Kern­brenn­stoff­steu­er

Das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg hat in zwei bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ent­schie­den, dass kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Kern­brenn­stoff­steu­er­ge­set­zes (Kern­brStG) bestehen.

Kern­brenn­stoff­steu­er

Zu den gericht­li­chen Eil­ver­fah­ren war es gekom­men, nach­dem die Betrei­be­rin eines Kern­kraft­werks durch Befül­lung eines Kern­re­ak­tors mit Brenn­ele­men­ten sich selbst­tra­gen­de Ket­ten­re­ak­tio­nen aus­ge­löst und dadurch jeweils den Tat­be­stand des § 5 Abs. 1 des zum 1. Janu­ar 2011 in Kraft getre­te­nen Kern­brStG ver­wirk­licht hat. Die Betrei­be­rin hat dar­an anschlie­ßend zwar – wie es das Gesetz vor­sieht – die Steu­er berech­net, ange­mel­det und auch bezahlt, gegen die als Steu­er­fest­set­zun­gen wir­ken­den Anmel­dun­gen jedoch Ein­sprü­che ein­ge­legt. Das für die Fest­set­zung und Erhe­bung der Kern­brenn­stoff­steu­er zustän­di­ge Haupt­zoll­amt hat dane­ben gestell­te Anträ­ge auf Auf­he­bung der Voll­zie­hung abge­lehnt. Das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg hat die­se behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen nun­mehr bestä­tigt.

Zur Begrün­dung haben Frei­bur­ger Rich­ter des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg abwei­chend von ihren Kol­le­gen bei den Finanz­ge­rich­ten in Ham­burg und Mün­chen unter Beru­fung auf Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass es für die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des zur Ein­füh­rung einer Kern­brenn­stoff­steu­er in Form einer Ver­brauch­steu­er nicht dar­auf ankommt, ob die Steu­er auf die Strom­kun­den abwälz­bar ist oder nicht. Auch ver­moch­te das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg kei­nen Ver­stoß des Geset­zes gegen grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen zu erken­nen. Der Gesetz­ge­ber sei weder auf­grund des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes (Art. 3 Abs. 1 GG) dar­an gehin­dert gewe­sen, den durch Spal­tung näher defi­nier­ter Kern­brenn­stof­fe in Gang gesetz­ten Ver­brauch die­ser Stof­fe zum Gegen­stand einer Steu­er zu machen, noch lie­ge eine Ver­let­zung des in Art. 14 GG gewähr­leis­te­ten Eigen­tums­rechts der Betrei­ber von Kern­kraft­wer­ken vor, sofern es die­sen wei­ter­hin mög­lich sei, ihre kern­tech­ni­schen Anla­gen ren­tier­lich zu betrei­ben.

Bei der im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung der Voll­zie­hung einer Steu­er­fest­set­zung aus­rei­chen­den, aber auch gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung ver­sto­ße die Anwen­dung des Kern­brStG – so das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg wei­ter – auch nicht gegen pri­mä­res oder sekun­dä­res Euro­pa­recht. Ins­be­son­de­re sei der in die­sem Zusam­men­hang erho­be­ne Ein­wand, das Gesetz ver­sto­ße gegen das Ver­bot der Erhe­bung nicht har­mo­ni­sier­ter Ver­brauch­steu­ern auf elek­tri­schen Strom, nicht stich­hal­tig. Auch habe der Gesetz­ge­ber mit dem Kern­brStG kei­ne der Ver­pflich­tun­gen ver­letzt, die die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Rah­men der Grün­dung der Euro­päi­schen Atom­ge­mein­schaft (EURATOM) ein­ge­gan­gen ist.

Es ist damit zu rech­nen, dass das mit sei­nem Antrag geschei­ter­te Unter­neh­men mit der vom Gericht zuge­las­se­nen Beschwer­de den Bun­des­fi­nanz­hof anru­fen wird, wo bereits Beschwer­den gegen die anders­lau­ten­den Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te Ham­burg und Mün­chen anhän­gig sind. Eine end­gül­ti­ge Klä­rung der Rechts­la­ge wird aller­dings im Ver­fah­ren auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nicht zu errei­chen sein. Die­se wird erst auf­grund bereits anhän­gi­ger – aber noch nicht ent­schie­de­ner – Kla­ge­ver­fah­ren her­bei­ge­führt wer­den kön­nen. Erst in sol­chen Ver­fah­ren kön­nen die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen – mög­li­cher­wei­se unter Anru­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sowie des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on – abschlie­ßend beur­teilt wer­den.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschlüs­se vom 11. Janu­ar 2012 – 11 V 2661/​11 und 11 V 4024/​11