Han­del mit unver­steu­er­tem Mine­ral­öl

Mine­ral­öl­händ­ler kön­nen Kraft­stof­fe und Heiz­öl unver­steu­ert lagern und unver­steu­ert in einem vor­ge­schrie­be­nen Ver­sand­ver­fah­ren an gewerb­li­che Kun­den sowohl in Deutsch­land wie auch in einem ande­ren EU-Mit­glied­staat lie­fern. Dies setzt jedoch vor­aus, dass die Mine­ral­öle an einen Emp­fän­ger ver­sandt wer­den, dem von sei­ner Zoll­be­hör­de eben­falls die Berech­ti­gung zum Emp­fang unver­steu­er­ter Ware erteilt wor­den ist.

Han­del mit unver­steu­er­tem Mine­ral­öl

Doch bei die­sem Han­del mit unver­steu­er­tem Mine­ral­öl liegt das Risi­ko bei dem ver­sen­den­den Mine­ral­öl­händ­ler: Wie der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt ent­schied, ent­steht die Mine­ral­öl­steu­er in Deutsch­land auch dann, wenn ein deut­scher Händ­ler Kraft­stof­fe oder Heiz­öl unver­steu­ert in einem amt­li­chen Ver­fah­ren an gewerb­li­che Kun­den in einem Mit­glieds­staat der Euro­päi­schen Uni­on ver­sen­det, die ent­ge­gen ihren Anga­ben nicht zum Emp­fang unver­steu­er­ter Ware berech­tigt sind.

Die wirk­sa­me Eröff­nung eines inner­ge­mein­schaft­li­chen Steu­er­ver­sand­ver­fah­rens, mit dem ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ge Erzeug­nis­se unter Steu­er­aus­set­zung in einen ande­ren Mit­glied­staat beför­dert wer­den kön­nen, setzt eine Zulas­sung des Emp­fän­gers als Steuer­la­ger­in­ha­ber oder berech­tig­ter Emp­fän­ger vor­aus.

Wird an einen Nicht­be­rech­tig­ten gelie­fert, ent­steht die Mine­ral­öl­steu­er nach § 9 Abs. 1 MinöStG 1993 mit der Ent­fer­nung des Mine­ral­öls aus dem Steuer­la­ger, ohne dass es dar­auf ankommt, dass das Mine­ral­öl im Steuerge­biet ver­braucht wird.

Die Rege­lung der Steu­er­ent­ste­hung in § 9 Abs. 1 MinöStG 1993 ver­stößt weder gegen das Bestim­mungs­land­prin­zip noch gegen ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­ben.

Die Recht­spre­chung des EuGH und des BFH zu den Vor­aus­set­zun­gen für eine umsatz­steu­er­freie inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung und zum Gut­glau­bens­schutz kann nicht auf ver­brauch­steu­er­recht­li­che Sach­ver­hal­te über­tra­gen wer­den.

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te ein Mine­ral­öl­händ­ler aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern erheb­li­che Men­gen an unver­steu­er­tem Die­sel an ver­schie­de­ne Abneh­mer nach Polen gelie­fert. Den pol­ni­schen Abneh­mern war aller­dings vom pol­ni­schen Zoll kei­ne Berech­ti­gung zum Emp­fang von unver­steu­er­ten Mine­ral­ölen erteilt wor­den, obwohl sie dies gegen­über dem deut­schen Mine­ral­öl­händ­ler wahr­heits­wid­rig behaup­tet hat­ten.

In die­sem Fall ent­steht, so der Bun­des­fi­nanz­hof, die Mine­ral­öl­steu­er mit der Ent­fer­nung aus dem in Deutsch­land gele­ge­nen Steuer­la­ger, ohne dass es dar­auf ankommt, ob das Mine­ral­öl in Deutsch­land ver­braucht wor­den ist. Auch kommt es auf die sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ver­sen­ders über die Bezugs­be­rech­ti­gung des Emp­fän­gers nicht an. Nach den Vor­ga­ben des Gemein­schafts­rechts wird das Risi­ko einer Steu­er­ent­ste­hung im Steuerge­biet dem ver­sen­den­den Mine­ral­öl­händ­ler zuge­wie­sen. Die­ser schul­det die deut­sche Mine­ral­öl­steu­er selbst dann, wenn er von sei­nen Abneh­mern getäuscht wor­den ist.

Wie der Streit­fall zeigt, ist in Deutsch­land ansäs­si­gen Händ­lern drin­gend zu raten, sich vor dem inner­ge­mein­schaft­li­chen Ver­sand von unver­steu­er­ten hoch­steu­er­ba­ren Waren Gewiss­heit dar­über zu ver­schaf­fen, ob der aus­län­di­sche Han­dels­part­ner eine ent­spre­chen­de ver­brauch­steu­er­recht­li­che Bezugs­be­rech­ti­gung besitzt.

Ganz schutz­los ist der ver­sen­den­den Mine­ral­öl­händ­ler aber auch nicht, denn er kann die Behaup­tung sei­nes aus­län­di­schen Ver­trags­part­ners, über eine Bezugs­be­rech­ti­gung für unver­steu­er­tes Mine­ral­öl zu ver­fü­gen, über­prü­fen las­sen: Bei­im Haupt­zoll­amt Stutt­gart wird eine Daten­bank geführt, in der alle Unter­neh­men gespei­chert sind, denen von den jewei­li­gen Mit­glied­staa­ten die Erlaub­nis erteilt wor­den ist, unver­steu­er­te ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ge Erzeug­nis­se zu lagern, zu ver­sen­den und zu bezie­hen. Auf Nach­fra­ge des ver­sen­den­den Mine­ral­öl­händ­lers bestä­tigt das Haupt­zoll­amt Stutt­gart, ob für den Emp­fän­ger eine sol­che Bezugs­be­rech­ti­gung vor­liegt oder nicht.

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der deut­sche Mine­ral­öl­händ­ler vor Auf­nah­me der Lie­fe­run­gen nach Polen eine Über­prü­fung der von sei­nen Kun­den behaup­te­ten Bezugs­be­rech­ti­gung unter­las­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Novem­ber 2009 – VII R 39/​08