Kei­ne erhöh­te Kampf­hun­de­steu­er

In die Fra­ge, ob die Gemein­den für bestimm­te Hun­de­ras­sen (”Kampf­hun­de”) einen erhöh­ten Hun­de­steu­er­satz fest­le­gen kön­nen, ist auf­grund neu­er wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se wie­der Leben gekom­men.

Kei­ne erhöh­te Kampf­hun­de­steu­er

So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen auf die Kla­ge einer Hun­de­hal­te­rin gegen einen Hun­de­steu­er­be­scheid ent­schie­den, dass eine die Stadt Lai­chin­gen für das Hal­ten eines sog. Kampf­hun­des nicht 600 € jähr­lich Hun­de­steu­er erhe­ben darf, son­dern ledig­lich den­sel­ben Tarif wie für jeden ande­ren Hund in Höhe von 81 Euro. Die städ­ti­sche Hun­de­steu­er­sat­zung ist nach der Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richt, soweit sie für sog. Kampf­hun­de eine höhe­re Steu­er vor­sieht, rechts­wid­rig und nich­tig.

Der Gemein­de­rat der Stadt Lai­chin­gen habe, so das VG, Ende 2006 beim Beschluss der ent­spre­chen­den Rege­lun­gen wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen der Tier­ärzt­li­chen Hoch­schu­le Han­no­ver aus den Jah­ren 2002 bis 2005 unbe­rück­sich­tigt gelas­sen, die dafür spre­chen, dass die Prä­mis­se einer – ras­se­be­dingt – erhöh­ten Gefähr­lich­keit nicht mehr zutrifft und nicht die Ras­se­zu­ge­hö­rig­keit eines Hun­des für sei­ne Gefähr­lich­keit maß­ge­bend ist, son­dern sei­ne Hal­tung und Aus­bil­dung.

Die Stadt Lai­chin­gen hat­te ihre Hun­de­steu­er­sat­zung zum 01. Janu­ar 2007 dahin­ge­hend geän­dert, dass für das Hal­ten eines Kampf­hun­des der Steu­er­satz anders, als für sons­ti­ge Hun­de, auf 600 € jähr­lich fest­ge­setzt wur­de. Dabei lehn­te sie sich an die Poli­zei­ver­ord­nung des Lan­des über das Hal­ten gefähr­li­cher Hun­de vom 3.8.2000 an und stell­te auf die abs­trak­te Gefähr­lich­keit bestimm­ter Hun­de­ras­sen ab. Die Klä­ge­rin als Hal­te­rin eines Ame­ri­can Staf­fordshire Ter­ri­ers erhob gegen den erhöh­ten Hun­de­steu­er­be­scheid 2007 erfolg­los Wider­spruch und anschlie­ßend Kla­ge. Die Kla­ge hat­te Erfolg.

Hier­zu hat das Ver­wal­tungs­ge­richt fest­ge­stellt, zwar dür­fe mit der Hun­de­steu­er auch eine Len­kungs­funk­ti­on ver­bun­den wer­den. Der Sat­zungs­ge­ber habe einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum und dür­fe im Hin­blick auf den Aspekt der Prak­ti­ka­bi­li­tät und Effek­ti­vi­tät typi­sie­ren und pau­scha­lie­ren. Als recht­fer­ti­gen­der Grund für eine Zuord­nung bestimm­ter Hun­de­ras­sen zu den Kampf­hun­den und die dar­an anknüp­fen­de höhe­re Besteue­rung sei bis­lang aner­kannt wor­den, dass Hun­den bestimm­ter Ras­se auf­grund ihrer gene­ti­schen Dis­po­si­ti­on ein gestei­ger­tes Aggres­si­ons­ver­hal­ten zuzu­schrei­ben sei und steu­er­lich bereits an die abs­trak­te Gefähr­lich­keit ange­knüpft wer­den dür­fe. Jedoch dür­fe der Sat­zungs­ge­ber nicht aus dem Blick ver­lie­ren, dass die Höher­be­steue­rung der Kampf­hun­de an die Prä­mis­se einer erhöh­ten abs­trak­ten – ras­se­be­ding­ten – Gefähr­lich­keit anknüp­fe und ggf. Kor­rek­tur­be­darf bestehe, wenn die­se Prä­mis­se durch neue­re wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se erschüt­tert wer­de. Neh­me ein Sat­zungs­ge­ber die Rege­lung eines ande­ren Norm­ge­bers auf, sei er in vol­lem Umfang ver­ant­wort­lich für ihre Ver­ein­bar­keit mit höher­ran­gi­gem Recht. Dies schlie­ße auch die Pflicht des Sat­zungs­ge­bers ein, die über­nom­me­ne Rege­lung unter Kon­trol­le zu hal­ten und ggf. zu kor­ri­gie­ren. Sei der Sat­zungs­ge­ber jedoch ver­pflich­tet, eine über­nom­me­ne Rege­lung unter Kon­trol­le zu hal­ten, müs­se er erst recht dann, wenn er eine meh­re­re Jah­re alte Rege­lung über­neh­me, über­prü­fen, ob die ihr zu Grun­de lie­gen­den Prä­mis­sen noch zuträ­fen. Die Poli­zei­ver­ord­nung des Lan­des sei im Zeit­punkt der Über­nah­me in die Hun­de­steu­er­sat­zung bereits über sechs Jah­re alt gewe­sen. Der Stadt hät­te es oble­gen, eige­ne Ermitt­lun­gen dazu anzu­stel­len, ob es zur abs­trak­ten Gefähr­lich­keit bestimm­ter Hun­de­ras­sen neue­re Unter­su­chun­gen gebe. Das habe sie unter­las­sen und damit das ihr beim Erlass der Sat­zung zuste­hen­de Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt mit der Fol­ge, dass die Hun­de­steu­er­sat­zung, so weit sie für bestimm­te “Kampf­hun­de­ras­sen” eine erhöh­te Steu­er vor­se­he, nich­tig sei. Die Kam­mer wies gleich­wohl dar­auf hin, es sei wei­ter­hin mög­lich, die Hal­tung gefähr­li­cher Hun­de poli­zei­recht­lich oder durch steu­er­len­ken­de Maß­nah­men zu regeln; zu über­prü­fen wer­de jedoch sein, ob dabei abs­trakt auf die Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Hun­de­ras­se abge­stellt wer­den dür­fe oder die indi­vi­du­el­le Gefähr­lich­keit eines Hun­des und die Zuver­läs­sig­keit des Hal­ters ermit­telt wer­den müs­se.