Stadt Gescher in ihre Hun­de­steu­er­sat­zung die in § 3 und § 10 Lan­des­hun­de­ge­setz genann­ten Hun­de­ras­sen ein­schließ­lich des dort auf­ge­führ­ten Rott­wei­lers der erhöh­ten Hun­de­steu­er für einen gefähr­li­chen Hund unter­wer­fe. Die Hal­ter der Hun­de bei­der Ras­se­lis­ten unter­lä­gen im Wesent­li­chen glei­chen Ver­pflich­tun­gen und Auf­la­gen nach dem Lan­des­hun­de­ge­setz. Auch aus dem Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren des Lan­des­hun­de­ge­set­zes, dem sich die Stadt Gescher mit ihrer Sat­zung habe anschlie­ßen dür­fen, erge­be sich, dass der Rott­wei­ler zu den Hun­de­ras­sen mit einem abs­trak­ten Gefähr­dungs­po­ten­ti­al gehö­re, an das die Hun­de­steu­er­sat­zung allein anknüp­fe. Ein Abwä­gungs­de­fi­zit bei der Auf­nah­me der Hun­de­ras­se "Rott­wei­ler" in die Lis­te sei daher nicht erkenn­bar. Über­dies habe der Rat der Stadt bei Fas­sung des Beschlus­ses über die Hun­de­steu­er­sat­zung ent­spre­chen­de eige­ne Erwä­gun­gen zum abs­trak­ten Gefähr­dungs­po­ten­ti­al der Hun­de­ras­se "Rott­wei­ler" ange­stellt. Sie wür­den durch die soge­nann­ten Beiß­sta­tis­ti­ken der Jah­re 2003 bis 2006 im Übri­gen bestä­tigt, in denen der Rott­wei­ler bei Beiß­vor­fäl­len mit Ver­let­zun­gen am Men­schen regel­mä­ßig im obe­ren Drit­tel auf­fäl­lig gewor­de­ner Hun­de­ras­sen vor­zu­fin­den sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter – Urteil vom 8. August 2007 – 9 K 3426/​04 (nicht rechts­kräf­tig)