Her­stel­lung von Was­ser­glas – und die Ener­gie­steu­er auf das ein­ge­setz­te Erd­gas

Bei der Her­stel­lung von Was­ser­glas, das durch Ver­schmel­zung von Quarz­sand und Natri­um­car­bo­nat gewon­nen wird, han­delt es sich nicht um die Her­stel­lung von Glas i.S. von § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG.

Her­stel­lung von Was­ser­glas – und die Ener­gie­steu­er auf das ein­ge­setz­te Erd­gas

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall stell­te die kla­gen­de Unter­neh­me­rin Was­ser­glas her. Hier­zu ver­misch­te sie zunächst Quarz­sand und Natri­um­car­bo­nat. Anschlie­ßend ließ sie das Gemisch in zwei mit ver­steu­er­tem Erd­gas betrie­be­nen Dreh­rohr­öfen bei etwa 1 400 Grad Cel­si­us ver­schmel­zen. Die hier­bei ent­stan­de­ne flüs­si­ge Sub­stanz wur­de auf einem För­der­band abge­führt, wo sie erkal­te­te. Die beim Abfal­len von dem För­der­band ent­stan­de­nen Klum­pen wur­den in einer Lager­hal­le zwi­schen­ge­la­gert. In einem zwei­ten Ver­fah­rens­ab­schnitt über­führ­te die Unter­neh­me­rin die Klum­pen in einem hydro­ther­ma­len Pro­zess unter Ein­satz von Was­ser und Dampf bei einer Tem­pe­ra­tur von etwa 150 Grad Cel­si­us und einem Druck von fünf bar in Was­ser­glas. Hier­bei ver­wen­de­te sie kein Erd­gas mehr.

Die Unter­neh­me­rin bean­tra­ge beim Haupt­zoll­amt eine Ener­gie­steu­er­ver­gü­tung für die Ver­wen­dung des Erd­ga­ses zum Ver­schmel­zen von Quarz­sand und Natri­um­car­bo­nat in den Dreh­rohr­öfen nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG. Dies lehn­te das Haupt­zoll­amt mit Bescheid vom 15.09.2016 ab, weil die Unter­neh­me­rin das Erd­gas nicht für die Her­stel­lung von Glas oder Glas­wa­ren ver­wen­det habe. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te­Fi­nanz­ge­richt Düs­sel­dorf beur­teil­te die Ableh­nung der Steu­er­ent­las­tung als recht­mä­ßig [1]. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te dies und wies auch die Revi­si­on der Unter­neh­me­rin zurück:

Nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG wird eine Steu­er­ent­las­tung auf Antrag für ver­steu­er­te Ener­gie­er­zeug­nis­se gewährt, die von Unter­neh­men des Pro­du­zie­ren­den Gewer­bes für die Her­stel­lung von Glas und Glas­wa­ren, kera­mi­schen Erzeug­nis­sen, kera­mi­schen Wand- und Boden­flie­sen und –plat­ten, Zie­geln und sons­ti­ger Bau­ke­ra­mik, Zement, Kalk und gebrann­tem Gips, Erzeug­nis­sen aus Beton, Zement und Gips, kera­misch gebun­de­nen Schleif­kör­pern, mine­ra­li­schen Iso­lier­ma­te­ria­li­en, Asphalt, Waren aus Gra­phit oder ande­ren Koh­len­stof­fen, Erzeug­nis­sen aus Poren­be­ton­er­zeug­nis­sen und mine­ra­li­schen Dün­ge­mit­teln zum Trock­nen, Bren­nen, Schmel­zen, Erwär­men, Warm­hal­ten, Ent­span­nen, Tem­pern oder Sin­tern der vor­ge­nann­ten Erzeug­nis­se oder der zu ihrer Her­stel­lung ver­wen­de­ten Vor­pro­duk­te, ver­wen­det wor­den sind.

Mit der in § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG getrof­fe­nen Rege­lung ist Art. 2 Abs. 4 Buchst. b 5. Anstrich Ener­gie­StRL in das natio­na­le Ener­gie­steu­er­recht umge­setzt wor­den. Danach gilt die Richt­li­nie nicht für Ver­fah­ren, die gemäß der VO 3037/​90 unter die NACE-Klas­se DI 26 „Ver­ar­bei­tung nicht-metal­li­scher Mine­ra­li­en“ fal­len (mine­ra­lo­gi­sche Ver­fah­ren). Nach der Geset­zes­be­grün­dung [2] ent­spre­chen die in § 51 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 Ener­gieStG auf­ge­führ­ten Pro­zes­se und Ver­fah­ren im Wesent­li­chen den Tätig­kei­ten, die in den Abtei­lun­gen DI 26 und DJ 27 der VO 3037/​90 in der am 01.01.2003 gel­ten­den Fas­sung ‑NACE Rev.01.01.- auf­ge­führt sind. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den hat, ist auf­grund der durch die Mate­ria­li­en beleg­ten Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers die NACE Rev.01.01. zur Aus­le­gung der Vor­schrift her­an­zu­zie­hen [3].

Vor­aus­set­zung für die Gewäh­rung eines auf § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG gestütz­ten Ent­las­tungs­an­spruchs ist die Ver­wen­dung eines Ener­gie­er­zeug­nis­ses von einem Unter­neh­men des Pro­du­zie­ren­den Gewer­bes zum Trock­nen, Bren­nen, Schmel­zen, Erwär­men, Warm­hal­ten, Ent­span­nen, Tem­pern oder Sin­tern eines der in den Unter­ab­schnit­ten DI 26 und DJ 27 WZ 2003 genann­ten Erzeug­nis­ses oder eines Vor­pro­dukts, das von die­sem Unter­neh­men zur Her­stel­lung die­ses Erzeug­nis­ses wei­ter­ver­ar­bei­tet wird. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den hat [4], ist der vom Gesetz­ge­ber nor­mier­te Ent­las­tungs­tat­be­stand in richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass die Begüns­ti­gung nur sol­chen Unter­neh­men gewährt wird, die zumin­dest eines der in den Unter­ab­schnit­ten DI 26 und DJ 27 WZ 2003 auf­ge­lis­te­ten und in § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG genann­ten End­pro­duk­te selbst her­stel­len. Sofern die­se Unter­neh­men die Vor­pro­duk­te selbst her­stel­len und wei­ter­ver­ar­bei­ten, wer­den ‑wohl um Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten zu ver­mei­den und das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zu ver­ein­fa­chen- auch die Ener­gie­er­zeug­nis­se ent­steu­ert, die zur Her­stel­lung der Vor­pro­duk­te ein­ge­setzt wor­den sind [5].

Nach der Vor­be­mer­kung I 2.3 Abs. 2 zur WZ 2003 kann im Bereich des Pro­du­zie­ren­den Gewer­bes (ohne Bau­ge­wer­be) das Güter­ver­zeich­nis für Pro­duk­ti­ons­sta­tis­ti­ken in der Aus­ga­be 2002 (GP 2002) als Hilfs­mit­tel die­nen. Die­ses baut auf der sta­tis­ti­schen Güter­klas­si­fi­ka­ti­on in Ver­bin­dung mit den Wirt­schafts­zwei­gen in der Euro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft ‑CPA- [6] auf, die wie­der­um auf der zen­tra­len Güter­klas­si­fi­ka­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen (CPC) basiert. Die Unter­tei­lun­gen der CPC wer­den im Bereich der Waren ver­bind­lich durch die Unter­tei­lun­gen des HS defi­niert. Da als maß­geb­li­che Defi­ni­ti­ons­klas­si­fi­ka­ti­on für die Waren­po­si­tio­nen der CPA sowohl das HS als auch die KN die­nen, beein­flus­sen bei­de Vor­ga­ben letzt­lich auch die inhalt­li­che Abgren­zung der Wirt­schafts­zwei­ge der WZ 2003. Daher ist es zuläs­sig, zur Aus­le­gung der WZ 2003 das HS und die KN her­an­zu­zie­hen [7].

Der Unter­ab­schnitt DI „Glas­ge­wer­be, Her­stel­lung von Kera­mik, Ver­ar­bei­tung von Stei­nen und Erden“ umfasst u.a. die Her­stel­lung von Glas und Glas­wa­ren, wie z.B. Flach­glas, Hohl­glas, Glas­fa­sern und tech­ni­sche Glas­wa­ren. Die Unter­klas­se DI 26.15.0 beinhal­tet die „Her­stel­lung, Ver­ed­lung und Bear­bei­tung von sons­ti­gem Glas ein­schließ­lich tech­ni­schen Glas­wa­ren“. Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Stoff als Glas oder Glas­wa­re ange­se­hen wer­den kann, wird nicht defi­niert. Aller­dings wer­den in den Erläu­te­run­gen zur Unter­klas­se DI 26.15.0 Glas­wa­ren auf­ge­zählt, die sich durch eine bestimm­te fes­te Form und einen bestimm­ten Ver­wen­dungs­zweck aus­zeich­nen. Bruch­wa­ren oder Glas­zwi­schen­er­zeug­nis­se, die noch wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den müs­sen, wer­den dage­gen nicht genannt. Dies kann als Indiz dafür gewer­tet wer­den, dass Was­ser­glas oder im Rah­men der Ver­ar­bei­tung anfal­len­der Glas­bruch nicht von die­ser Unter­klas­se erfasst wer­den.

Kap. 70 KN erfasst „Glas und Glas­wa­ren“. Nach den Erläu­te­run­gen zum Har­mo­ni­sier­ten Sys­tem (ErlHS) 02.0 zu Kap. 70 ist Glas (aus­ge­nom­men geschmol­ze­nes Sili­zi­um­di­oxid und geschmol­ze­ner Quarz, die nach­ste­hend behan­delt wer­den) che­misch gese­hen ein homo­ge­nes Gemisch von unter­schied­li­cher Zusam­men­set­zung aus einem Alka­li­si­li­kat (Natri­um- oder Kali­um­si­li­kat) mit einem oder meh­re­ren Kal­zi­um- und Blei­si­li­ka­ten und dane­ben Bari­um, Alu­mi­ni­um, Man­gan, Magne­si­um- usw. –sili­ka­ten.

In die Pos. 2839 KN fal­len „Sili­ca­te; han­dels­üb­li­che Sili­ca­te der Alka­li­me­tal­le“. Nach der ErlHS 02.1 zu Pos. 2839 gewinnt man Natri­um­si­li­ca­te durch Zusam­men­schmel­zen von Sand und Natri­um­car­bo­nat oder Natri­um­sul­fat. Ihre Zusam­men­set­zung ist sehr ver­schie­den (Mono­si­li­ca­te, Meta­si­li­ca­te, Poly­si­li­ca­te usw.). Ihr Kris­tall­was­ser­ge­halt und ihre Lös­lich­keit sind je nach ihrem Her­stel­lungs­ver­fah­ren und ihrem Rein­heits­grad ver­schie­den. Die Natri­um­si­li­ca­te kom­men als Pul­ver, farb­lo­se Kris­tal­le, gla­si­ge Mas­sen (Was­ser­glas) oder mehr oder weni­ger vis­ko­se wäss­ri­ge Lösun­gen vor.

Dies spricht dafür, Was­ser­glas, das durch Ver­schmel­zen von Quarz­sand und Natri­um­car­bo­nat her­ge­stellt wird, in die Pos. 2839 KN ein­zu­rei­hen. Sofern Spu­ren wei­te­rer Aus­gangs­stof­fe ent­hal­ten sind, kommt es gemäß der All­ge­mei­nen Vor­schrift für die Aus­le­gung der KN 3 Buchst. b dar­auf an, wel­cher Stoff der Ware ihren wesent­li­chen Cha­rak­ter ver­leiht.

Das Uni­ons­recht steht einer Aus­wei­tung der mine­ra­lo­gi­schen Ver­fah­ren über die in der Klas­se DI 26 NACE Rev.01.01. genann­ten Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­se ent­ge­gen. Denn nach Art. 2 Abs. 4 Buchst. b 5. Anstrich Ener­gie­StRL sind nur sol­che Ver­fah­ren aus dem Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie aus­ge­wie­sen, die unter die NACE-Klas­se DI 26 (Ver­ar­bei­tung nicht­me­tal­li­scher Mine­ra­li­en) fal­len. Eine davon abwei­chen­de Ein­be­zie­hung eines wei­te­ren Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­ses ver­stie­ße gegen die uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben. Denn allein aus dem Umstand, dass nur bestimm­te Glas­ar­ten in der Klas­se DI 26 genannt sind, ist nicht zu schlie­ßen, dass eine Rege­lungs­lü­cke vor­liegt, die durch die Ein­be­zie­hung ande­rer Glas­ar­ten geschlos­sen wer­den müss­te [7]. Abge­se­hen davon steht es den Uni­ons­or­ga­nen frei, einen Bereich nur schritt­wei­se zu har­mo­ni­sie­ren [8].

Da es sich bei den mine­ra­lo­gi­schen Ver­fah­ren um einen nicht har­mo­ni­sier­ten Bereich han­delt, ist auch eine Gleich­stel­lung von Unter­neh­men, die nur Vor­pro­duk­te her­stel­len, mit Unter­neh­men, die nur End­pro­duk­te bzw. Vor- und End­pro­duk­te her­stel­len, nach uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht gebo­ten. Sofern sich die Mit­glied­staa­ten für eine Begüns­ti­gung ent­schei­den, sind sie nicht gezwun­gen, die­se auf sämt­li­che mine­ra­lo­gi­sche Ver­fah­ren zu erstre­cken [9].

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen han­delt es sich bei der Her­stel­lung von Was­ser­glas als Natri­um­si­li­kat nicht um die Her­stel­lung von Glas i.S. des § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall stell­te die Unter­neh­me­rin Was­ser­glas durch Ver­mi­schen von Quarz­sand und Natri­um­car­bo­nat und anschlie­ßen­dem Schmel­zen her. Die­se bei­den Aus­gangs­stof­fe sind nach der ErlHS 02.1 zu Pos. 2839 die Aus­gangs­stof­fe von Natri­um­si­li­cat i.S. der Pos. 2839 HS. Gegen die­se Fest­stel­lun­gen hat die Unter­neh­me­rin kei­ne zuläs­si­gen und begrün­de­ten Ver­fah­rens­rü­gen erho­ben, so dass die Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt gemäß § 118 Abs. 2 FGO für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­dend sind. Die Unter­neh­me­rin hat zwar gerügt, das Finanz­ge­richt habe gegen §§ 76, 96 FGO ver­sto­ßen, weil es ihrem Beweis­an­trag zur Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zur che­mi­schen Zusam­men­set­zung der von ihr her­ge­stell­ten Glasstan­gen nicht gefolgt sei und die Beweis­wür­di­gung vor­weg­ge­nom­men habe. Die Ein­ho­lung des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens hat jedoch des­halb unter­blei­ben kön­nen, weil es für das Finanz­ge­richt nicht maß­geb­lich war, dass in der von der Unter­neh­me­rin her­ge­stell­ten Ware neben Quarz­sand und Natri­um­car­bo­nat zufäl­lig noch wei­te­re Bestand­tei­le ent­hal­ten waren. Maß­geb­lich kam es für das Finanz­ge­richt viel­mehr dar­auf an, ob das Natri­um­si­li­kat im Rah­men eines Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­ses noch mit einem wei­te­ren Sili­kat gemischt wor­den ist. Infol­ge­des­sen hat es unbe­rück­sich­tigt gelas­sen, ob aus ande­ren Grün­den, z.B. durch Ver­un­rei­ni­gung, noch wei­te­re Stof­fe oder auch Sili­ka­te in der Ware ent­hal­ten waren. Abge­se­hen von den o.g. Aus­gangs­stof­fen wird Was­ser­glas in den ErlHS 02.1 zu Pos. 2839 aus­drück­lich ange­spro­chen und die­ser Posi­ti­on zuge­ord­net.

Dage­gen besteht Glas i.S. des Kap. 70 KN aus einem Alka­li­si­li­kat (Natri­um- oder Kali­um­si­li­kat) und einem oder meh­re­ren Kal­zi­um- und Blei­si­li­ka­ten und dane­ben Bari­um, Alu­mi­ni­um, Man­gan, Magne­si­um- usw. ‑sili­ka­ten. Es muss sich um ein Gemisch die­ser Stof­fe han­deln. Es ist nicht aus­rei­chend, dass ande­re Stof­fe ledig­lich zufäl­lig als Spu­ren vor­han­den sind.

Dem­nach han­delt es sich bei Natri­um­si­li­kat um eine anor­ga­ni­sche Ver­bin­dung von Nicht­me­tal­len, die in der Unter­klas­se DI 24.13 „Her­stel­lung von sons­ti­gen anor­ga­ni­schen Grund­stof­fen und Che­mi­ka­li­en“ ein­zu­ord­nen ist.

Was­ser­glas kann nicht in die Unter­klas­se DI 26.82 „Her­stel­lung von sons­ti­gen Erzeug­nis­sen aus nicht metal­li­schen Mine­ra­li­en, ander­wei­tig nicht genannt“ ein­ge­ord­net wer­den. Zum einen wür­de dies gegen die Ein­rei­hung des Was­ser­gla­ses in die KN spre­chen, die als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Zum ande­ren wür­de eine Ein­ord­nung von Was­ser­glas in die­se Unter­klas­se die Begren­zung der Unter­klas­se DI 26.15.0 auf bestimm­te Glas­wa­ren kon­ter­ka­rie­ren.

Da die Unter­neh­me­rin kein steu­er­lich begüns­tig­tes End­pro­dukt her­stellt, kommt auch eine Ent­steue­rung des für die Her­stel­lung des Bruch­gla­ses als Vor­pro­dukt ver­wen­de­ten Erd­ga­ses nicht in Betracht [10].

Die aus steu­er­recht­li­cher Sicht erfolg­te Ein­ord­nung der Tätig­keit der Unter­neh­me­rin nach den hier­für maß­geb­li­chen sta­tis­ti­schen Vor­ga­ben ent­fal­tet kei­ne Rechts­wir­kun­gen zu Las­ten des Umwelt­bun­des­am­tes, wes­halb eine Bei­la­dung des Umwelt­bun­des­am­tes gemäß § 60 FGO nicht not­wen­dig war.

Eine ein­fa­che Bei­la­dung ist im Revi­si­ons­ver­fah­ren gemäß § 123 Abs. 1 Satz 1 FGO unzu­läs­sig [11].

Eine not­wen­di­ge Bei­la­dung ist im Revi­si­ons­ver­fah­ren gemäß § 123 Abs. 1 i.V.m. § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO zwar grund­sätz­lich zuläs­sig. Der BFH kann im Rah­men des ihm zuste­hen­den Ermes­sens eine vom Finanz­ge­richt zu Unrecht unter­las­se­ne not­wen­di­ge Bei­la­dung im Revi­si­ons­ver­fah­ren nach § 123 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 126 Abs. 3 Satz 2 FGO nach­ho­len [12]. Nach § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO sind Drit­te zum finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren not­wen­dig bei­zu­la­den, wenn sie an dem strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis der­art betei­ligt sind, dass die gericht­li­che Ent­schei­dung auch ihnen gegen­über nur ein­heit­lich erge­hen kann. Das ist der Fall, wenn die Ent­schei­dung nach Maß­ga­be des mate­ri­el­len Steu­er­rechts not­wen­di­ger­wei­se und unmit­tel­bar Rech­te oder Rechts­be­zie­hun­gen des Drit­ten gestal­tet, bestä­tigt, ver­än­dert oder zum Erlö­schen bringt [13].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im Streit­fall jedoch nicht erfüllt, weil die Ent­schei­dung in steu­er­li­cher Hin­sicht kei­ne Aus­wir­kun­gen für das Umwelt­bun­des­amt ent­fal­tet.

Auch eine etwai­ge abwei­chen­de Beur­tei­lung der Tätig­keit der Unter­neh­me­rin durch die Sta­tis­tik­be­hör­den ist nicht bin­dend, weil die Haupt­zoll­äm­ter in eige­ner Zustän­dig­keit über die Gewäh­rung einer steu­er­li­chen Begüns­ti­gung ent­schei­den [14]. Auch die Ein­ord­nung des Was­ser­gla­ses in die NACE-Klas­se 26.15 durch das Umwelt­bun­des­amt nach § 9 des Geset­zes über den Han­del mit Berech­ti­gun­gen zur Emis­si­on von Treib­haus­ga­sen (Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­dels­ge­setz) ist für die Aus­le­gung der WZ 2003 und des Ent­las­tungs­tat­be­stands des § 51 Abs. 1 Buchst. a Ener­gieStG nicht bin­dend.

Soweit die Kom­mis­si­on im Rah­men der bei­hil­fe­recht­li­chen Prü­fung des § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Ener­gieStG der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­ge­ge­ben hat, die­sel­be steu­er­li­che Behand­lung anzu­wen­den, falls noch wei­te­re mine­ra­lo­gi­sche Ver­fah­ren bekannt wer­den, kann dar­aus nicht geschlos­sen wer­den, dass sämt­li­che Ver­fah­ren begüns­tigt wer­den müs­sen, die in irgend­ei­ner Form auf mine­ra­li­schen Aus­gangs­stof­fen beru­hen. Die Ener­gie­StRL nimmt nur mine­ra­lo­gi­sche Ver­fah­ren der NACE-Klas­se DI 26 von ihrem Gel­tungs­be­reich aus. Dar­auf bezieht sich auch die Stel­lung­nah­me der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on [15].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2020 – VII R 25/​18

  1. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 27.06.2018 – 4 K 1380/​17 VE[]
  2. BT-Drs. 16/​1172, S. 44[]
  3. BFH, Urteil vom 26.10.2010 – VII R 50/​09, BFHE 231, 443, Zeit­schrift für Zöl­le und Ver­brauch­steu­ern ‑ZfZ- 2011, 23; vgl. auch BFH, Urteil vom 15.02.2011 – VII R 51/​09, ZfZ 2011, 274[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 231, 443, ZfZ 2011, 23[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le vom 24.02.2015 – VII R 50/​13, BFHE 249, 258, ZfZ 2015, 220, und in ZfZ 2011, 274[]
  6. vgl. Ver­ord­nung (EWG) Nr. 3696/​93 des Rates vom 19.10.1993, ABl.EG Nr. L 342/​1, i.d.F. nach der Ver­ord­nung (EG) Nr.204/2002 der Kom­mis­si­on vom 19.12.2001, ABl.EG Nr. L 36/​1[]
  7. vgl. BFH, Urteil in BFHE 249, 258, ZfZ 2015, 220[][]
  8. vgl. EuGH, Urteil Socri­dis vom 17.06.1999 – C‑166/​98, EU:C:1999:316, Rz 26, ZfZ 1999, 342[]
  9. BFH, Urteil in ZfZ 2011, 274[]
  10. vgl. dazu BFH, Urteil in ZfZ 2011, 274[]
  11. vgl. auch BFH, Urteil vom 25.11.2009 – X R 27/​05, BFH/​NV 2010, 1090[]
  12. vgl. BFH, Urteil vom 04.12.2018 – IX R 13/​17, BFH/​NV 2019, 1397[]
  13. z.B. BFH, Urteil vom 19.12.2018 – I R 71/​16, BFHE 264, 115, BStBl II 2019, 493, Rz 12[]
  14. BFH, Urteil vom 28.10.2008 – VII R 38/​07, BFHE 223, 287, ZfZ 2009, 79; BFH, Beschluss vom 31.01.2008 – VII B 88/​07, BFH/​NV 2008, 991[]
  15. vgl. Staat­li­che Bei­hil­fe Nr. N 820/​2006 – Deutsch­land K (2007) 298 endg.[]