Gelän­de­wa­gen in der Kfz-Steu­er

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in der seit gut einem Jahr schwel­len­den Aus­ein­an­der­set­zung um die Besteue­rung von gro­ßen Gelän­de­wa­gen und Kom­bi­na­ti­ons­fahr­zeu­gen ein Macht­wort gespro­chen und ent­schie­den, dass Kom­bi­na­ti­ons­kraft­wa­gen unab­hän­gig von der nach euro­päi­schem Gemein­schafts­recht vor­zu­neh­men­den ver­kehrs­recht­li­chen Ein­stu­fung kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­lich regel­mä­ßig Per­so­nen­kraft­wa­gen sind.

Gelän­de­wa­gen in der Kfz-Steu­er

Die Klä­ge­rin war Hal­te­rin eines "Toyo­ta Typ J7 Land­crui­ser". Sie hat­te das zuläs­si­ge Gesamt­ge­wicht von ursprüng­lich 2 805 kg ohne tech­ni­sche Ände­run­gen auf 2 399 kg abge­las­tet. Das Finanz­amt hat­te dar­auf­hin das Fahr­zeug als Per­so­nen­kraft­wa­gen (PKW) behan­delt und die Kraft­fahr­zeug­steu­er emis­si­ons­be­zo­gen nach Hub­raum fest­ge­setzt. Die Klä­ge­rin war dem­ge­gen­über der Auf­fas­sung, nach euro­päi­schem Gemein­schafts­recht han­de­le es sich um ein ande­res Fahr­zeug im Sin­ne des Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­set­zes (Kraft­StG), das nach Gewicht zu besteu­ern sei.

Der BFH ist der Klä­ge­rin nicht gefolgt. Euro­päi­sches Gemein­schafts­recht, so der BFH, ent­hal­te kei­ne für die Mit­glied­staa­ten ver­bind­li­chen Fest­le­gun­gen hin­sicht­lich der Ein­tei­lung von Kraft­fahr­zeu­gen für die Erhe­bung von Kraft­fahr­zeug­steu­ern und die Ein­stu­fung von Kraft­fahr­zeu­gen als "PKW". Für die Kraft­fahr­zeug­steu­er sei ein eige­ner, steu­er­recht­li­cher Begriff des "PKW" maß­geb­lich Danach müs­se die Unter­schei­dung zwi­schen PKW und ande­ren Fahr­zeu­gen i.S.d. Kraft­StG im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung anhand von Bau­art, Aus­stat­tung zur Per­so­nen­be­för­de­rung und sons­ti­ger Ein­rich­tung des Fahr­zeu­ges, ins­be­son­de­re zur Beför­de­rung von Gütern, vor­ge­nom­men wer­den. Da Gelän­de­wa­gen wie Kom­bi­na­ti­ons­kraft­wa­gen vom Her­stel­ler zur Per­so­nen­be­för­de­rung kon­zi­piert sei­en und sich nach Bau­art, Ein­rich­tung und äuße­rem Erschei­nungs­bild nicht von einem PKW unter­schie­den, sei­en sie kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­lich regel­mä­ßig PKW.

Dies gel­te für Fahr­zeu­ge mit einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht bis 2,8 t bereits für die Zeit vor dem 1. Mai 2005, für Fahr­zeu­ge mit einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht von mehr als 2,8 t, die bis 30. April 2005 als LKW nach Gewicht zu besteu­ern gewe­sen sei­en, erst ab 1. Mai 2005.

Für das Kraft­StG ist der kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­che Begriff des PKW, wie er sich nach dem his­to­ri­schen Wil­len des Gesetz­ge­bers ergibt und wie er nun­mehr in § 4 Abs. 4 Nr. 1 PBefG ent­hal­ten ist, maß­geb­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. Okto­ber 2008 – II R 63/​07