Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be – Bet­ten­steu­er in Trier in Bin­gen

Die von den Städ­ten Bin­gen und Trier erho­be­ne so genann­te Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be ist recht­mä­ßig, ent­schied jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz.

Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be – Bet­ten­steu­er in Trier in Bin­gen

Die Städ­te Bin­gen und Trier erhe­ben auf­grund gemeind­li­cher Sat­zun­gen seit 1. Janu­ar 2011 von Beher­ber­gungs­be­trie­ben eine „Kul­tur­för­der­ab­ga­be“ bzw. eine „Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be“ für ent­gelt­li­che Über­nach­tun­gen erwach­se­ner Gäs­te. In Bin­gen beträgt der Steu­er­satz pro Über­nach­tung und Gast je nach der Höhe des Über­nach­tungs­prei­ses zwi­schen einem und drei Euro, wobei aller­dings höchs­tens vier zusam­men­hän­gen­de Über­nach­tun­gen der Besteue­rung unter­fal­len. Der Steu­er­satz in Trier beträgt pro Über­nach­tung und Gast 1,00 €. Dort wer­den höchs­tens sie­ben zusam­men­hän­gen­de Über­nach­tun­gen besteu­ert. Die Antrag­stel­le­rin­nen, die jeweils ein Hotel in Bin­gen und Trier betrei­ben, haben gegen die Sat­zun­gen Nor­men­kon­troll­an­trä­ge gestellt, die das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt abge­lehnt hat.

Die Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be sei unab­hän­gig von ihrer Bezeich­nung als ört­li­che Auf­wand­steu­er zu qua­li­fi­zie­ren, zu deren Erhe­bung das rhein­land-pfäl­zi­sche Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz ermäch­ti­ge, urteil­te nun das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz. Sie wer­de nicht für eine kon­kre­te Gegen­leis­tung der bei­den Städ­te erho­ben und belas­te den finan­zi­el­len Auf­wand des Über­nach­tungs­gas­tes für Über­nach­tun­gen in Beher­ber­gungs­be­trie­ben. Damit knüp­fe sie an eine Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf an, der über den Grund­be­darf hin­aus­ge­he. Denn der Grund­be­darf nach Wohn­raum wer­de durch die Nut­zung eige­ner oder län­ger­fris­tig gemie­te­ter Woh­nun­gen gedeckt.

Über­nach­tun­gen in Beher­ber­gungs­be­trie­ben sei­en dage­gen regel­mä­ßig mit einem zusätz­li­chen finan­zi­el­len Auf­wand ver­bun­den, der besteu­ert wer­den dür­fe. Das gel­te nicht nur für Über­nach­tun­gen von Tou­ris­ten, son­dern auch für beruf­lich ver­an­lass­te Auf­ent­hal­te in einem Beher­ber­gungs­be­trieb. Die­se sei­en der per­sön­li­chen Lebens­ge­stal­tung zuzu­ord­nen, weil bei ihnen typi­scher­wei­se beruf­li­che Zwe­cke und pri­va­te Akti­vi­tä­ten mit­ein­an­der ver­knüpft wer­den könn­ten. Des Wei­te­ren unter­schei­de sich die Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be hin­sicht­lich des Steu­er­ge­gen­stan­des, des Steu­er­maß­sta­bes und der Erhe­bungs­tech­nik deut­lich von der bun­des­recht­lich gere­gel­ten Umsatz­steu­er und sei ihr des­halb nicht gleich­ar­tig. Im Übri­gen ver­sto­ße es nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz, dass die Abga­be nicht auch von ande­ren tou­ris­ti­schen Betrie­ben erho­ben wer­de. Der Sat­zungs­ge­ber habe näm­lich einen sehr wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, wel­che Steu­er­quel­le er aus­schöp­fe. Dabei habe er sich wegen des ver­gleichs­wei­se gerin­gen Ver­wal­tungs­auf­wands für die Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be ent­schei­den dür­fen. Außer­dem sei die Abga­be nicht als wider­sprüch­lich zu bean­stan­den, obwohl der Bun­des­ge­setz­ge­ber seit dem 1. Janu­ar 2010 den Mehr­wert­steu­er­satz für Über­nach­tun­gen in Beher­ber­gungs­be­trie­ben auf 7% ermä­ßigt habe. Die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ge­setz­ge­bers hin­de­re die Gemein­den nicht dar­an, im Rah­men ihrer Rege­lungs­kom­pe­tenz Steu­er­quel­len aus­zu­schöp­fen. Schließ­lich füh­re die Kul­tur- und Tou­ris­mus­för­der­ab­ga­be, wel­che auf die Über­nach­tungs­gäs­te abwälz­bar sei, ange­sichts ihrer Höhe nicht zu einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen Belas­tung der Betrei­ber von Beher­ber­gungs­be­trie­ben und ver­let­ze die­se des­halb nicht in ihrer Berufs­frei­heit.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urtei­le vom 17. Mai 2011 – 6 C 11337/​10.OVG und 6 C 11408./10.OVG