Fest­set­zung der Kraft­fahr­zeug­steu­er im Insol­venz­ver­fah­ren

Die insol­venz­recht­li­che Behand­lung vor Insol­venz­eröff­nung ent­rich­te­ter Kraft­fahr­zeug­steu­er für ein zur Insol­venz­mas­se des Schuld­ners gehö­ren­des Fahr­zeug ist bereits durch die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs geklärt. Danach ist die Kraft­fahr­zeug­steu­er für einen Ent­rich­tungs­zeit­raum, in den die Insol­venz­eröff­nung fällt, auf die Zeit vor und die Zeit nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens auf­zu­tei­len [1]. Dies gilt unab­hän­gig davon, dass sich mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens die Halter­ei­gen­schaft des Insol­venz­schuld­ners nicht ändert [2].

Fest­set­zung der Kraft­fahr­zeug­steu­er im Insol­venz­ver­fah­ren

Nach § 80 Abs. 1 InsO geht das Recht des Schuld­ners, das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen (§ 35 Abs. 1 InsO) zu ver­wal­ten, mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens auf den Insol­venz­ver­wal­ter über. Der Insol­venz­ver­wal­ter hat als Ver­mö­gens­ver­wal­ter nach § 34 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) die steu­er­li­chen Pflich­ten des Schuld­ners zu erfül­len, soweit sei­ne Ver­wal­tung reicht. Als Ver­mö­gens­ver­wal­ter ist der Insol­venz­ver­wal­ter Steu­er­pflich­ti­ger (§ 33 Abs. 1 AO) und rich­ti­ger Bekannt­ga­be- und Inhalts­adres­sat von Steu­er­be­schei­den, mit denen eine Finanz­be­hör­de bestehen­de Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten gel­tend macht [3]. Das gilt auch für die Kraft­fahr­zeug­steu­er, die auf den Zeit­raum nach Insol­venz­eröff­nung ent­fällt. Die­se ist Mas­se­ver­bind­lich­keit, solan­ge das Kraft­fahr­zeug zur Insol­venz­mas­se gehört und nicht an den Schuld­ner frei­ge­ge­ben wur­de [4].

Die Ein­ord­nung der Kraft­fahr­zeug­steu­er ent­we­der als Insol­venz­for­de­rung oder als Mas­se­ver­bind­lich­keit oder ‑nach ent­spre­chen­der Frei­ga­be durch den Insol­venz­ver­wal­ter- als außer­halb der Insol­venz­mas­se neu begrün­de­te Steu­er­schuld macht es bei unver­än­der­ter Halter­ei­gen­schaft des Insol­venz­schuld­ners erfor­der­lich, die Steu­er für die Zeit nach Insol­venz­eröff­nung bis zur Abmel­dung oder Frei­ga­be in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 12 Abs. 3 des Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­set­zes gegen den Insol­venz­ver­wal­ter neu fest­zu­set­zen. Das folgt aus dem Vor­rang der Insol­venz­ord­nung und hat zur Fol­ge, dass der vor Ver­fah­rens­er­öff­nung im Vor­aus ent­rich­te­te Betrag der Insol­venz­mas­se zu erstat­ten ist [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 – II B 52/​14

  1. BFH, Urteil vom 16.11.2004 – VII R 62/​03, BFHE 207, 371, BStBl II 2005, 309; BFH, Beschluss vom 26.11.2013 – VII B 243/​12, BFH/​NV 2014, 581, Rz 8[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 207, 371, BStBl II 2005, 309, Rz 8 ff.[]
  3. BFH, Urteil vom 08.09.2011 – II R 54/​10, BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 235, 1, BStBl II 2012, 149[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 207, 371, BStBl II 2005, 309; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 581, Rz 11[]