Lebens­part­ner­schaft in der Erb­schaft­steu­er

Die Part­ner einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft sind nach einem Urteil des Finanz­ge­richts Köln erb­schaft­steu­er­lich nicht Ehe­gat­ten gleich­zu­stel­len.

Lebens­part­ner­schaft in der Erb­schaft­steu­er

Nach § 15 Abs. 1 ErbStG gilt die Steu­er­klas­se I unter ande­rem für den Erwerb durch den Ehe­gat­ten. Gemäß § 16 ErbStG bleibt bei einer Erb­schaft der Erwerb des Ehe­gat­ten in Höhe von 307.000 ? steu­er­frei. Neben die­sem Frei­be­trag nach wird nach § 17 ErbStG dem über­le­ben­den Ehe­gat­ten noch ein wei­te­rer beson­de­rer Ver­sor­gungs­frei­be­trag von 256.000 ? gewährt. Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut die­ser Rege­lun­gen kom­me die­se erb­schaft­steu­er­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen nur Ehe­gat­ten, nicht aber Part­nern einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft nach dem Lebens­part­ner­schafts­ge­setz zugu­te. Die Bedeu­tung der Wor­te „Ehe“ bzw. „Ehe­gat­ten“ sei, so das Finanz­ge­richt Köln, ein­deu­tig und kei­ner Aus­le­gung zugäng­lich. Umgangs­sprach­li­ches und juris­ti­sches Wort­ver­ständ­nis stimm­ten dar­in über­ein, dass mit „Ehe­gat­ten“ nur die Part­ner einer Ehe im Sin­ne des bür­ger­li­chen Rechts gemeint sind.

Die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft i.S. des Lebens­part­ner­schafts­ge­set­zes sei kei­ne Ehe (vgl. BVerfG-Urteil vom 17. Juli 2002 1 BvF 1/​01, 1 BvF 2/​01, BVerfGE 105, 313, BGBl I 2002, 3197). Der Begriff „Ehe“ oder „Ehe­gat­ten“ wer­de vom Lebens­part­ner­schafts­ge­setz auch nicht ver­wen­det. Statt­des­sen wer­de vom „Lebens­part­ner“ oder „Lebens­part­ne­rin“ gespro­chen. Die Rege­lun­gen der §§ 15 Abs. 1, 16 Abs. 1 Nr. 1 und 17 Abs. 1 Satz 1 ErbStG kön­nen auch nicht im Wege einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung oder ana­lo­gen Anwen­dung auf die Part­ner einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft aus­ge­dehnt wer­den. Jede ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung oder ana­lo­ge Anwen­dung eines Geset­zes fin­de ihre Gren­ze dort, wo sie mit dem Wort­laut der Rege­lung und dem klar erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers in Wider­spruch tre­ten wür­de. Habe der Gesetz­ge­ber eine ein­deu­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen, dür­fe der Rich­ter die­se nicht auf­grund eige­ner rechts­po­li­ti­scher Vor­stel­lun­gen ver­än­dern und durch eine judi­ka­ti­ve Lösung erset­zen, die so im Par­la­ment nicht erreich­bar war (BVerfG-Beschluss vom 3. April 1990 1 BvR 1186/​89, BVerfGE 82, 6, Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift – NJW – 1990, 1593).

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 29.06.2005 – 09 K 1041/​03

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