Grund­stücks­schen­kung unter Nieß­brauchs­vor­be­halt – und die Grund­er­werb­steu­er

Soweit auf­grund der unter­schied­li­chen Bewer­tungs­vor­schrif­ten der Wert der Auf­la­ge, der der Bemes­sung der Grund­er­werb­steu­er zugrun­de zu legen ist, wegen § 17 Abs. 3 Satz 2 BewG höher ist als der bei der Schen­kungsteu­er abzieh­ba­re Wert, ist dies auch aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht zumut­bar [1].

Grund­stücks­schen­kung unter Nieß­brauchs­vor­be­halt – und die Grund­er­werb­steu­er

Aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 15.05.1984 [2] kann nicht abge­lei­tet wer­den, dass Auf­la­gen bei einer Grund­stücks­schen­kung aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den bei der Grund­er­werb­steu­er und der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er nach den glei­chen Maß­stä­ben zu bemes­sen und stets mit dem glei­chen Wert anzu­set­zen sind. Der Wort­laut des § 3 Nr. 2 Satz 2 GrEStG i.d.F. des Art. 7 Nr. 2 des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 1997 vom 20.12 1996 [3], den der Gesetz­ge­ber auf­grund der Ent­schei­dung des BVerfG [4] neu gefasst hat, bestä­tigt die­ses Ergeb­nis.

Die Vor­schrift stellt ihrem Wort­laut nach allein dar­auf ab, dass die Auf­la­ge bei der Schen­kungsteu­er „abzieh­bar ist“. Damit ist kei­ne kor­re­spon­die­ren­de Bewer­tung einer Belas­tung im ErbStG und GrEStG gemeint. Der Gesetz­ge­ber hat mit die­ser Geset­zes­fas­sung klar­ge­stellt, dass Auf­la­gen, die bei der Schen­kungsteu­er nicht abzieh­bar sind, son­dern nur zu einer Stun­dung der Steu­er nach § 25 des ErbStG a.F. füh­ren, der Bemes­sung der Grund­er­werb­steu­er nicht zugrun­de gelegt wer­den dür­fen [5]. Hät­te der Gesetz­ge­ber zum Aus­druck brin­gen wol­len, dass eine Schen­kung unter einer Auf­la­ge nur inso­weit der Grund­er­werb­steu­er unter­liegt, als der Wert der Auf­la­ge bei der Schen­kungsteu­er tat­säch­lich abge­zo­gen wur­de, hät­te er dies durch eine ent­spre­chen­de For­mu­lie­rung regeln kön­nen und müs­sen.

Die Rechts­fra­ge, ob bei Auf­la­gen­schen­kun­gen gemäß § 3 Nr. 2 Satz 2 GrEStG (der Höhe nach) Grund­er­werb­steu­er auch auf den antei­li­gen Wert der Auf­la­ge anfällt, um den die grund­er­werb­steu­er­recht­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge der Auf­la­ge gemäß § 16 i.V.m. § 17 Abs. 3 Satz 2 BewG die schen­kungsteu­er­recht­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge der Auf­la­ge gemäß § 16 BewG über­steigt, ist bereits höchst­rich­ter­lich geklärt [6].

Ent­spre­chen­des gilt für die Rechts­fra­ge, ob bei Auf­la­gen­schen­kun­gen gemäß § 3 Nr. 2 Satz 2 GrEStG in Fäl­len, in denen der nach Abzug des Werts der Auf­la­ge ver­blei­ben­de steu­er­pflich­ti­ge Erwerb gemäß § 10 ErbStG gerin­ger ist als die Sum­me der Steu­er­be­frei­ung gemäß § 13c ErbStG und des Frei­be­trags gemäß § 16 ErbStG, der nicht ver­brauch­te Teil der Sum­me der Frei­be­trä­ge von der nach den Vor­schrif­ten des GrEStG ermit­tel­ten Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er in Abzug zu brin­gen ist. Eine sol­che Ermitt­lung der Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er fin­det weder in § 3 Nr. 2 Satz 2 GrEStG noch in § 8 und § 9 GrEStG einen Anhalts­punkt. Die Fest­set­zung von Schen­kungsteu­er einer­seits und von Grund­er­werb­steu­er ande­rer­seits haben ver­fah­rens­recht­lich und mate­ri­ell-recht­lich grund­sätz­lich unab­hän­gig von­ein­an­der nach den jeweils gel­ten­den Vor­schrif­ten zu erfol­gen [7].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Febru­ar 2017 – II B 38/​15

  1. BFH, Urteil vom 20.11.2013 – II R 38/​12, BFHE 243, 411, BStBl II 2014, 479[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 15.05.1984 – 1 BvR 464/​81, BVerfGE 67, 70, BStBl II 1984, 608[]
  3. BGBl I 1996, 2049[]
  4. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 67, 70, BStBl II 1984, 608, unter C.IV.[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 243, 411, BStBl II 2014, 479[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 243, 411, BStBl II 2014, 479[]
  7. vgl. BFH, Urteil vom 12.07.2016 – II R 57/​14, BFHE 254, 81, BStBl II 2016, 897[]