Grund­stücks­er­werb vom Gesell­schaf­ter – und die anschlie­ßen­de Ände­rung im Gesell­schaf­ter­be­stand

Die Anrech­nung der Bemes­sungs­grund­la­ge nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG für einen Grund­stücks­er­werb der Per­so­nen­ge­sell­schaft von ihrem Gesell­schaf­ter auf die Bemes­sungs­grund­la­ge für einen spä­te­ren steu­er­ba­ren Wech­sel im Gesell­schaf­ter­be­stand die­ser Per­so­nen­ge­sell­schaft hat unab­hän­gig davon zu erfol­gen, ob die Steu­er für den Grund­stücks­er­werb der Gesell­schaft von ihrem Gesell­schaf­ter fest­ge­setzt und erho­ben wur­de.

Grund­stücks­er­werb vom Gesell­schaf­ter – und die anschlie­ßen­de Ände­rung im Gesell­schaf­ter­be­stand

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ist Klä­ge­rin eine grund­stücks­be­sit­zen­de GmbH & Co. KG, deren Grund­stü­cke zuvor zum Betriebs­ver­mö­gen der Ein­zel­fir­ma von C gehör­ten. Durch nota­ri­ell beur­kun­de­ten Ver­trag vom 27.12 2000 hat­te C zunächst sein Ein­zel­un­ter­neh­men ein­schließ­lich des Grund­ver­mö­gens im Wege der Schen­kung auf die H‑OHG über­tra­gen, an der sei­ne drei Söh­ne D, E und F betei­ligt waren (Über­tra­gungs­vor­gang 1). Die H‑OHG wur­de sodann form­wech­selnd in die Klä­ge­rin umge­wan­delt. Deren Kom­ple­men­tä­rin ohne eige­nen Kapi­tal­an­teil ist die CH-GmbH. Kom­man­di­tis­ten waren zunächst D, E und F. Durch wei­te­ren nota­ri­ell beur­kun­de­ten Ver­trag vom 27.12 2000 über­tru­gen D, E und F ihre Kom­man­dit­an­tei­le an der Klä­ge­rin auf die eben­falls am 27.12 2000 errich­te­te CG-KG, an deren Ver­mö­gen wie­der­um zu glei­chen Tei­len D, E und F betei­ligt waren (Über­tra­gungs­vor­gang 2). Kom­ple­men­tä­rin der CG-KG ohne eige­nen Kapi­tal­an­teil ist die Grund­stücks­ver­wal­tungs GmbH. Durch wei­te­ren nota­ri­ell beur­kun­de­ten Ver­trag vom 27.12 2000 tra­ten D, E und F ihre Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen an der CG-KG an die CH-GmbH ab (Über­tra­gungs­vor­gang 3).

Das sei­ner­zeit zustän­di­ge Finanz­amt H setz­te gegen die Klä­ge­rin als Rechts­nach­fol­ge­rin der H‑OHG zunächst bezüg­lich des Über­tra­gungs­vor­gangs 1 auf der Grund­la­ge des für die über­tra­ge­nen Grund­stü­cke geson­dert fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­werts von 1.512.912 € Grund­er­werb­steu­er in Höhe von 52.951 EUR fest. Zur Begrün­dung führ­te es aus, dass die Ver­güns­ti­gung nach § 5 Abs. 2 des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung (GrEStG) auf­grund § 5 Abs. 3 GrEStG zu ver­sa­gen sei, weil sich die Antei­le von D, E und F am Ver­mö­gen der Klä­ge­rin durch die nach­fol­gen­de Anteils­über­tra­gung auf die CG-KG (Über­tra­gungs­vor­gang 2) ver­min­dert hät­ten. Auf­grund des Über­tra­gungs­vor­gangs 2 sah das Finanz­amt H die Vor­aus­set­zun­gen einer Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stands der Klä­ge­rin i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG als erfüllt an und setz­te für die­sen Erwerbs­vor­gang durch wei­te­ren Bescheid die Grund­er­werb­steu­er in Anwen­dung des § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG auf 0 EUR fest.

Auf­grund der hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Ein­sprü­che hob das zwi­schen­zeit­lich zustän­dig gewor­de­ne Finanz­amt R den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid für den Über­tra­gungs­vor­gang 1 ersatz­los auf, da die Über­tra­gung des Grund­ver­mö­gens auf die frü­he­re H‑OHG nach § 3 Nr. 2 GrEStG steu­er­be­freit sei. Den Ein­spruch gegen den den Über­tra­gungs­vor­gang 2 betref­fen­den Grund­er­werb­steu­er­be­scheid ver­warf das Finanz­amt man­gels Beschwer als unzu­läs­sig.

Durch einen nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO geän­der­ten Bescheid setz­te das Finanz­amt gegen die Klä­ge­rin wie­der­um Grund­er­werb­steu­er in Höhe von 52.951 € fest. Zur Erläu­te­rung ist aus­ge­führt, dass die Besteue­rung wegen der Über­tra­gung aller Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen auf die CG-KG gemäß § 1 Abs. 2a GrEStG erfol­ge. Die Nicht­er­he­bung der Steu­er gemäß § 6 Abs. 3 Satz 1 GrEStG kom­me nicht in Betracht, da mit der Über­tra­gung der Kom­man­dit­an­tei­le an der CG-KG auf die CH-GmbH (Über­tra­gungs­vor­gang 3) die Hal­te­frist des § 6 Abs. 3 GrEStG nicht ein­ge­hal­ten wor­den sei. Die Grund­la­ge für die Anrech­nung der Bemes­sungs­grund­la­ge i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG sei ent­fal­len, da der Grund­er­werb­steu­er­be­scheid vom 17.05.2004 durch Bescheid vom 06.11.2006 auf­ge­ho­ben wor­den sei.

Das Finanz­ge­richt wies die nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne, auf Auf­he­bung der Steu­er­fest­set­zung gerich­te­te Kla­ge ab. Anders sah dies nun jedoch der Bun­des­fi­nanz­hof, der die ange­foch­te­nen Grund­er­werb­steu­er­be­schei­de auf­hob. Nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs waren die Ände­rungs­vor­aus­set­zun­gen des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO nicht erfüllt:

Die Grund­er­werb­steu­er für den Über­tra­gungs­vor­gang 2 ist trotz der Auf­he­bung des Grund­er­werb­steu­er­be­scheids für den Über­tra­gungs­vor­gang 1 mate­ri­ell-recht­lich zutref­fend auf 0 € fest­zu­set­zen. Damit fehlt es an der für die Ände­rung nach §§ 172 ff. AO erfor­der­li­chen Rechts­wid­rig­keit eines bestands­kräf­ti­gen Steu­er­be­scheids 1.

Durch die am 27.12 2000 erfolg­te Über­tra­gung der Antei­le von D, E und F an der Klä­ge­rin auf die CG-KG (Über­tra­gungs­vor­gang 2) wur­de der Tat­be­stand des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG ver­wirk­licht. Die zuvor nicht am Ver­mö­gen der Klä­ge­rin betei­lig­te CG-KG erlang­te dadurch eine Betei­li­gung von 100 % am Ver­mö­gen der Klä­ge­rin. Der Anwen­dung des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG steht nicht ent­ge­gen, dass D, E und F nach der Über­tra­gung ihrer Antei­le an der Klä­ge­rin auf die CG-KG zunächst als Gesell­schaf­ter die­ser KG wei­ter­hin mit­tel­bar an der Klä­ge­rin betei­ligt blie­ben und sich die Über­tra­gung der Antei­le auf die CG-KG im Ergeb­nis als blo­ße Ver­län­ge­rung der Betei­li­gungs­ket­te dar­stellt 2.

Die­ser Erwerbs­vor­gang ist infol­ge des Über­tra­gungs­vor­gangs 3 (Abtre­tung der Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen an der CG-KG an die CH-GmbH) nicht mehr gemäß § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG begüns­tigt.

Nach § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG wird beim Über­gang eines Grund­stücks von einer Gesamt­hand auf eine ande­re Gesamt­hand die Steu­er nicht erho­ben, soweit Antei­le der Gesell­schaf­ter am Ver­mö­gen der erwer­ben­den Gesamt­hand den jewei­li­gen Antei­len die­ser Gesell­schaf­ter am Ver­mö­gen der über­tra­gen­den Gesamt­hand ent­spre­chen. Bei dop­pel­stö­cki­gen Gesamt­hands­ge­mein­schaf­ten, bei denen eine Gesamt­hand unmit­tel­bar an einer ande­ren betei­ligt ist, ist dabei nicht die Gesamt­hand als sol­che als Zurech­nungs­sub­jekt anzu­se­hen, son­dern ein Rück­griff auf die am Ver­mö­gen der Gesamt­hand Betei­lig­ten gebo­ten 3.

Für den Über­tra­gungs­vor­gang 2 sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG nicht erfüllt. Zwar waren D, E und F zunächst am Ver­mö­gen der CG-KG im sel­ben Ver­hält­nis wie am Ver­mö­gen der Klä­ge­rin betei­ligt. D, E und F haben aber ihre Antei­le an der CG-KG noch am 27.12 2000 an die CH-GmbH abge­tre­ten und damit ihre von § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 GrEStG vor­aus­ge­setz­te gesamt­hän­de­ri­sche Betei­li­gung am Ver­mö­gen der Klä­ge­rin ver­lo­ren.

Nach der auf im Jahr 2000 ver­wirk­lich­te Erwerbs­vor­gän­ge anzu­wen­den­den stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH war die Begüns­ti­gung des § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG zu ver­sa­gen, wenn und soweit die Gesamt­hän­der ent­spre­chend einem vor­ge­fass­ten Plan in sach­li­chem und zeit­li­chem Zusam­men­hang mit der Grund­stücks­über­tra­gung von einer Gesamt­hand auf die ande­re Gesamt­hand ihre gesamt­hän­de­ri­sche Betei­li­gung völ­lig oder teil­wei­se (durch Ver­min­de­rung der Betei­li­gung) auf­ga­ben oder sich ihre Betei­li­gung durch Hin­zu­tritt wei­te­rer Gesamt­hän­der ver­rin­ger­te 4. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt, weil D, E und F ihre Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen an der am 27.12 2000 errich­te­ten CG-KG ent­spre­chend einer ersicht­lich zu die­sem Zeit­punkt bereits bestehen­den Abspra­che noch am sel­ben Tag an die CH-GmbH abge­tre­ten haben.

Dabei ist es uner­heb­lich, ob D, E und F im Umfang der von ihnen auf die CH-GmbH über­tra­ge­nen Antei­le der CG-KG wirt­schaft­lich wei­ter­hin am Gesamt­hands­ver­mö­gen der CG-KG und der Klä­ge­rin betei­ligt blie­ben. Eine sol­che wirt­schaft­li­che Betei­li­gung genügt den Anfor­de­run­gen des § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG nicht, weil der Gesell­schaf­ter einer Kapi­tal­ge­sell­schaft nicht ding­lich an einem zum Ver­mö­gen der Per­so­nen­ge­sell­schaft gehö­ren­den Grund­stück mit­be­rech­tigt ist 5. Die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ist auch kei­ne Fort­füh­rung einer bis­her bestehen­den gesamt­hän­de­ri­schen Mit­be­rech­ti­gung am Grund­stück 6.

Bei der Fest­set­zung der Grund­er­werb­steu­er für die Über­tra­gung der Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen von D, E und F an der Klä­ge­rin auf die CG-KG (Über­tra­gungs­vor­gang 2) war nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG die Bemes­sungs­grund­la­ge für den vor­aus­ge­gan­ge­nen Erwerb der Grund­stü­cke durch die Klä­ge­rin (Über­tra­gungs­vor­gang 1) anzu­rech­nen.

Hat die Per­so­nen­ge­sell­schaft vor dem Wech­sel des Gesell­schaf­ter­be­stan­des ein Grund­stück von einem Gesell­schaf­ter erwor­ben, ist nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG auf die nach § 8 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 GrEStG ermit­tel­te Bemes­sungs­grund­la­ge die Bemes­sungs­grund­la­ge anzu­rech­nen, von der nach § 5 Abs. 3 GrEStG die Steu­er nach­zu­er­he­ben ist. Die Vor­schrift soll eine Dop­pel­be­las­tung mit Grund­er­werb­steu­er aus­schlie­ßen 7. Eine sol­che ent­stün­de, wenn einer­seits für den Grund­stücks­er­werb der Per­so­nen­ge­sell­schaft von einem Gesell­schaf­ter gemäß § 5 Abs. 3 GrEStG die Ver­güns­ti­gung aus § 5 Abs. 1 und Abs. 2 GrEStG ver­sagt oder rück­gän­gig gemacht wird und ande­rer­seits der durch den nach­fol­gen­den Gesell­schaf­ter­wech­sel fin­gier­te Erwerb des­sel­ben Grund­stücks durch die fik­tiv neue Per­so­nen­ge­sell­schaft nach § 1 Abs. 2a GrEStG eben­falls der Besteue­rung unter­wor­fen und für die­sen Grund­stücks­er­werb der fik­tiv neu­en Per­so­nen­ge­sell­schaft die Begüns­ti­gung nach § 6 Abs. 3 GrEStG ver­sagt wür­de 8.

Die Anrech­nung der Bemes­sungs­grund­la­ge nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG setzt daher vor­aus, dass die Per­so­nen­ge­sell­schaft ein Grund­stück von einem Gesell­schaf­ter erwor­ben hat, im Anschluss dar­an in Bezug auf die­ses Grund­stück durch die Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stands der Tat­be­stand des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG erfüllt wur­de und dass auf­grund der Rege­lung des § 5 Abs. 3 GrEStG die Vor­aus­set­zun­gen für eine Nicht­er­he­bung der Steu­er nach § 5 Abs. 1 oder Abs. 2 GrEStG in Bezug auf den Grund­stücks­er­werb der Per­so­nen­ge­sell­schaft von ihrem Gesell­schaf­ter nicht vor­lie­gen oder rück­wir­kend ent­fal­len sind. Dabei muss eine inne­re Ver­knüp­fung der nach­träg­li­chen Ver­sa­gung der Steu­er­be­güns­ti­gung mit dem Wech­sel im Gesell­schaf­ter­be­stand bestehen 9.

Im Streit­fall sind die­se Vor­aus­set­zun­gen für eine Anrech­nung der Bemes­sungs­grund­la­ge für den vor­aus­ge­gan­ge­nen Grund­stücks­er­werb der Klä­ge­rin (Über­tra­gungs­vor­gang 1) auf die Bemes­sungs­grund­la­ge für die nach­fol­gen­de Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stands der Klä­ge­rin i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 1 GrEStG erfüllt.

Die Klä­ge­rin hat vor der Über­tra­gung der Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen von D, E und F auf die CG-KG ein Grund­stück von einem Gesell­schaf­ter i.S. des § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG erwor­ben. Mit dem nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG grund­er­werb­steu­er­ba­ren Ver­trag vom 27.12 2000 hat C im Wege der Schen­kung das zum Betriebs­ver­mö­gen sei­nes Ein­zel­un­ter­neh­mens gehö­ren­de Grund­ver­mö­gen auf die aus den Gesell­schaf­tern D, E und F bestehen­de H‑OHG über­tra­gen (Über­tra­gungs­vor­gang 1). Für die­sen Erwerbs­vor­gang waren zunächst die Begüns­ti­gungs­vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 2 i.V.m. § 3 Nr. 2 GrEStG und ‑da C mit D, E und F in gera­der Linie ver­wandt ist- § 3 Nr. 6 Satz 1 GrEStG erfüllt 10. Die­se Ver­güns­ti­gun­gen blei­ben auch durch eine homo­ge­ne form­wech­seln­de Umwand­lung der grund­stücks­er­wer­ben­den Gesamt­hand ‑im Streit­fall durch den Form­wech­sel der H‑OHG in die Klä­ge­rin- unbe­rührt 11.

Die Begüns­ti­gung des § 5 Abs. 2 i.V.m. § 3 Nr. 2 und Nr. 6 GrEStG für den Über­tra­gungs­vor­gang 1 ist jedoch wegen des Über­tra­gungs­vor­gangs 3 ent­fal­len.

Die Begüns­ti­gung nach § 5 Abs. 2 i.V.m. § 3 Nr. 2 und Nr. 6 GrEStG kann nur gewährt wer­den, wenn kei­ne Ver­min­de­rung der Betei­li­gung des erwer­ben­den Gesamt­hän­ders i.S. des § 5 Abs. 3 GrEStG ein­tritt. Über eine per­so­nen­be­zo­ge­ne Befrei­ungs­vor­schrift des § 3 Nr. 2 und Nr. 6 GrEStG wird ledig­lich das Tat­be­stands­merk­mal "Gesamt­hän­der" ersetzt. Die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen der Begüns­ti­gung nach § 5 Abs. 2 GrEStG, ins­be­son­de­re die in § 5 Abs. 3 GrEStG bestimm­te Behal­te­frist von fünf Jah­ren, sind von den in gera­der Linie ver­wand­ten oder beschenk­ten Per­so­nen ein­zu­hal­ten 12. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Nicht­er­he­bung der Steu­er gemäß § 5 Abs. 2 i.V.m. § 3 Nr. 2 und Nr. 6 GrEStG ent­fal­len daher rück­wir­kend i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1 AO, soweit sich der Anteil des Ver­äu­ße­rers bezie­hungs­wei­se der ver­wand­ten oder beschenk­ten Per­so­nen am Ver­mö­gen der Gesamt­hand inner­halb von fünf Jah­ren nach dem Über­gang des Grund­stücks auf die Gesamt­hand ver­min­dert.

Im Streit­fall ist eine sol­che Anteils­ver­min­de­rung i.S. des § 5 Abs. 3 GrEStG noch nicht dadurch ein­ge­tre­ten, dass D, E und F ihre Antei­le an der Klä­ge­rin auf die CG-KG über­tra­gen haben. Inso­weit blie­ben D, E und F auf­grund Gesell­schaf­ter­iden­ti­tät über die CG-KG wei­ter­hin in gesamt­hän­de­ri­scher Ver­bun­den­heit an der Klä­ge­rin betei­ligt. Die Antei­le von D, E und F am Ver­mö­gen der Klä­ge­rin ver­min­der­ten sich aber i.S. des § 5 Abs. 3 GrEStG durch die nach­fol­gen­de Über­tra­gung der Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen an der CG-KG auf die CH-GmbH. Eine mit­tel­ba­re Betei­li­gung der frü­he­ren Gesamt­hän­der über eine Kapi­tal­ge­sell­schaft genügt den Anfor­de­run­gen des § 5 Abs. 1 und 2 GrEStG eben­so wenig wie denen des § 6 Abs. 3 GrEStG 13.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Anrech­nung der Bemes­sungs­grund­la­ge nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG aus dem Über­tra­gungs­vor­gang 1 sind nicht dadurch rück­wir­kend i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO ent­fal­len, dass das Finanz­amt die Fest­set­zung der Grund­er­werb­steu­er für den Grund­stücks­er­werb der Klä­ge­rin (Über­tra­gungs­vor­gang 1) mit Bescheid vom 06.11.2006 auf­ge­ho­ben hat. Damit hat das Finanz­amt ledig­lich einen bekann­ten und unver­än­der­ten Sach­ver­halt steu­er­recht­lich anders gewür­digt, aber nicht den Tat­be­stand, an den § 1 Abs. 2a Sät­ze 1 und 3 GrEStG anknüp­fen, rück­wir­kend ver­än­dert.

Die Anrech­nung nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG setzt anders als § 1 Abs. 6 Satz 2 GrEStG nicht vor­aus, dass die Steu­er für den vor­aus­ge­gan­ge­nen Grund­stücks­über­gang auf die Per­so­nen­ge­sell­schaft tat­säch­lich fest­ge­setzt wur­de 14. Für eine Anrech­nung nach § 1 Abs. 2a Satz 3 GrEStG kommt es nach dem Wort­laut der Vor­schrift nicht dar­auf an, ob die Grund­er­werb­steu­er für den vor­an­ge­gan­ge­nen Grund­stücks­er­werb der Gesell­schaft vom Gesell­schaf­ter "nach­er­ho­ben wur­de" bezie­hungs­wei­se eine Ver­güns­ti­gung nach § 5 Abs. 1 und Abs. 2 GrEStG "ver­sagt wor­den ist". Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass für den Grund­stücks­er­werb der Per­so­nen­ge­sell­schaft bei zutref­fen­der mate­ri­ell-recht­li­cher Beur­tei­lung gemäß § 5 Abs. 3 GrEStG die Ver­güns­ti­gungs­vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 2 i.V.m. § 3 Nr. 2 oder Nr. 6 GrEStG ent­fal­len sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2014 – II R 2/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 30.08.2001 – IV R 30/​99, BFHE 196, 507, BSt­Bl II 2002, 49; Loo­se in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, Vor § 172 AO Rz 28[]
  2. BFH, Urtei­le vom 29.02.2012 – II R 57/​09, BFHE 237, 244, BSt­Bl II 2012, 917; und vom 25.09.2013 – II R 17/​12, BFHE 243, 404, BSt­Bl II 2014, 268[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 237, 244, BSt­Bl II 2012, 917; und vom 03.06.2014 – II R 1/​13, BFHE 245, 386, BSt­Bl II 2014, 855[]
  4. BFH, Urtei­le vom 24.04.1996 – II R 52/​93, BFHE 180, 472, BSt­Bl II 1996, 458; vom 10.03.1999 – II R 55/​97, BFH/​NV 1999, 1376; und vom 18.12 2002 – II R 13/​01, BFHE 200, 426, BSt­Bl II 2003, 358[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 200, 426, BSt­Bl II 2003, 358, und in BFHE 245, 386, BSt­Bl II 2014, 855, m.w.N.[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 243, 404, BSt­Bl II 2014, 268, m.w.N.[]
  7. vgl. BT-Drs. 14/​443, S. 42[]
  8. Pahl­ke, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 5. Aufl., § 1 Rz 312; Hof­mann, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 10. Aufl., § 1 Rz 124[]
  9. Hof­mann, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 8. Aufl., § 1 Rz 124[]
  10. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 25.09.2013 – II R 2/​12, BFHE 243, 398, BSt­Bl II 2014, 329; Meß­ba­cher-Hönsch in Borut­tau, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, 17. Aufl., § 3 Rz 40, m.w.N.[]
  11. vgl. Vis­korf in Borut­tau, a.a.O., § 5 Rz 106[]
  12. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 26.02.2003 – II B 202/​01, BFHE 201, 323, BSt­Bl II 2003, 528, und in BFHE 243, 404, BSt­Bl II 2014, 268 Rz 21; Hof­mann, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 10. Aufl., § 3 Rz 3[]
  13. BFH, Urteil in BFHE 243, 398, BSt­Bl II 2014, 329[]
  14. Hof­mann, a.a.O., § 1 Rz 125; Pahl­ke, a.a.O., § 1 Rz 312[]