Grund­er­werb­steu­er – und die geson­der­te Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen

Der Fest­stel­lungs­be­scheid nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG ist sowohl Grund­la­gen­be­scheid für den Bescheid über die Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts als auch für den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid.

Grund­er­werb­steu­er – und die geson­der­te Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen

Gehört zum Ver­mö­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ein inlän­di­sches Grund­stück und ändert sich inner­halb von fünf Jah­ren der Gesell­schaf­ter­be­stand unmit­tel­bar oder mit­tel­bar der­ge­stalt, dass min­des­tens 95 vom Hun­dert der Antei­le am Gesell­schafts­ver­mö­gen auf neue Gesell­schaf­ter über­ge­hen, gilt dies als ein auf die Über­eig­nung eines Grund­stücks auf eine neue Per­so­nen­ge­sell­schaft gerich­te­tes Rechts­ge­schäft (§ 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG).

Eine Steu­er­fest­set­zung sowie ihre Auf­he­bung oder Ände­rung sind nicht mehr zuläs­sig, wenn die Fest­set­zungs­frist abge­lau­fen ist (§ 169 Abs. 1 Satz 1 AO).

Nach § 171 Abs. 10 AO endet die Fest­set­zungs­frist, soweit für die Fest­set­zung einer Steu­er ein Fest­stel­lungs­be­scheid, ein Steu­er­mess­be­scheid oder ein ande­rer Ver­wal­tungs­akt bin­dend ist (Grund­la­gen­be­scheid), nicht vor Ablauf von zwei Jah­ren nach Bekannt­ga­be des Grund­la­gen­be­scheids.

Für die Grund­er­werb­steu­er wer­den nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG die Besteue­rungs­grund­la­gen in den Fäl­len des § 1 Abs. 2a GrEStG durch das Finanz­amt, in des­sen Bezirk sich die Geschäfts­lei­tung der Gesell­schaft befin­det, geson­dert fest­ge­stellt, wenn ein außer­halb des Bezirks die­ses Finanz­amts lie­gen­des Grund­stück oder ein auf das Gebiet eines ande­ren Lan­des sich erstre­cken­der Teil eines im Bezirk die­ses Finanz­amts lie­gen­den Grund­stücks betrof­fen wird. Zu den Besteue­rungs­grund­la­gen gehö­ren die ver­bind­li­che Ent­schei­dung über die Steu­er­pflicht des jewei­li­gen Erwerbs­vor­gangs dem Grun­de nach, über die als Steu­er­schuld­ner in Betracht kom­men­den natür­li­chen oder juris­ti­schen Per­so­nen und über die Finanz­äm­ter, die zur Steu­er­fest­set­zung beru­fen sind 1. Zu den Besteue­rungs­grund­la­gen gehört auch die Anga­be der betrof­fe­nen Grund­stü­cke.

Nach § 17 Abs. 3a GrEStG sind in die geson­der­te Fest­stel­lung nach § 17 Abs. 3 GrEStG nicht die Grund­be­sitz­wer­te i.S. des § 138 Abs. 2 und 3 BewG (in der für das Jahr 2002 gel­ten­den Fas­sung) auf­zu­neh­men, wenn die Steu­er nach § 8 Abs. 2 GrEStG zu bemes­sen ist. Nach § 8 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 GrEStG wird in den Fäl­len des § 1 Abs. 2a GrEStG die Steu­er nach den Wer­ten i.S. des § 138 Abs. 2 oder 3 BewG bemes­sen. In die­sen Fäl­len sind nach § 138 Abs. 5 Satz 1 GrEStG die Grund­be­sitz­wer­te geson­dert fest­zu­stel­len, da sie für die Grund­er­werb­steu­er erfor­der­lich sind (Bedarfs­be­wer­tung).

Der Fest­stel­lungs­be­scheid nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG ist (bin­den­der) Grund­la­gen­be­scheid i.S. des § 171 Abs. 10 AO für den Bescheid über die Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts und den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid. Die durch ihn fest­ge­stell­ten Besteue­rungs­grund­la­gen sind für die­se bei­den Fol­ge­be­schei­de von Bedeu­tung i.S. des § 182 Abs. 1 Satz 1 AO. Er hemmt nach § 181 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 171 Abs. 10 AO den Ablauf der Fest­stel­lungs­frist für den Erlass des Bescheids über die geson­der­te Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts. Durch den Bescheid nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG wer­den u.a. die Steu­er­pflicht des Erwerbs­vor­gangs dem Grun­de nach, die Steu­er­schuld­ner und die Grund­stü­cke, die von dem Erwerbs­vor­gang betrof­fen sind, fest­ge­stellt. Erst auf­grund die­ses Bescheids kann die geson­der­te Wert­fest­stel­lung für die betrof­fe­nen Grund­stü­cke erfol­gen, weil vor­her nicht fest­steht, dass und für wel­che Grund­stü­cke Wer­te fest­zu­stel­len sind. Der Bescheid über die geson­der­te Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts für Grund­er­werb­steu­er­zwe­cke ist zudem (bin­den­der) Grund­la­gen­be­scheid i.S. des § 171 Abs. 10 AO für den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid als Fol­ge­be­scheid 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen hat das Finanz­ge­richt die Kla­ge zu Recht abge­wie­sen. Der Grund­er­werb­steu­er­be­scheid vom 12.05.2011 ist recht­mä­ßig.

Der Wech­sel des voll­stän­di­gen Gesell­schaf­ter­be­stan­des der Per­so­nen­ge­sell­schaft unter­lag wegen des Über­gangs des vor­han­de­nen Grund­be­sit­zes nach § 1 Abs. 2a GrEStG der Grund­er­werb­steu­er.

Der bestands­kräf­ti­ge Bescheid über die Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG vom 04.12 2009 führ­te dazu, dass nach § 171 Abs. 10 AO die Fest­stel­lungs­frist für den Bescheid über die Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts und die Fest­set­zungs­frist für den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid nicht vor Ablauf von zwei Jah­ren nach Bekannt­ga­be des Fest­stel­lungs­be­scheids nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG ende­ten. Der Fest­stel­lungs­be­scheid nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GrEStG wur­de am 7.12 2009 bekannt gege­ben. Die Fest­stel­lungs­frist für den Bescheid über die Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts und die Fest­set­zungs­frist für den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid ende­ten daher am 7.12 2011 (§ 108 Abs. 1 AO i.V.m. § 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs).

Der Bescheid über die Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts vom 08.03.2011 und der Grund­er­werb­steu­er­be­scheid vom 21.03.2011 ergin­gen in offe­ner Fest­stel­lungs­frist bzw. offe­ner Fest­set­zungs­frist. Der in dem Bescheid über die Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts fest­ge­stell­te Wert des Grund­stücks war für den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid bin­dend. Uner­heb­lich ist, ob der Fest­stel­lungs­be­scheid sei­ner­seits die Ablauf­hem­mung nach § 171 Abs. 10 AO aus­lös­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. März 2017 – II R 36/​15

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 31.03.2004 – II R 54/​01, BFHE 205, 314, BSt­Bl II 2004, 658, unter II. 1.a; und vom 15.10.2014 – II R 14/​14, BFHE 248, 228, BSt­Bl II 2015, 405, Rz 20[]
  2. vgl. Gürsching/​Stenger, Bewer­tungs­recht, § 151 BewG Rz 46; Pahl­ke, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 5. Aufl., § 17 Rz 14[]