Kraft­fahr­zeug­steu­er für schwe­re Gelän­de­wa­gen

Gelän­de­wa­gen wur­den bis­her nach den für LKW gel­ten­den Regeln besteu­ert, wenn sie ein zuläs­si­ges Gesamt­ge­wicht von mehr als 2,8 t hat­ten, und zwar unge­ach­tet des­sen, ob sie nach ihrer Bau­art und Ein­rich­tung vor­wie­gend zur Beför­de­rung von Las­ten geeig­net und bestimmt (also LKW) waren. Dies brach­te ihren Hal­tern meist wesent­li­che Erspar­nis­se gegen­über einer Besteue­rung als PKW. Das Steu­er­pri­vi­leg beruh­te auf einer Vor­schrift der Stra­ßen­ver­kehrs-Zulas­sungs­ord­nung, auf die das Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­setz ver­wies und nach der sol­che Fahr­zeu­ge (sog. Kom­bi­na­ti­ons­fahr­zeu­ge) als LKW gal­ten. Die­se Vor­schrift ist jedoch zum 1. Mai 2005 auf­ge­ho­ben wor­den. Es wird seit­her viel­fach die Auf­fas­sung ver­tre­ten, was ein PKW und was ein LKW sei, rich­te sich jetzt nach einer EU-Richt­li­nie (Richt­li­nie 70/​156/​EWG der Euro­päi­schen Gemein­schaft zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten über die Betriebs­er­laub­nis für Kraft­fahr­zeu­ge und Kraft­fahr­zeug­an­hän­ger an den tech­ni­schen Fort­schritt), wonach zahl­rei­che sol­cher Fahr­zeu­ge wei­ter­hin als LKW besteu­ert wer­den müss­ten.

Kraft­fahr­zeug­steu­er für schwe­re Gelän­de­wa­gen

Dem ist der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) in sei­nem Beschluss vom 21. August 2006 VII B 333/​05 ent­ge­gen­ge­tre­ten. Er hat –vor­erst in einem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes– ent­schie­den, dass die genann­te EU-Richt­li­nie kei­ne für die Mit­glieds­staa­ten ver­bind­li­chen Fest­le­gun­gen ent­hal­te, was ein LKW und was ein PKW sei. Denn sie habe nicht zum Ziel, die allein in der Kom­pe­tenz der Mit­glied­staa­ten lie­gen­de Ent­schei­dung zu regle­men­tie­ren, ob und in wel­cher Höhe für die ein­zel­nen Fahr­zeug­ar­ten Kraft­fahr­zeug­steu­er erho­ben wer­den soll.

Hier­nach gilt: Für Kom­bi­na­ti­ons­fahr­zeu­ge ist unge­ach­tet ihres zuläs­si­gen Gesamt­ge­wichts die in der Regel wesent­lich höhe­re PKW-Steu­er zu erhe­ben, es sei denn, das Fahr­zeug ist nach Bau­art und Ein­rich­tung als LKW anzu­se­hen, also vor­wie­gend zur Beför­de­rung von Las­ten geeig­net und bestimmt. Für die­se Abgren­zung von PKW und LKW ist nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH ein Bün­del von Kri­te­ri­en zu berück­sich­ti­gen (u.a. Zahl der Sitz­plät­ze, zuläs­si­ge Ladung, Grö­ße der Lade­flä­che, Aus­stat­tung mit Sitz­be­fes­ti­gungs­punk­ten und Sicher­heits­gur­ten, Ver­ble­chung der Sei­ten­fens­ter, Höchst­ge­schwin­dig­keit, äuße­res Erschei­nungs­bild, Her­stel­ler­kon­zep­ti­on). Im Streit­fall ("Land Rover") gab der BFH die Sache an das FG zur Nach­ho­lung der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung der rele­van­ten tech­ni­schen Merk­ma­le des Fahr­zeugs zurück.

Mit den Wor­ten des Bun­des­fi­nanz­hofs:

Durch die Auf­he­bung des § 23 Abs. 6a StVZO und damit der Gewichts­be­steue­rung von sog. Kom­bi­na­ti­ons­fahr­zeu­gen mit einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht von mehr als 2,8 t hat sich nichts an der kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­chen Maß­geb­lich­keit des Begrif­fes des PKW geän­dert, wie ihn der BFH in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­wi­ckelt hat. Die RL 70/​156/​EWG zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Betriebs­er­laub­nis für Kraft­fahr­zeu­ge und Kraft­fahr­zeug­an­hän­ger an den tech­ni­schen Fort­schritt und die dar­auf beru­hen­de ver­kehrs­recht­li­che Ein­stu­fung eines Fahr­zeugs sind kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­lich nicht maß­geb­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. August 2006 – VII B 333/​05