Neu­be­wer­tung der Grund­stü­cke oder Reform der Grund­steu­er?

Mit sei­nem Urteil vom 30. Juni 2010 hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof eine Neu­be­wer­tung der Grund­stü­cke für Zwe­cke der Grund­steu­er ange­mahnt und die der­zei­tig bestehen­den Bewer­tung auf den Stich­tag 1. Janu­ar 1964 (alte Bun­des­län­der) bzw. 1. Janu­ar 1935 (neue Bun­des­län­der) nur noch für Stich­ta­ge bis zum 1. Janu­ar 2007 gebil­ligt 1.

Neu­be­wer­tung der Grund­stü­cke oder Reform der Grund­steu­er?

Die ers­ten Bun­des­län­der reagie­ren nun auf die­ses Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs – und wol­len den Auf­wand einer Neu­be­wer­tung aller Grund­stü­cke auf einen aktu­el­len Bewer­tungs­stich­tag ver­mei­den.

Die Finanz­mi­nis­ter Baden-Würt­tem­bergs, Bay­erns und Hes­sens haben heu­te ein Eck­punk­te­pa­pier für eine "ver­ein­fach­te" Grund­steu­er vor­ge­legt. Nach den Vor­stel­lun­gen der drei Finanz­mi­nis­ter soll die Grund­steu­er künf­tig nur noch auf der Basis von Grund­stücks- und Gebäu­de­flä­chen erho­ben wer­den. Die­se kön­nen mit Hil­fe des bun­des­wei­ten „Amt­li­chen Lie­gen­schafts­ka­tas­ter­in­for­ma­ti­ons­sys­tems (ALKIS)" weit­ge­hend auto­ma­ti­ons­ge­stützt ermit­telt wer­den. Grund­idee des neu­en Sys­tems ist es, dass zwei Grund­stü­cke mit glei­cher Nut­zungs­art und iden­ti­schen Flä­chen­merk­ma­len inner­halb der Kom­mu­ne unab­hän­gig von ihrem Wert gleich hoch mit diver­sen Abga­ben belas­tet wer­den. Das neue Sys­tem ver­zich­tet auf die streit­an­fäl­li­ge Ermitt­lung von Grund­stücks­wer­ten; es ist in der Mas­se der Fäl­le aus­schließ­lich EDV-mäßig und damit ohne geson­der­te Mit­wir­kung der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer abwi­ckel­bar. Auto­ma­tisch erfasst wer­den ins­be­son­de­re die vie­len Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser, die knapp drei Vier­tel der Gesamt­zahl der Grund­stü­cke aus­ma­chen.

Ent­schei­dend für die Höhe der Grund­steu­er soll danach zukünf­tig ein­zig die Art und der Umfang der Nut­zung eines Grund­stücks sein. Die Bemes­sungs­grund­la­ge wird über die jewei­li­ge Wohn- oder Nutz­flä­che in Abhän­gig­keit von der jewei­li­gen Nut­zungs­art (bspw. Woh­nung oder Gewer­be) ermit­telt.

Das Modell hat einen ent­schei­den­den Vor­teil für die Städ­te und Gemein­den: Durch die Ver­knüp­fung der Grund­stücks- und Gebäu­de­flä­chen mit fes­ten Äqui­va­lenz­zah­len blei­ben die Grund­steu­er­ein­nah­men kon­stant. Preis­schwan­kun­gen bei Immo­bi­li­en haben in die­sem Modell kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Höhe der Grund­steu­er und gehen damit allein zulas­ten der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer.

Erhal­ten blei­ben soll das Recht der Gemein­den, mit­tels eines Hebe­sat­zes das Belas­tungs­ni­veau zu regu­lie­ren. Die Grund­steu­er­re­form soll ins­ge­samt auf­kom­mens­neu­tral sein und damit nicht zu flä­chen­de­cken­den Steu­er­erhö­hun­gen füh­ren, ver­si­chern die Minis­ter.

  1. Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30.06.2010 – II R 60/​08[]