LKW-Maut

Die Höhe der LKW-Maut muss erneut über­prüft wer­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat den Rechts­streit um die Recht­mä­ßig­keit der in der Zeit vom 1. Juli 2003 bis zum 31. August 2007 gel­ten­den Ver­ord­nung zur Fest­set­zung der Höhe der Auto­bahn­maut an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung zurück­ver­wie­sen.

LKW-Maut

Der Klä­ger in dem ers­ten der bei­den jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren 1 hat­te Erstat­tung des von ihm für eine Fahrt im August 2005 ent­rich­te­ten Maut­be­tra­ges von 22,43 € begehrt. Er sei nicht zur Zah­lung der Maut ver­pflich­tet gewe­sen, weil die Bun­des­re­gie­rung die Maut­sät­ze in der Maut­hö­he­ver­ord­nung nicht sach­ge­recht fest­ge­setzt habe und es somit an einer wirk­sa­men Rechts­grund­la­ge für die Maut­er­he­bung feh­le. Die Klä­ge­rin im zwei­ten ent­schie­de­nen Ver­fah­ren 2, eine in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ge Blu­men­groß­händ­le­rin, hat­te ihr Erstat­tungs­be­geh­ren auf die Annah­me gestützt, dass ihr LKW nicht maut­pflich­tig sei, weil er nicht nur dem Trans­port, son­dern auch Ver­kaufs­zwe­cken die­ne.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln wies bei­de Kla­gen ab 3. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat die beklag­te Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Rück­erstat­tung über­zahl­ter Maut­be­trä­ge von 0,02 € und 2,52 € ver­ur­teilt und die Beru­fun­gen der bei­den Klä­ger im Übri­gen zurück­ge­wie­sen 4. Die Klä­ge­rin im Ver­fah­ren BVerwG 9 C 7.09 hat hier­ge­gen kei­ne Revi­si­on ein­ge­legt.

Auf die Revi­si­on des Klä­gers im ers­ten Ver­fah­ren hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Sache zur erneu­ten Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Nach § 3 des Auto­bahn­maut­ge­set­zes sei die Höhe der Maut pro Kilo­me­ter unter ande­rem unter sach­ge­rech­ter Berück­sich­ti­gung der Anzahl der Ach­sen der maut­pflich­ti­gen LKW fest­zu­set­zen. Ob dies durch die Maut­hö­he­ver­ord­nung gesche­hen ist, las­se sich auf­grund der vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht abschlie­ßend beur­tei­len. Hin­sicht­lich der sog. kapa­zi­täts­ab­hän­gi­gen Kos­ten, die ca. 60% der vom maut­pflich­ti­gen Ver­kehr ver­ur­sach­ten Auto­bahn­kos­ten aus­ma­chen, hät­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt fest­stel­len müs­sen, ob und in wel­chem Umfang ein Zusam­men­hang mit der Anzahl der Ach­sen der maut­pflich­ti­gen LKW besteht.

Die in bei­den Ver­fah­ren ein­ge­leg­ten Revi­sio­nen der beklag­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen. Die Bun­des­re­pu­blik sei im Ergeb­nis zu Recht zur Erstat­tung in gerin­gem Umfang ver­ur­teilt wor­den, weil sie sich für die von ihr geüb­te Pra­xis der Auf- oder Abrun­dung der Län­ge der jeweils zurück­ge­leg­ten Stre­cken­ab­schnit­te auf vol­le 100 m und der Maut­be­trä­ge auf vol­le Cent nicht auf eine Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge beru­fen kön­ne. Ohne eine sol­che hät­te statt­des­sen jeweils zuguns­ten der Maut­schuld­ner abge­run­det wer­den müs­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 4. August 2010 – 9 C 6.09 und 9 C 7.09

  1. BVerwG 9 C 6.09[]
  2. BVerwG 9 C 7.09[]
  3. VG Köln – 25 K 6356/​05 und 4983/​06[]
  4. OVG NRW – 9 A 2054/​07 und 9 A 3082/​08[]