Kom­mu­na­le Steu­er­sat­zun­gen und die gesetz­li­chen Grund­la­gen

Die Gül­tig­keit einer unter­ge­setz­li­chen Norm kann, sofern sich aus dem Gesetz nicht aus­nahms­wei­se etwas ande­res ergibt, nicht aus Män­geln im Abwä­gungs­vor­gang her­ge­lei­tet wer­den; ent­schei­dend ist viel­mehr die inhalt­li­che Über­ein­stim­mung mit höher­ran­gi­gem Recht [1].

Kom­mu­na­le Steu­er­sat­zun­gen und die gesetz­li­chen Grund­la­gen

Die gericht­li­che Kon­trol­le sat­zungs­recht­li­cher Abga­ben­re­ge­lun­gen beschränkt sich mit Blick auf das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht (Art. 28 Abs. 2 GG) auf die Ver­ein­bar­keit der Fest­set­zun­gen mit höher­ran­gi­gem Recht, umfasst aber nicht die Über­prü­fung nach der Art von – ermes­sens­ge­lei­te­ten – Ver­wal­tungs­ak­ten mit der Fol­ge, dass die Ent­schei­dung des Sat­zungs­ge­bers dar­auf­hin zu über­prü­fen wäre, ob hin­rei­chen­de Tat­sa­chen­er­mitt­lun­gen ange­stellt wor­den sind, die die Ent­schei­dung tra­gen kön­nen [2]. Die Gül­tig­keit einer unter­ge­setz­li­chen Norm kann, sofern sich aus dem Gesetz nicht aus­nahms­wei­se etwas ande­res ergibt, nicht aus Män­geln im Abwä­gungs­vor­gang her­ge­lei­tet wer­den [3]. Es gibt kei­ne bun­des­recht­li­che Rege­lung, die vor­schreibt, dass vor Erlass einer Steu­er­sat­zung die Inter­es­sen der Gemein­de an der Steu­er­erhe­bung mit den Inter­es­sen der Steu­er­pflich­ti­gen auf der Grund­la­ge zu erhe­ben­der Tat­sa­chen abzu­wä­gen sind [4]. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die Steu­er­sat­zung nach ihrem Inhalt nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht ver­stößt [5].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 19. August 2013 – 9 BN 1.13

  1. im Anschluss an BVerwG, Beschluss vom 30.04.2003 – 6 C 6.02, BVerw­GE 118, 128, 150; Urteil vom 10.12.2009 – 9 C 12.08, BVerw­GE 135, 367 Rn. 40[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 10.12.2009 – 9 C 12.08, BVerw­GE 135, 367 Rn. 40; a.A. OVG Baut­zen, Beschluss vom 19.12.2006 – 5 BS 242/​06, NVwZ-RR 2007, 553; VG Köln, Urtei­le vom 05.03.2007 – 23 K 1704/​03; und vom 04.02.2009 – 23 K 2778/​08[]
  3. BVerwG, Beschlüs­se vom 03.05.1995 – 1 B 222.93, Buch­holz 451.45 § 113 HwO Nr. 2 S. 1 f.; und vom 30.04.2003 – 6 C 6.02, BVerw­GE 118, 128, 150[]
  4. BVerwG, Urteil vom 10.12.2009 a.a.O.; dem fol­gend OVG NRW, Urteil vom 23.06.2010 – 14 A 597/​09; Nds. OVG, Beschluss vom 08.11.2010 – 9 LA 199/​09, ZKF 2010, 287; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 11.07.2012 – 2 S 2995/​11, KStZ 2012, 216, 217; OVG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 23.08.2011 – 4 L 323/​09, KStZ 2012, 31, 32[]
  5. BVerwG, Urteil vom 17.04.2002 – 9 CN 1.01, BVerw­GE 116, 188, 193 f.[]