Nach­weis des nied­ri­ge­ren Grund­be­sitz­werts – durch Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Weist der Steu­er­pflich­ti­ge nach, dass der gemei­ne Wert der wirt­schaft­li­chen Ein­heit im Besteue­rungs­zeit­punkt nied­ri­ger ist als der nach den §§ 145 bis 149 BewG ermit­tel­te Wert, ist der gemei­ne Wert als Grund­be­sitz­wert fest­zu­stel­len (§ 138 Abs. 4 BewG).

Nach­weis des nied­ri­ge­ren Grund­be­sitz­werts – durch Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Der Steu­er­pflich­ti­ge trägt für den nied­ri­ge­ren gemei­nen Wert die Nach­weis­last und nicht nur eine Dar­le­gungs- und Fest­stel­lungs­last 1. Er kann einen Nach­weis durch Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten regel­mä­ßig nur durch ein Gut­ach­ten des ört­lich zustän­di­gen Gut­ach­ter­aus­schus­ses oder eines Sach­ver­stän­di­gen für die Bewer­tung von Grund­stü­cken füh­ren 2.

Ob das Gut­ach­ten den gefor­der­ten Nach­weis erbringt, unter­liegt der frei­en Beweis­wür­di­gung des Finanz­ge­richt. Der Nach­weis ist erbracht, wenn dem Gut­ach­ten ohne Ein­schal­tung bzw. Bestel­lung wei­te­rer Sach­ver­stän­di­ger gefolgt wer­den kann. Ent­spricht das Gut­ach­ten nicht in jeder Hin­sicht den zu stel­len­den Anfor­de­run­gen, berech­tigt dies nicht ohne wei­te­res dazu, das Gut­ach­ten ins­ge­samt unbe­rück­sich­tigt zu las­sen. Etwai­ge Lücken im Gut­ach­ten kön­nen vom Finanz­ge­richt selbst geschlos­sen wer­den, wenn und soweit dies ohne Sach­ver­stän­di­ge im übli­chen Rah­men einer Beweis­wür­di­gung mög­lich ist 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. März 2017 – II R 10/​15

  1. vgl. BFH, Urteil vom 11.09.2013 – II R 61/​11, BFHE 243, 376, BSt­Bl II 2014, 363[]
  2. zu § 146 Abs. 7 BewG a.F. BFH, Urteil vom 10.11.2004 – II R 69/​01, BFHE 207, 352, BSt­Bl II 2005, 259[]
  3. BFH, Urteil vom 05.05.2010 – II R 25/​09, BFHE 230, 72, BSt­Bl II 2011, 203, Rz 18[]