Erlass der Grund­steu­er wegen struk­tu­rel­lem Leer­stands

Der Erlass der Grund­steu­er nach § 33 Abs. 1 Satz 1 GrStG setzt auch in Fäl­len struk­tu­rell beding­ter Ertrags­min­de­run­gen grund­sätz­lich vor­aus, dass sich der Steu­er­schuld­ner nach­hal­tig, aber ver­geb­lich um eine Ver­mie­tung zu einem markt­ge­rech­ten Miet­zins bemüht hat.

Erlass der Grund­steu­er wegen struk­tu­rel­lem Leer­stands

Beruft sich der Steu­er­pflich­ti­ge auf eine wesent­li­che Ertrags­min­de­rung, so kann von einer die Gren­ze der Zumut­bar­keit über­schrei­ten­den Belas­tung dann kei­ne Rede sein, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge selbst durch ein ihm zure­chen­ba­res Ver­hal­ten die Ursa­che für die Ertrags­min­de­rung her­bei­ge­führt oder es unter­las­sen hat, den Ein­tritt der Ertrags­min­de­rung durch sol­che geeig­ne­ten Maß­nah­men zu ver­hin­dern, die von ihm erwar­tet wer­den konn­ten. Ist die Ertrags­min­de­rung durch einen Leer­stand des Objekts bedingt, so hat der Steu­er­pflich­ti­ge die Ertrags­min­de­rung dann nicht zu ver­tre­ten, wenn er sich nach­hal­tig um eine Ver­mie­tung der Räum­lich­kei­ten zu einem markt­ge­rech­ten Miet­zins bemüht hat. Ob der Steu­er­pflich­ti­ge nach­hal­ti­ge Ver­mie­tungs­be­mü­hun­gen unter­nom­men hat, ist jeweils unter den gege­be­nen Umstän­den zu prü­fen, wobei es auf die Ver­hält­nis­se des Erlass­zeit­rau­mes ankommt. Steht das Objekt nicht leer, ist im Ein­zel­fall zu unter­su­chen, ob der Steu­er­pflich­ti­ge die gel­tend gemach­te Ertrags­min­de­rung auf­grund der kon­kret gewähl­ten Ver­trags­ge­stal­tung selbst her­bei­ge­führt hat. Der Steu­er­pflich­ti­ge ist nach § 90 Abs. 1 AO zur Mit­wir­kung bei der Ermitt­lung des Sach­ver­halts ver­pflich­tet; er hat ins­be­son­de­re die für die Besteue­rung erheb­li­chen Tat­sa­chen voll­stän­dig und wahr­heits­ge­mäß offen­zu­le­gen und die ihm bekann­ten Beweis­mit­tel anzu­ge­ben 1.

Zwar trifft es zu, dass sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Beschluss vom 24.04.2007 2 der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ange­schlos­sen hat, wonach ein Grund­steu­er­erlass nicht nur bei aty­pi­schen und vor­über­ge­hen­den Ertrags­min­de­run­gen in Betracht kommt, son­dern auch struk­tu­rell beding­te Ertrags­min­de­run­gen von nicht nur vor­über­ge­hen­der Natur erfas­sen kann 3. Jedoch setzt der Grund­steu­er­erlass nach § 33 Abs. 1 Satz 1 GrStG a.F. auch in sol­chen Fäl­len vor­aus, dass der Steu­er­schuld­ner die Ertrags­min­de­rung nicht zu ver­tre­ten hat 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2014 – 9 B 73.2014 -

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.05.2014 – 9 C 1.13, Rn.19, 22 f. m.w.N. zur Recht­spre­chung von BVerwG und BFH[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 24.04.2007 – GmS-OGB 1.07, Buch­holz 401.4 § 33 GrStG Nr. 27[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 24.10.2007 – II R 5/​05BFHE 218, 396; BVerwG, Urteil vom 25.06.2008 – 9 C 8.07, Buch­holz 401.4 § 33 GrStG Nr. 28 Rn. 11[]
  4. BVerwG, Urtei­le vom 25.06.2008 a.a.O. Rn. 18; und vom 14.05.2014 a.a.O. Rn. 30 unter Hin­weis auf BFH, Urteil vom 24.10.2007 a.a.O. S. 400 f. sowie Urteil vom 27.09.2012 – II R 8/​12BFHE 238, 535 Rn. 16[]