Erlass von Säum­nis­zu­schlä­gen bei spä­te­rer Auf­he­bung der Grund­er­werb­steu­er­fest­set­zung

Es ist höchst­rich­ter­lich geklärt, dass der Erlass von Säum­nis­zu­schlä­gen nach § 227 AO aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den gebo­ten ist, wenn deren Ein­zie­hung mit Rück­sicht auf ihren Zweck nicht zu recht­fer­ti­gen ist, obwohl der Sach­ver­halt zwar den gesetz­li­chen Tat­be­stand erfüllt, die Erhe­bung der Säum­nis­zu­schlä­ge aber den Wer­tun­gen des Gesetz­ge­bers zuwi­der­läuft 1. Die Anwen­dung des § 227 AO auf ent­stan­de­ne Säum­nis­zu­schlä­ge ist in den Fäl­len, in denen die Grund­er­werb­steu­er spä­ter nach § 16 Abs. 1 GrEStG auf­ge­ho­ben wird, nicht gene­rell aus­ge­schlos­sen.

Erlass von Säum­nis­zu­schlä­gen bei spä­te­rer Auf­he­bung der Grund­er­werb­steu­er­fest­set­zung

Mit dem wirk­sam erklär­ten Rück­tritt steht dem Steu­er­pflich­ti­gen ein Anspruch auf Auf­he­bung der Grund­er­werb­steu­er­fest­set­zung zu. Dabei han­delt es sich um einen eigen­stän­di­gen Anspruch aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis, der den ursprüng­li­chen Steu­er­an­spruch unbe­rührt lässt 2. Der Antrag auf Auf­he­bung der Steu­er­fest­set­zung ist nicht Vor­aus­set­zung für das Ent­ste­hen des Anspruchs, son­dern ledig­lich Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung für des­sen Rea­li­sie­rung 3.

Dabei ist auf den Zeit­punkt der wirk­sa­men Erklä­rung des Rück­tritts vom Kauf­ver­trag abzu­stel­len. Ab die­sem Zeit­punkt stand der Klä­ge­rin ein Anspruch auf Auf­he­bung der fest­ge­setz­ten Grund­er­werb­steu­er zu, so dass ab die­sem Zeit­punkt die Ein­zie­hung der ver­wirk­ten Säum­nis­zu­schlä­ge unbil­lig ist.

Der Bun­des­fi­nanzhhof konn­te inso­weit unbe­ant­wor­tet las­sen, ob sich bei Erstat­tungs­an­sprü­chen (§ 37 Abs. 2 AO) der Weg­fall des recht­li­chen Grun­des aus dem mate­ri­el­len Recht oder aus dem Ver­fah­rens­recht ergibt 4. Wie vor­ste­hend aus­ge­führt, han­delt es sich bei dem Anspruch aus § 16 GrEStG um einen eigen­stän­di­gen Anspruch aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis i.S. des § 37 Abs. 1 AO und nicht um einen Erstat­tungs­an­spruch i.S. des § 37 Abs. 2 AO 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2015 – II B 28/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 24.04.2014 – V R 52/​13, BFHE 245, 105, BSt­Bl II 2015, 106, Rz 10, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 16.01.2002 – II R 52/​00, BFH/​NV 2002, 1053; Pahl­ke, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 5. Aufl., § 16 Rz 3; Hof­mann, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 10. Aufl., § 16 Rz 3, jeweils m.w.N.[]
  3. Pahl­ke, a.a.O., § 16 Rz 135[]
  4. vgl. zum Streit­stand Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 37 AO Rz 35[]
  5. BFH, Urteil in BFH/​NV 2002, 1053; Pahl­ke, a.a.O., § 16 Rz 3; Loo­se in Borut­tau, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, 17. Aufl., § 16 Rz 16[]