Grund­steu­er­erlass bei bebau­ten Grund­stü­cken

Besteht eine wirt­schaft­li­che Ein­heit aus zahl­rei­chen ver­schie­den aus­ge­stat­te­ten, zu unter­schied­li­chen Zwe­cken nutz­ba­ren und getrennt ver­miet­ba­ren Räum­lich­kei­ten und sind die markt­ge­rech­ten Mie­ten für die ein­zel­nen Raum­ein­hei­ten unter­schied­lich hoch, ist für jede nicht ver­mie­te­te Raum­ein­heit geson­dert zu prü­fen, ob der Steu­er­pflich­ti­ge den Leer­stand zu ver­tre­ten hat.

Grund­steu­er­erlass bei bebau­ten Grund­stü­cken

Besteht eine wirt­schaft­li­che Ein­heit aus zahl­rei­chen ver­schie­den aus­ge­stat­te­ten, zu unter­schied­li­chen Zwe­cken nutz­ba­ren und getrennt ver­miet­ba­ren Räum­lich­kei­ten und sind die markt­ge­rech­ten Mie­ten für die ein­zel­nen Raum­ein­hei­ten unter­schied­lich hoch, ist § 33 Abs. 1 Satz 1 GrStG unter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit so aus­zu­le­gen, dass für jede nicht ver­mie­te­te Raum­ein­heit geson­dert zu prü­fen ist, ob der Steu­er­pflich­ti­ge den Leer­stand zu ver­tre­ten hat. Der Steu­er­pflich­ti­ge hat den Leer­stand nicht allein des­halb ins­ge­samt zu ver­tre­ten, weil in Zei­tungs­an­zei­gen, in denen die Raum­ein­hei­ten zusam­men zur Mie­te ange­bo­ten wur­den, eine Min­dest­mie­te ange­ge­ben war, die ledig­lich für einen Teil der Ein­hei­ten über der markt­üb­li­chen Mie­te lag. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn die­sen Ein­hei­ten ledig­lich eine flä­chen- und wert­mä­ßig unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung zukam.

Ergibt die danach im Ein­zel­nen vor­zu­neh­men­de Prü­fung, dass der Steu­er­pflich­ti­ge die Min­de­rung des nor­ma­len Roh­ertrags ledig­lich für ein­zel­ne Raum­ein­hei­ten zu ver­tre­ten hat, recht­fer­tigt dies somit für sich genom­men nicht die Ableh­nung des Grund­steu­er­erlas­ses. Viel­mehr ist in sol­chen Fäl­len ledig­lich die markt­üb­li­che Mie­te für die­se Raum­ein­hei­ten der für die ver­mie­te­ten Raum­ein­hei­ten tat­säch­lich erziel­ten Mie­te hin­zu­zu­rech­nen und auf die­ser Grund­la­ge fest­zu­stel­len, in wel­chem Umfang der tat­säch­lich erziel­te Roh­ertrag zuzüg­lich der hin­zu­ge­rech­ne­ten Mie­te vom nor­ma­len Roh­ertrag abweicht. Ist der nor­ma­le Roh­ertrag nach die­ser Berech­nung um mehr als 20 % gemin­dert, besteht dem Grun­de nach ein Anspruch auf Erlass von Grund­steu­er nach § 33 Abs. 1 Satz 1 GrStG. Die Grund­steu­er ist dann in Höhe des Pro­zent­sat­zes zu erlas­sen, der vier Fünf­teln des Pro­zent­sat­zes der Min­de­rung des nor­ma­len Roh­ertrags ent­spricht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2012 – II R 8/​12

  1. vom 19.12.2008, BGBl I 2008, 2794[]