Grund­er­werb­steu­er – bei der Betei­li­gungs­auf­sto­ckung an einer grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft

Ein Gesell­schaf­ter ist neu i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG, wenn er zivil­recht­lich erst­mals ein Mit­glied­schafts­recht an einer bestehen­den grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft erwirbt oder wenn er inner­halb von fünf Jah­ren nach dem erst­ma­li­gen Erwerb des Mit­glied­schafts­rechts sei­ne Betei­li­gung durch den Erwerb wei­te­rer Antei­le am Gesell­schafts­ver­mö­gen auf­stockt. Er ver­liert grund­er­werb­steu­er­recht­lich die Eigen­schaft als neu­er Gesell­schaf­ter erst mit Ablauf von fünf Jah­ren.

Grund­er­werb­steu­er – bei der Betei­li­gungs­auf­sto­ckung an einer grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft

Die Anzei­ge­pflicht nach § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3a GrEStG erfasst auch die Auf­sto­ckung der Betei­li­gungs­quo­te eines neu­en Gesell­schaf­ters.

Gehört zum Ver­mö­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ein inlän­di­sches Grund­stück und ändert sich inner­halb von fünf Jah­ren der Gesell­schaf­ter­be­stand unmit­tel­bar oder mit­tel­bar der­ge­stalt, dass min­des­tens 95 % der Antei­le am Gesell­schafts­ver­mö­gen auf neue Gesell­schaf­ter über­ge­hen, gilt dies nach § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG als ein auf die Über­eig­nung die­ses Grund­stücks auf eine neue Per­so­nen­ge­sell­schaft gerich­te­tes Rechts­ge­schäft.

Eine unmit­tel­ba­re Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stan­des liegt vor, wenn ein Mit­glied­schafts­recht an der grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft zivil­recht­lich wirk­sam auf ein neu­es Mit­glied der Per­so­nen­ge­sell­schaft über­geht [1]. Die Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stan­des nach § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG kann in einem ein­zel­nen Rechts­vor­gang oder in Teil­ak­ten über einen Zeit­raum von längs­tens fünf Jah­ren erfol­gen [2].

Neue Mit­glie­der einer grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG kön­nen natür­li­che und juris­ti­sche Per­so­nen sowie Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten sein [3]. Ein Gesell­schaf­ter ist neu i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG, wenn er zivil­recht­lich erst­mals ein Mit­glied­schafts­recht an einer bestehen­den grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft erwirbt oder wenn er inner­halb von fünf Jah­ren nach dem erst­ma­li­gen Erwerb des Mit­glied­schafts­rechts sei­ne Betei­li­gung durch den Erwerb wei­te­rer Antei­le am Gesell­schafts­ver­mö­gen auf­stockt. § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG stellt für die maß­geb­li­che Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stan­des auf einen Fünf­jah­res­zeit­raum ab. Dem­zu­fol­ge sind grund­er­werb­steu­er­recht­lich Ände­run­gen des Gesell­schaf­ter­be­stan­des inner­halb die­ses Zeit­raums maß­geb­lich. Wegen der zeit­raum­be­zo­ge­nen Betrach­tung kann auch die Ände­rung der Betei­li­gung eines neu­en Mit­glieds der Per­so­nen­ge­sell­schaft inner­halb des Fünf­jah­res­zeit­raums zur Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands bei­tra­gen, selbst wenn sich dadurch der Gesell­schaf­ter­be­stand als sol­cher zivil­recht­lich nicht ändert.

Ein Gesell­schaf­ter ver­liert grund­er­werb­steu­er­recht­lich die Eigen­schaft als neu­er Gesell­schaf­ter erst mit Ablauf von fünf Jah­ren; er wird zu die­sem Zeit­punkt in Bezug auf das wäh­rend des Fünf­jah­res­zeit­raums zum Gesell­schafts­ver­mö­gen gehö­ren­de Grund­stück Alt­ge­sell­schaf­ter [4]. Inso­weit unter­schei­det sich die grund­er­werb­steu­er­recht­li­che von der zivil­recht­li­chen Betrach­tungs­wei­se. Zivil­recht­lich ist ein Gesell­schaf­ter neu, wenn er erst­mals ein Mit­glied­schafts­recht an der Per­so­nen­ge­sell­schaft erwirbt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Mai 2017 – II R 35/​15

  1. BFH, Urtei­le vom 29.02.2012 – II R 57/​09, BFHE 237, 244, BStBl II 2012, 917, Rz 10; vom 16.01.2013 – II R 66/​11, BFHE 240, 191, BStBl II 2014, 266, Rz 18; vom 25.11.2015 – II R 18/​14, BFHE 251, 492, Rz 11, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 16.05.2013 – II R 3/​11, BFHE 242, 169, BStBl II 2013, 963, Rz 8, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 09.07.2014 – II R 49/​12, BFHE 246, 215, BStBl II 2016, 57, Rz 13[]
  4. vgl. Hof­mann, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 11. Aufl., § 1 Rz 116; Pahl­ke, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 5. Aufl., § 1 Rz 287; Schnit­ter in Wilms/​Jochum, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, § 1 Rz 261.3; Gottwald/​Behrens, Grund­er­werb­steu­er, 5. Aufl., Rz 238, Fuß­no­te 322; Meß­ba­cher-Hönsch in Borut­tau, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, 18. Aufl., § 1 Rz 845c; gleich lau­ten­de Erlas­se der obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der vom 18.02.2014, BStBl I 2014, 561, Tz.2.2.[]