Kampf­hun­de­steu­er für arti­ge Rott­wei­ler

Eine Gemein­de darf auch für Kampf­hun­de, für die ein indi­vi­du­el­ler Nach­weis feh­len­der gestei­ger­ter Aggres­si­vi­tät erbracht wur­de, eine erhöh­te Hun­de­steu­er fest­set­zen.

Kampf­hun­de­steu­er für arti­ge Rott­wei­ler

Die Beklag­te durf­te für gelis­te­te Kampf­hun­de nach § 1 Abs. 2 Kampf­hun­de­VO mit soge­nann­tem Nega­tiv­zeug­nis eine erhöh­te Hun­de­steu­er fest­set­zen.

Die Hun­de­steu­er­sat­zung der Beklag­ten belegt alle in § 1 der Baye­ri­schen Ver­ord­nung über Hun­de mit gestei­ger­ter Aggres­si­vi­tät und Gefähr­lich­keit vom 10.07.1992 in der jeweils gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: Kampf­hun­de­VO; vgl. zur Gül­tig­keit die­ser Ver­ord­nung BayVGH, Beschluss vom 02.06.2014 – 10 ZB 12.2320 4) genann­ten Ras­sen und Grup­pen von Hun­den sowie deren Kreu­zun­gen unter­ein­an­der oder mit ande­ren Hun­den mit einer erhöh­ten Steu­er (§ 5 Abs. 2 HStS). Eine sol­che erhöh­te Besteue­rung von Hun­den bestimm­ter Ras­sen ist wegen der mit der Steu­er­erhe­bung mit­ver­folg­ten Len­kungs­zwe­cke grund­sätz­lich zuläs­sig. Eben­falls nicht zu bean­stan­den ist, dass die Sat­zungs­re­ge­lung nicht zwi­schen den­je­ni­gen Ras­sen unter­schei­det, bei denen nach § 1 Abs. 1 Kampf­hun­de­VO die Eigen­schaft als Kampf­hund unwi­der­leg­lich ver­mu­tet wird und sol­chen, bei denen nach § 1 Abs. 2 Kampf­hun­de­VO der zustän­di­gen Behör­de durch ein soge­nann­tes Nega­tiv­zeug­nis für den ein­zel­nen Hund nach­ge­wie­sen wer­den kann, dass die­ser kei­ne gestei­ger­te Aggres­si­vi­tät und Gefähr­lich­keit gegen­über Men­schen oder Tie­ren auf­weist.

Die von der Beklag­ten erho­be­ne Hun­de­steu­er fin­det ihre Rechts­grund­la­ge in Art. 105 Abs. 2a GG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 KAG Bay­ern. Die Hun­de­steu­er ist eine tra­di­tio­nel­le ört­li­che Auf­wand­steu­er, denn das Hal­ten eines Hun­des geht über die Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs hin­aus und erfor­dert einen – wenn auch unter Umstän­den nicht sehr erheb­li­chen – zusätz­li­chen Ver­mö­gens­auf­wand 1. Es ent­spricht gefes­tig­ter Recht­spre­chung, dass eine Steu­er­re­ge­lung auch Len­kungs­wir­kun­gen mit­ver­fol­gen darf 2, mag die Len­kung Haupt- oder Neben­zweck sein 3, und dass sie hier­für kei­ner zur Steu­er­ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz hin­zu­tre­ten­den Sach­kom­pe­tenz bedarf 4.

Hier­von aus­ge­hend ist ein erhöh­ter Steu­er­satz für gelis­te­te Hun­de, die abs­trakt als gefähr­lich ange­se­hen wer­den – soge­nann­te Kampf­hun­de – zuläs­sig, denn die Gemein­de darf bei ihrer Hun­de­steu­er­erhe­bung neben fis­ka­li­schen Zwe­cken auch den Len­kungs­zweck ver­fol­gen, als gefähr­lich ein­ge­stuf­te Hun­de aus ihrem Gemein­de­ge­biet zurück­zu­drän­gen. Gera­de die unwi­der­leg­li­che Ver­mu­tung der Gefähr­lich­keit ist in beson­de­rer Wei­se geeig­net, das mit der erhöh­ten Steu­er bezweck­te Len­kungs­ziel zu errei­chen. Müss­ten näm­lich in bestimm­ten Ein­zel­fäl­len Aus­nah­men von der höhe­ren Besteue­rung gewährt wer­den, so wür­de das dem steu­er­li­chen Len­kungs­zweck, den Bestand an poten­ti­ell gefähr­li­che­ren Hun­den mög­lichst gering zu hal­ten, zuwi­der­lau­fen. Da aus der nur poten­ti­el­len Gefähr­lich­keit bei Hin­zu­tre­ten ande­rer Fak­to­ren jeder­zeit eine aku­te Gefähr­lich­keit erwach­sen kann, ist es sach­ge­recht, bereits an das abs­trak­te Gefah­ren­po­ten­ti­al anzu­knüp­fen 5.

Die Sat­zung muss­te nicht auf eine höhe­re Besteue­rung der­je­ni­gen Hun­de ver­zich­ten, für die ein soge­nann­tes Nega­tiv­zeug­nis vor­liegt.

Das Nega­tiv­zeug­nis nach § 1 Abs. 2 Kampf­hun­de­VO lässt nur die sicher­heits­recht­li­che Erlaub­nis­pflicht ent­fal­len, die nach Art. 37 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes über das Lan­des­straf­recht und das Ver­ord­nungs­recht auf dem Gebiet der öffent­li­chen Sicher­heit und Ord­nung (Lan­des­straf- und Ver­ord­nungs­ge­setz – LStVG) in Bay­ern für das Hal­ten von Kampf­hun­den besteht. Dies ändert aber nichts dar­an, dass es sich um Hun­de han­delt, bei denen von einer abs­trak­ten Gefähr­lich­keit aus­zu­ge­hen ist. Ord­nungs­recht­li­che Erlaub­nis­vor­be­hal­te für das Hal­ten gefähr­li­cher Hun­de, die den Nach­weis der Zuver­läs­sig­keit und Sach­kun­de des Hal­ters sowie einen posi­ti­ven Wesens­test des Hun­des vor­aus­set­zen, las­sen die erhöh­te Besteue­rung von Hun­den, deren abs­trak­te Gefähr­lich­keit nach Maß­ga­be einer Ras­se­lis­te ver­mu­tet wird, in ihrer Recht­mä­ßig­keit unbe­rührt. Denn ein recht­fer­ti­gen­der sach­li­cher Grund für den Erlass einer Len­kungs­steu­er mit dem Ziel der Mini­mie­rung einer als gefähr­lich ver­mu­te­ten Hun­de­po­pu­la­ti­on besteht auch dann, wenn nach dem ein­schlä­gi­gen Gefah­ren­ab­wehr­recht nur Hun­de gehal­ten wer­den dür­fen, die den Wesens­test bestan­den haben und deren Hal­ter zuver­läs­sig und sach­kun­dig sind. Gefah­ren­ab­wehr­recht­li­che Rege­lun­gen die­ser Art neh­men der Hun­de­steu­er nicht ihre Len­kungs­eig­nung. Denn der mit der erhöh­ten Steu­er ver­folg­te Len­kungs­zweck, die Popu­la­ti­on von Hun­den, die als poten­ti­ell gefähr­lich ein­ge­schätz­ten Ras­sen ange­hö­ren, im Gemein­de­ge­biet gene­rell zurück­zu­drän­gen, zielt von vorn­her­ein auf einen deut­lich grö­ße­ren Kreis von Fäl­len – näm­lich die poten­ti­el­len Hal­ter sol­cher Hun­de – als die ord­nungs­recht­li­che Pflicht zur Eig­nungs­prü­fung und zum Wesens­test es tun. Letz­te­re betref­fen näm­lich nur die Hal­ter, die sich unge­ach­tet der erhöh­ten Besteue­rung zur Anschaf­fung eines nach Maß­ga­be der Ras­se­lis­te als gefähr­lich ver­mu­te­ten Hun­des ent­schlos­sen haben 6.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, beschluss vom 15. Okto­ber 2014 – 9 C 8.2013 -

  1. vgl. nur BVerwG, Urtei­le vom 19.01.2000 – 11 C 8.99, BVerw­GE 110, 265, 268; und vom 16.05.2007 – 10 C 1.07, Buch­holz 401.65 Hun­de­steu­er Nr. 12 S. 4 ff.; Beschluss vom 25.04.2013 – 9 B 41.12, Buch­holz 401.65 Hun­de­steu­er Nr. 13 S. 1 und BFH, Urteil vom 14.10.1987 – II R 11/​85BFHE 151, 285[]
  2. BVerfG, Urteil vom 27.06.1991 – 2 BvR 1493/​89, BVerfGE 84, 239, 274; Beschluss vom 22.06.1995 – 2 BvL 37/​91, BVerfGE 93, 121, 147[]
  3. vgl. BVerfG, Urtei­le vom 10.12 1980 – 2 BvF 3/​77, BVerfGE 55, 274, 299; und vom 07.05.1998 – 2 BvR 1991/​95, 2 BvR 2004/​95, BVerfGE 98, 106, 118[]
  4. vgl. nur BVerwG, Beschluss vom 19.08.1994 – 8 N 1.93, BVerw­GE 96, 272, 277 f. und Urteil vom 22.12 1999 – 11 C 9.99, BVerw­GE 110, 248, 249 f.[]
  5. BVerwG, Urteil vom 19.01.2000 – 11 C 8.99, BVerw­GE 110, 265, 272 ff.; Beschluss vom 28.06.2005 – 10 B 22.05, Buch­holz 401.65 Hun­de­steu­er Nr. 9 S. 22 f.[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 28.06.2005 a.a.O.[]