Nach­weis des nied­ri­ge­ren Grund­be­sitz­werts – und der zeit­nah erziel­te Kauf­preis

Weist der Steu­er­pflich­ti­ge nach, dass der gemei­ne Wert der wirt­schaft­li­chen Ein­heit im Besteue­rungs­zeit­punkt nied­ri­ger ist als der nach den §§ 145 bis 149 BewG ermit­tel­te Wert, ist der gemei­ne Wert als Grund­be­sitz­wert fest­zu­stel­len (§ 138 Abs. 4 BewG).

Nach­weis des nied­ri­ge­ren Grund­be­sitz­werts – und der zeit­nah erziel­te Kauf­preis

Ein nied­ri­ge­rer gemei­ner Wert kann auch durch einen im gewöhn­li­chen Geschäfts­ver­kehr zeit­nah zum maß­geb­li­chen Besteue­rungs­stich­tag erziel­ten Kauf­preis für das zu bewer­ten­de Grund­stück nach­ge­wie­sen wer­den 1.

Ein zeit­nah erziel­ter Kauf­preis ist regel­mä­ßig ein sol­cher, der inner­halb eines Jah­res vor oder nach dem Besteue­rungs­zeit­punkt zustan­de gekom­men ist. Grund­stücks­ver­käu­fe, die eine wesent­lich län­ge­re Zeit als ein Jahr ent­fernt lie­gen, bie­ten im All­ge­mei­nen kei­ne geeig­ne­te Grund­la­ge zur unmit­tel­ba­ren Ablei­tung des gemei­nen Werts 2.

Als gewöhn­li­cher Geschäfts­ver­kehr ist der Han­del nach den wirt­schaft­li­chen Grund­sät­zen von Ange­bot und Nach­fra­ge zu ver­ste­hen, bei dem die Ver­trags­part­ner ohne Zwang und nicht aus Not, son­dern in Wah­rung ihrer eige­nen Inter­es­sen han­deln 3.

Kauf­prei­se sind danach nicht zum Nach­weis eines nied­ri­ge­ren gemei­nen Werts geeig­net, wenn der Kauf­ver­trag nicht im gewöhn­li­chen Geschäfts­ver­kehr zustan­de gekom­men, wie etwa in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall, in dem sich die Grund­stücks­ver­käu­fe­rin in einer Not­la­ge befand, da ihr Betriebs­mo­dell zusam­men­ge­bro­chen war.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. März 2017 – II R 10/​15

  1. BFH, Urteil vom 08.10.2003 – II R 27/​02, BFHE 204, 306, BSt­Bl II 2004, 179[]
  2. BFH, Urteil vom 02.07.2004 – II R 55/​01, BFHE 205, 492, BSt­Bl II 2004, 703[]
  3. BFH, Urteil vom 26.04.2006 – II R 58/​04, BFHE 213, 207, BSt­Bl II 2006, 793, unter III. 1.a, m.w.N.[]