Kfz-Steu­er-Befrei­ung in der Kran­ken­be­för­de­rung

Die Kran­ken­be­för­de­rung i.S. des § 3 Nr. 5 Satz 1 Kraft­StG setzt vor­aus, dass kran­ke Men­schen beför­dert wer­den. Steu­er­be­freit sind nur Fahr­zeu­ge, die aus­schließ­lich für Fahr­ten im Zusam­men­hang mit der Behand­lung kran­ker Men­schen ver­wen­det wer­den.

Kfz-Steu­er-Befrei­ung in der Kran­ken­be­för­de­rung

Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Kraft­StG unter­liegt der Kfz-Steu­er das Hal­ten von inlän­di­schen Fahr­zeu­gen zum Ver­kehr auf öffent­li­chen Stra­ßen. Von der Kfz-Steu­er befreit ist nach § 3 Nr. 5 Satz 1 Kraft­StG u.a. das Hal­ten von Fahr­zeu­gen, solan­ge sie aus­schließ­lich zur Kran­ken­be­för­de­rung ver­wen­det wer­den. Vor­aus­set­zung für die Steu­er­be­frei­ung ist nach § 3 Nr. 5 Satz 2 Kraft­StG wei­ter­hin, dass die Fahr­zeu­ge äußer­lich als für die­se Zwe­cke bestimmt erkenn­bar sind und dass sie, sofern sie nicht für eine der in § 3 Nr. 5 Satz 3 Kraft­StG auf­ge­führ­ten Kör­per­schaf­ten zuge­las­sen sind, nach ihrer Bau­art und Ein­rich­tung dem Ver­wen­dungs­zweck ange­passt sind.

Die Kran­ken­be­för­de­rung setzt bereits begriff­lich vor­aus, dass kran­ke Men­schen beför­dert wer­den1.

Der Begriff der Krank­heit ist im Gesetz nicht defi­niert, da sein Inhalt stän­di­gen Ände­run­gen unter­liegt und der Begriff im jewei­li­gen Rechts­zu­sam­men­hang und indi­vi­du­el­lem Fall gebraucht wird. All­ge­mein aner­kannt ist jedoch, dass Krank­heit ein ano­ma­ler kör­per­li­cher, geis­ti­ger oder see­li­scher Zustand ist, der nach herr­schen­der Auf­fas­sung einer medi­zi­ni­schen Behand­lung bedarf2. Die­ser Krank­heits­be­griff gilt auch für Zwe­cke der Kfz-Steu­er. Der Begriff der Behin­de­rung (vgl. § 2 Abs. 1 SGB IX) ist nicht deckungs­gleich mit dem Begriff der Krank­heit.

Die Behand­lungs­be­dürf­tig­keit impli­ziert eine gewis­se Dring­lich­keit der Beför­de­rung, wie sie auch den übri­gen Merk­ma­len des § 3 Nr. 5 Satz 1 Kraft­StG (Feu­er­wehr­dienst, Kata­stro­phen­schutz, zivi­ler Luft­schutz, Unglücks­fäl­le, Ret­tungs­dienst) imma­nent ist. Die­se Aus­le­gung ent­spricht auch den Grund­sät­zen des Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 22.08.19893. Das Gesetz ver­langt kei­nen drin­gen­den Sofort­ein­satz. Viel­mehr müs­sen die beför­der­ten Per­so­nen behand­lungs­be­dürf­tig sein und die Beför­de­rung muss mit der Behand­lung im Zusam­men­hang ste­hen.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te das zuvor täti­ge Finanz­ge­richt Müns­ter4 nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs die­sen der Kran­ken­be­för­de­rung imma­nen­ten Krank­heits­be­griff ver­kannt. So wur­de das Fahr­zeug aus­schließ­lich zur Beför­de­rung von Per­so­nen ver­wen­det, die der­art geh­be­hin­dert waren, dass sie öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel oder pri­va­te Fahr­zeu­ge ohne frem­de Hil­fe nicht benut­zen konn­ten. Das Finanz­ge­richt hat damit feh­ler­haft ledig­lich auf die (Geh-)Behinderung der Per­so­nen abge­stellt, ohne fest­zu­stel­len, ob die mit dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug beför­der­ten Per­so­nen krank in oben genann­tem Sin­ne waren und die behand­lungs­be­dürf­ti­gen Per­so­nen zum Zweck der Behand­lung beför­dert wur­den. Das finanz­ge­richt­li­che Urteil konn­te daher kei­nen Bestand haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Sep­tem­ber 2018 – III R 10/​18

  1. vgl. Hes­si­sches FG, Urteil vom 26.10.1971 – V 31/​70, EFG 1972, 145 []
  2. BFH, Urtei­le vom 28.07.2005 – III R 30/​03, BFHE 210, 355, BSt­Bl II 2006, 495, Rz 25; vom 18.06.1997 – III R 84/​96, BFHE 183, 476, BSt­Bl II 1997, 805, Rz 9, jeweils zu § 33 EStG; vgl. auch BSG, Urteil vom 30.09.2015 – B 3 KR 14/​14 R, SozR 4 – 2500 § 33 Nr. 48, Rz 29, m.w.N. []
  3. BFH, Urteil vom 22.08.1989 – VII R 9/​87, BFHE 158, 132, BSt­Bl II 1989, 936, Rz 6 []
  4. FG Müns­ter, Urteil vom 25.01.2018 – 6 K 159/​17 Kfz []