LKW-Maut

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat­te sich jetzt in zwei Ver­fah­ren mit der seit dem 1. Janu­ar 2005 gel­ten­de LKW-Maut zu befas­sen. Nach Auf­fas­sung des OVG ist die LKW-Maut grund­sätz­lich recht­lich nicht zu bean­stan­den ist. Das der­zei­ti­ge Maut­be­rech­nungs­sys­tem füh­re jedoch im Ein­zel­fall dazu, dass – wenn­gleich in gerin­gem Umfang – zu hohe Maut­be­trä­ge gezahlt wür­den.

LKW-Maut

Die bei­den Klä­ger hat­ten auf Erstat­tung der von ihnen ent­rich­te­ten Maut­be­trä­ge von 22,43 € für August 2005 bzw. 9.837,41 € für die Zeit von Janu­ar 2005 bis Mit­te März 2006 durch das Bun­des­amt für Güter­ver­kehr geklagt. Der eine Klä­ger, ein Fuhr­un­ter­neh­mer, ver­trat die Auf­fas­sung, nicht zur Zah­lung der Maut ver­pflich­tet gewe­sen zu sein, weil es an einer wirk­sa­men Rechts­grund­la­ge für die Maut­er­he­bung feh­le. Die Bun­des­re­gie­rung habe in der Maut­hö­hen­ver­ord­nung die Höhe der für jeden gefah­re­nen Kilo­me­ter zu zah­len­den Maut nicht sach­ge­recht gere­gelt. Der zwei­te Klä­ger, ein in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ger Blu­men­groß­händ­ler, mach­te gel­tend, sein Fahr­zeug sei nach dem Auto­bahn­maut­ge­setz nicht maut­pflich­tig, weil es sich um einen Ver­kaufs­wa­gen hand­le, der nicht aus­schließ­lich für den Güter­kraft­ver­kehr bestimmt sei.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln wies bei­de Kla­gen ab. Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung der Klä­ger hat­te nur in gerin­gem Umfang Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ver­ur­teil­te die beklag­te Bun­des­re­pu­blik zur Rück­erstat­tung über­zahl­ter Maut­be­trä­ge von 0,02 € und 2,52 €.

Zur Begrün­dung hat es aus­ge­führt: Die Klä­ger sei­en maut­pflich­tig gewe­sen. Das im Auto­bahn­maut­ge­setz vor­ge­se­he­ne Sys­tem der Maut­er­he­bung, nach dem die Toll Collect GmbH im Namen des zustän­di­gen Bun­des­amts für Güter­ver­kehr die Maut­be­trä­ge von den Auto­bahn­be­nut­zern ein­zie­he, unter­lie­ge kei­nen recht­li­chen Beden­ken. Glei­ches gel­te für die Fest­set­zung der Maut­sät­ze in der Maut­hö­hen­ver­ord­nung. Der Bun­des­re­gie­rung habe bei Erlass die­ser Ver­ord­nung unter Berück­sich­ti­gung der gesetz­li­chen und euro­päi­schen Vor­ga­ben ein wei­tes Gestal­tungs­er­mes­sen zuge­stan­den. Davon sei auch die Ent­schei­dung getra­gen, die Maut­sät­ze in Bezug auf die Achs­zahl der maut­pflich­ti­gen LKW ledig­lich in einem ver­gleichs­wei­se gerin­gen Maße zu dif­fe­ren­zie­ren. Auch das Fahr­zeug des nie­der­län­di­schen Blu­men­groß­händ­lers sei maut­pflich­tig. Es feh­le an objek­ti­ven Merk­ma­len, die dar­auf schlie­ßen lie­ßen, dass das Fahr­zeug nicht ledig­lich dem Trans­port von Blu­men und Pflan­zen zu den Kun­den die­ne, son­dern zugleich eine Ver­kaufs­stät­te sei.

Bean­stan­det hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt indes­sen in bei­den Ver­fah­ren die Berech­nung der Maut. Die Toll Collect GmbH berech­ne die Maut nicht durch Mul­ti­pli­ka­ti­on der gefah­re­nen Kilo­me­ter mit dem Maut­satz, son­dern bezo­gen auf bestimm­te Stre­cken­ab­schnit­te. Die so ermit­tel­ten Teil­be­trä­ge wür­den gerun­det und zu einem Gesamt­be­trag addiert. Die­se Berech­nungs­wei­se habe dazu geführt, dass den Klä­gern Maut­be­trä­ge abver­langt wor­den sei­en, die in ihrer Höhe nicht den gesetz­li­chen und ver­ord­nungs­recht­li­chen Vor­ga­ben ent­sprä­chen. Dass die Berech­nungs­wei­se im Ein­zel­fall auch die Zah­lung einer zu nied­ri­gen Maut zur Fol­ge haben kön­ne, sei für die hier strei­ti­gen Erstat­tungs­an­sprü­che ohne Bedeu­tung, weil sich eine „Gegen­rech­nung“ von Unter- und Über­zah­lun­gen ver­bie­te.

Die Urtei­le sind noch nicht rechts­kräf­tig, das OVG Müns­ter hat in bei­den Ver­fah­ren die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­sen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 23. Juni 2009 – 9 A 2054/​07 und 9 A 3082/​08