Grund­er­werb­steu­er bei Über­tra­gung der Mut­ter- auf die Toch­ter­ge­sell­schaft

Gehört zum Ver­mö­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ein inlän­di­sches Grund­stück und ändert sich inner­halb von fünf Jah­ren der Gesell­schaf­ter­be­stand unmit­tel­bar oder mit­tel­bar der­ge­stalt, daß min­des­tens 95% der Antei­le am Gesell­schafts­ver­mö­gen auf neue Gesell­schaf­ter über­ge­hen, gilt dies gemäß § 1 Abs. 2a GrEStG als ein auf die Über­eig­nung eines Grund­stücks auf eine neue Per­so­nen­ge­sell­schaft gerich­te­tes, der Grund­er­werb­steu­er unter­fal­len­des Rechts­ge­schäft.

Grund­er­werb­steu­er bei Über­tra­gung der Mut­ter- auf die Toch­ter­ge­sell­schaft

Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf ist die­se Bestim­mung des § 1 Abs. 2a GrEStG auch im Hin­blick auf die Über­tra­gung einer Mut­ter­ge­sell­schaft auf deren 100 %ige Toch­ter­ge­sell­schaft ver­fas­sungs­ge­mäß. Die Vor­schrift sei weder teleo­lo­gisch ein­zu­schrän­ken noch sei ein dem Gesetz­ge­ber zuzu­rech­nen­des struk­tu­rel­les Defi­zit in der Durch­set­zung des § 1 Abs. 2a GrEStG zu erken­nen.

In dem ent­schie­de­nen Fall war die Klä­ge­rin seit 1999 Eigen­tü­me­rin eines Grund­stü­ckes. Bei Grün­dung der Klä­ge­rin waren an ihr zu 94% eine KG und zu 6% eine GmbH betei­ligt. Der 94%-Anteil wur­de als­dann mehr­fach inner­halb des Kon­zerns über­tra­gen. Nach einer Anzei­ge durch die Klä­ge­rin erließ das Finanz­amt einen auf § 17 GrEStG gestütz­ten Bescheid, in dem ein (fik­ti­ver) Erwerbs­vor­gang der Besteue­rung unter­wor­fen wur­de. Die Klä­ge­rin ver­trat die Ansicht, die wört­li­che Aus­le­gung des § 1 Abs. 2a GrEStG, wonach auch Über­tra­gun­gen auf 100%-Tochtergesellschaften einen mit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter­wech­sel i.S.d. § 1 Abs. 2a GrEStG dar­stell­ten, sei ver­fas­sungs­wid­rig. Der­ar­ti­ge Über­tra­gun­gen ver­stie­ßen gegen das im all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ver­an­ker­te Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit der Besteue­rung. Die­ses Gebot ver­pflich­te den Gesetz­ge­ber dazu, bei der Aus­ge­stal­tung des steu­er­recht­li­chen Tat­be­stands eine ein­mal getrof­fe­ne Belas­tungs­ent­schei­dung fol­ge­rich­tig im Sin­ne der Belas­tungs­gleich­heit umzu­set­zen. Durch die Ein­fü­gung des § 1 Abs. 2a GrEStG habe der Gesetz­ge­ber neben den rei­nen Eigen­tums­über­tra­gungs­vor­gän­gen auch sol­che Vor­gän­ge erfas­sen wol­len, die im wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis einer Grund­stücks­über­tra­gung gleich­kom­men. Erfasst sei auch der wesent­li­che Wech­sel im Gesell­schaf­ter­be­stand einer Per­so­nen­ge­sell­schaft, wobei es nicht dar­auf ankom­me, ob die­ser Wech­sel unmit­tel­bar oder nur mit­tel­bar erfol­ge. Erfor­der­lich sei zudem, dass die­se Per­so­nen auch wirt­schaft­lich ver­schie­den sei­en. Eine sol­che "wirt­schaft­li­che" Ver­schie­den­heit bestehe nicht bei der blo­ßen Zwi­schen­schal­tung einer 100%-Tochtergesellschaft eines vor­ma­li­gen Gesell­schaf­ters.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 3. Febru­ar 2010 – 7 K 1410/​09 GE (Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gig – II R 17/​10)