Kfz-Steu­er für den Trak­tor

Ob ein Fahr­zeug für Zwe­cke der Kraft­fahr­zeug­steu­er als land- und forst­wirt­schaft­li­che Zug­ma­schi­ne ein­zu­ord­nen ist, ist anhand aller objek­ti­ven Merk­ma­le des Fahr­zeugs fest­zu­stel­len. Wesent­li­ches Merk­mal einer land- und forst­wirt­schaft­li­chen Zug­ma­schi­ne ist ‑neben ihrer Eig­nung und Bestim­mung zur Fort­be­we­gung von Las­ten durch Zie­hen von Anhän­gern- ihre Eig­nung und Bestim­mung zum Zie­hen, Schie­ben, Tra­gen und Antrieb von aus­wech­sel­ba­ren Gerä­ten für land- oder forst­wirt­schaft­li­che Arbei­ten.

Kfz-Steu­er für den Trak­tor

Allein die Eig­nung zum Trans­por­tie­ren von Las­ten und Per­so­nen (hier: bei einem DB Uni­mog) reicht nicht aus, um das Fahr­zeug nicht als Zug­ma­schi­ne ein­zu­ord­nen.

Gemäß § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a Kraft­StG ist u.a. das Hal­ten von Zug­ma­schi­nen von der Steu­er befreit, solan­ge die­se Fahr­zeu­ge aus­schließ­lich in land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben ver­wen­det wer­den.

Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH ist eine Zug­ma­schi­ne i.S. des § 3 Nr. 7 Kraft­StG ein Fahr­zeug, des­sen wirt­schaft­li­cher Wert im Wesent­li­chen in der Zug­leis­tung liegt und das nach sei­ner Bau­art und Aus­stat­tung aus­schließ­lich oder über­wie­gend zur Fort­be­we­gung von Las­ten durch Zie­hen von Anhän­gern zu die­nen geeig­net und bestimmt ist [1].

An die­ser Begriffs­be­stim­mung hält der Bun­des­fi­nanz­hof fest. Der Begriff muss jedoch für eine Zug­ma­schi­ne, die nach ihrer Funk­ti­on zum Ein­satz in einem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb geeig­net und bestimmt ist (sog. land- und forst­wirt­schaft­li­che Zug­ma­schi­ne), ange­passt wer­den. Wesent­li­ches Merk­mal einer land- und forst­wirt­schaft­li­chen Zug­ma­schi­ne ist ‑neben ihrer Eig­nung und Bestim­mung zur Fort­be­we­gung von Las­ten durch Zie­hen von Anhän­gern- ihre Eig­nung und Bestim­mung zum Zie­hen, Schie­ben, Tra­gen und Antrieb von aus­wech­sel­ba­ren Gerä­ten für land- oder forst­wirt­schaft­li­che Arbei­ten (vgl. § 2 Nr. 16 der Fahr­zeug-Zulas­sungs­ver­ord­nung vom 25.04.2006, BGBl I 2006, 988). Ist eine Zug­ma­schi­ne zusätz­lich für die­sen beson­de­ren Zweck geeig­net und bestimmt, erfüllt sie die Vor­aus­set­zun­gen einer Zug­ma­schi­ne i.S. von § 3 Nr. 7 Kraft­StG, auch wenn sie zum Trans­port von Las­ten im Zusam­men­hang mit land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Arbei­ten ein­ge­rich­tet oder mit Bei­fah­rer­sit­zen aus­ge­stat­tet ist. Der für land- und forst­wirt­schaft­li­che Zug­ma­schi­nen gel­ten­de Begriff ist auch für Ent­rich­tungs­zeit­räu­me maß­ge­bend, für die die Fest­stel­lun­gen der Zulas­sungs­be­hör­den hin­sicht­lich der Fahr­zeug­klas­sen noch nicht i.S. von § 2 Abs. 2 Nr. 2 Kraft­StG i.d.F. des Ver­kehr­steu­er­än­de­rungs­ge­set­zes vom 05.12 2012 [2] ver­bind­lich sind.

Ob ein Fahr­zeug danach für Zwe­cke der Kraft­fahr­zeug­steu­er als land- und forst­wirt­schaft­li­che Zug­ma­schi­ne ein­zu­ord­nen ist, ist anhand aller objek­ti­ven Merk­ma­le des Fahr­zeugs fest­zu­stel­len. Dabei ist zunächst fest­zu­stel­len, ob der wirt­schaft­li­che Wert des Fahr­zeugs im Wesent­li­chen in der Zug­leis­tung liegt und es nach sei­ner Bau­art und Aus­stat­tung aus­schließ­lich oder über­wie­gend zur Fort­be­we­gung von Las­ten durch Zie­hen von Anhän­gern zu die­nen geeig­net und bestimmt ist. Ist das Fahr­zeug neben der Eig­nung zum Zie­hen von Las­ten auch für die Per­so­nen­be­för­de­rung oder den Trans­port von Las­ten geeig­net und bestimmt, gilt es fest­zu­stel­len, ob des­sen Funk­ti­on beson­ders in dem Betrieb von aus­wech­sel­ba­ren land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Gerä­ten besteht.

Im Rah­men der dabei anzu­stel­len­den Gesamt­wür­di­gung aller Fahr­zeug­merk­ma­le ist neben dem Ver­hält­nis zwi­schen Eigen­ge­wicht, Zula­dung und zuläs­si­ger Anhän­ge-/Zug­last auch von Bedeu­tung, ob das Fahr­zeug über eine blo­ße Anhän­ge­vor­rich­tung hin­aus über wei­te­re, aus­schließ­lich dem Zie­hen von gro­ßen Las­ten oder zum Anschluss und Betrieb von land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Gerä­ten die­nen­de Vor­rich­tun­gen ver­fügt.

Im Streit­fall ist das Finanz­ge­richt ent­ge­gen der vor­ste­hen­den Grund­sät­ze davon aus­ge­gan­gen, dass allein die Eig­nung zum Trans­por­tie­ren von Las­ten aus­reicht, um das Fahr­zeug nicht als Zug­ma­schi­ne ein­zu­ord­nen. Dies führt zur Auf­he­bung der Vor­ent­schei­dung.

Die Sache ist nicht spruch­reif. Das Finanz­ge­richt hat kei­ne Fest­stel­lun­gen zu der zuläs­si­gen Zug­last und zu den wei­te­ren Zug­vor­rich­tun­gen getrof­fen. Die­se wird es in einer wei­te­ren Ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu bewer­ten haben. Nach den Anga­ben der Klä­ge­rin ver­fügt das Fahr­zeug über einen Zapf­wel­len­an­schluss sowie einen Heck­kraft­he­ber und erfüllt nach Anga­ben des Her­stel­lers bau­art­be­dingt alle tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen, die eine kraft­ver­kehrs­recht­li­che Ein­ord­nung als Zug­ma­schi­ne-Acker­schlep­per ermög­li­chen. Wenn­gleich die kraft­ver­kehrs­recht­li­che Ein­ord­nung ‑wie das Finanz­ge­richt zutref­fend aus­führt- im strei­ti­gen Ent­rich­tungs­zeit­raum für Zwe­cke der Kraft­fahr­zeug­steu­er noch nicht bin­dend war, sind jedoch die objek­ti­ven, tech­ni­schen Gege­ben­hei­ten, die zu einer sol­chen Ein­ord­nung füh­ren, im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung auch für Zwe­cke der Kraft­fahr­zeug­steu­er zu berück­sich­ti­gen.

Soll­te das Finanz­ge­richt im Rah­men einer erneu­ten Gesamt­wür­di­gung aller Merk­ma­le das Fahr­zeug als Zug­ma­schi­ne ein­ord­nen, ist in einem wei­te­ren Schritt fest­zu­stel­len, ob das Fahr­zeug auch aus­schließ­lich in einem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb ver­wen­det wird. Nach Anga­ben der Klä­ge­rin war dies bis­lang unstrei­tig. Fest­stel­lun­gen dazu hat das Finanz­ge­richt nicht getrof­fen, weil es dar­auf nach des­sen bis­he­ri­ger Rechts­an­sicht nicht ankam.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2014 – II R 38/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 03.04.2001 – VII R 7/​00, BFHE 194, 477, BStBl II 2001, 451; und vom 16.02.2011 – II R 1/​10, BFH/​NV 2011, 1021, jeweils m.w.N.[]
  2. BGBl I 2012, 2431[]