Hun­de­steu­er als ört­li­che Auf­wand­steu­er

Die an die Auf­nah­me eines Hun­des in einen Haus­halt oder Wirt­schafts­be­trieb im Gemein­de­ge­biet anknüp­fen­de Hun­de­steu­er ist eine ört­li­che Auf­wand­steu­er im Sin­ne des Art. 105 Abs. 2a Satz 1 GG unab­hän­gig davon, ob und in wel­chem Umfang sich der Hund auch außer­halb des Gemein­de­ge­bie­tes auf­hält.

Hun­de­steu­er als ört­li­che Auf­wand­steu­er

Die Hun­de­steu­er gehört zu den her­kömm­li­chen Auf­wand­steu­ern, weil das Hal­ten eines Hun­des über die Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs hin­aus­geht und einen Auf­wand erfor­dert. In der jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nem Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de hielt der Beschwer­de­füh­rer die Hun­de­steu­er jedoch nicht mehr für eine ört­lich radi­zier­te Steu­er, weil die Hal­ter Hun­de nach den inzwi­schen gewan­del­ten Wirt­schafts- und Lebens­ver­hält­nis­sen nicht nur im Gemein­de­ge­biet hiel­ten, son­dern die­se auch zu viel­fa­chen Zwe­cken mit­näh­men, wenn sie das Gemein­de­ge­biet ver­lie­ßen. Dem moch­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht fol­gen:

Die Beschwer­de ver­kennt, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, den Begriff der "ört­li­chen Auf­wand­steu­er" im Sin­ne des Art. 105 Abs. 2a Satz 1 GG, der mit dem Begriff der Steu­er mit ört­lich beding­tem Wir­kungs­kreis in Art. 105 Abs. 2 Nr. 1 GG a.F. über­ein­stimmt1. Ins­be­son­de­re die her­kömm­li­chen Steu­ern, zu denen die Hun­de­steu­er zählt, soll­ten wei­ter erho­ben wer­den dür­fen. Ört­lich ist eine Auf­wand­steu­er dann, wenn sie an ört­li­che Gege­ben­hei­ten, vor allem die Bele­gen­heit einer Sache oder einen Vor­gang im Gemein­de­ge­biet, anknüpft und es wegen der Begrenzt­heit der unmit­tel­ba­ren Wir­kun­gen der Steu­er auf das Gemein­de­ge­biet nicht zu einem die Wirt­schafts­ein­heit berüh­ren­den Steu­er­ge­fäl­le kom­men kann2. Die ört­li­che Radi­zie­rung muss sich aus der nor­ma­ti­ven Gestal­tung des Steu­er­tat­be­stan­des selbst erge­ben; sie kann nicht aus der natür­li­chen Beschaf­fen­heit des Gegen­stan­des abge­lei­tet wer­den. Gemes­sen hier­an han­delt es sich bei der Hun­de­steu­er der Beklag­ten um eine ört­li­che Auf­wand­steu­er.

Der die Steu­er­pflicht aus­lö­sen­de Tat­be­stand ist hier das "Hal­ten von Hun­den (…) im Gemein­de­ge­biet" (§ 1 Abs. 2 der ein­schlä­gi­gen kom­mu­na­len Hun­de­steu­er­sat­zung – HStS). Einen Hund hält, wer ihn "in sei­nem Haus­halt oder sei­nem Wirt­schafts­be­trieb für Zwe­cke der per­sön­li­chen Lebens­füh­rung auf­ge­nom­men hat" (§ 2 Abs. 2 HStS). Damit ist die räum­lich-gegen­ständ­li­che Zuord­nung der Hun­de­hal­tung zu einem im Gemein­de­ge­biet gehö­ren­den Haus­halt oder Wirt­schafts­be­trieb durch die Hun­de­steu­er­sat­zung nor­ma­tiv fest­ge­legt. Nur wenn die­ser spe­zi­fi­sche ört­li­che Bezug zum Gemein­de­ge­biet gege­ben ist, ent­steht die Steu­er­pflicht3.

Die gel­tend gemach­te Ver­än­de­rung der Lebens­ver­hält­nis­se und der damit ver­bun­de­nen höhe­ren Mobi­li­tät der Bevöl­ke­rung und damit auch von Hun­de­hal­tern und ihren Hun­den hat hier­auf kei­nen Ein­fluss. Viel­mehr hat sich auch durch den gesell­schaft­li­chen Wan­del weder am Steu­er­tat­be­stand noch an den steu­er­li­chen Wir­kun­gen etwas geän­dert. Die Steu­er knüpft an das Hal­ten eines Hun­des in einem Haus­halt an, der in der steu­er­erhe­ben­den Gemein­de geführt wird. Die Steu­er­wir­kung ent­fal­tet sich in der Gemein­de. Dar­an ändert nichts, dass Hun­de mit ihren Hal­tern mobil sind und das Gemein­de­ge­biet ver­las­sen. Es mag dahin­ste­hen, ob die von der Klä­ge­rin ange­führ­ten "tat­säch­li­chen (gesell­schaft­li­chen und sozia­len) Ände­run­gen hin­sicht­lich der Hun­de­hal­tung" heut­zu­ta­ge häu­fi­ger als frü­her dazu füh­ren, dass sich Hun­de mit ihren Hal­tern aus unter­schied­li­chen Grün­den außer­halb des Gemein­de­ge­bie­tes auf­hal­ten. Es kommt nicht auf den jewei­li­gen tat­säch­li­chen Auf­ent­halts­ort des Hun­des an, son­dern dar­auf, wo er in den Haus­halt auf­ge­nom­men und damit der Auf­wand im steu­er­recht­li­chen Sinn betrie­ben wird4. Das Erfor­der­nis, die unmit­tel­ba­ren Wir­kun­gen der ört­li­chen Auf­wand­steu­er auf das Gemein­de­ge­biet zu begren­zen, bezieht sich auf die Steu­er, nicht auf die Hun­de5. Wegen die­ser Begren­zung auf das Gemein­de­ge­biet ist schließ­lich bei der Hun­de­steu­er – anders als bei einer Ver­brauch­steu­er, die jeden Ver­kauf an Ver­brau­cher ohne Beschrän­kung auf den Ver­zehr an Ort und Stel­le erfasst6 – auch kein die Wirt­schafts­ein­heit berüh­ren­des Steu­er­ge­fäl­le zu besor­gen7.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 25. April 2013 – 9 B 41.12

  1. BVerfG, Beschluss vom 04.06.1975 – 2 BvR 824/​74, BVerfGE 40, 56, 58; BVerwG, Urteil vom 26.07.1979 – 7 C 53.77, BVerw­GE 58, 230, 237 f.; Beschluss vom 19.08.1994 – 8 N 1.93, BVerw­GE 96, 272, 283 []
  2. BVerfG, Beschlüs­se vom 23.07.1963 – 2 BvL 11/​61, BVerfGE 16, 306, 327; und vom 06.12.1983 – 2 BvR 1275/​79, BVerfGE 65, 325, 349; BVerwG, Beschluss vom 19.08.1994 a.a.O []
  3. eben­so BayVGH, Urteil vom 26.09.2012 – 4 B 12.1389; OVG NRW, Beschluss vom 14.05.2012 – 14 A 926/​12 []
  4. a.A. Decker, KStZ 2012, 66, 71 []
  5. so tref­fend OVG NRW, Beschluss vom 14.05.2012 a.a.O. Rn. 9 []
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.07.1963 a.a.O.; Urteil vom 07.05.1998 – 2 BvR 1991/​95 u.a., BVerfGE 98, 106, 124; dazu Decker, a.a.O. S. 68 f. []
  7. eben­so BayVGH, Urteil vom 26.09.2012 a.a.O. Rn. 23 []