Steck­zi­ga­ret­ten

Der Bun­des­fi­nanz­hof muss­te jetzt zur Tabak­steu­er auf Tabak­strän­ge, die vom Ver­brau­cher unter­teilt und in eine Ziga­ret­ten­pa­pier­hül­se gescho­ben wer­den (sog. Steck­zi­ga­ret­ten), Stel­lung neh­men und hat dabei ein Herz für Rau­cher bewie­sen, denn nach der Ent­schei­dung des BFH ist der Tabak­strang aus­schließ­lich nach sei­ner Län­ge zu besteu­ern und nicht danach, wie vie­le Hül­sen nach Emp­feh­lung des Her­stel­lers mit einem Strang gefüllt wer­den kön­nen.

Steck­zi­ga­ret­ten

Der Steu­er­ta­rif des Tabak­steu­er­ge­set­zes (TabStG) setzt sich für Ziga­ret­ten aus einem stück­be­zo­ge­nen und einem nach dem Klein­ver­kaufs­preis aus­ge­rich­te­ten wert­be­zo­ge­nen Anteil zusam­men. Der stück­be­zo­ge­ne Anteil (der­zeit 8,27 Cent je Stück) wird je begon­ne­ne 9 cm Län­ge des Tabak­strangs erho­ben. Unter den Begriff der Ziga­ret­te fal­len auch die seit Ende 1993 im Han­del ange­bo­te­nen über­lan­gen Tabak­strän­ge, die vom Ver­brau­cher in eine Ziga­ret­ten­pa­pier­hül­se gescho­ben wer­den.

Im Streit­fall stellt die Klä­ge­rin sol­che Tabak­strän­ge mit einer Län­ge von ca. 177 mm her und ver­treibt sie in Klein­ver­kaufs­pa­ckun­gen mit jeweils zehn Tabak­strän­gen. Auf der Innen­sei­te der Packun­gen weist sie durch sche­ma­ti­sche Dar­stel­lun­gen dar­auf hin, wie durch Zer­schnei­den eines Tabak­strangs in glei­che Tei­le drei rauch­fer­ti­ge Ziga­ret­ten, ins­ge­samt also 30 Ziga­ret­ten, her­ge­stellt wer­den kön­nen. Dies nahm das für die Zen­tra­le Steu­er­zei­chen­stel­le in Bün­de zustän­di­ge Haupt­zoll­amt (HZA) zum Anlass, die Aus­lie­fe­rung der von der Klä­ge­rin bestell­ten 200 Bogen Steu­er­zei­chen für 20 Ziga­ret­ten je Klein­ver­kaufs­pa­ckung zu ver­wei­gern. Die Klä­ge­rin habe auf der Innen­sei­te der Klein­ver­kaufs­pa­ckun­gen eine Men­gen­an­ga­be gemacht, die von den Anga­ben auf den bestell­ten Steu­er­zei­chen abwei­che.

In dem dar­aus ent­brann­ten Rechts­streit über die zutref­fen­de Steu­er­zei­chen­schuld ent­schied nun­mehr der BFH – wie schon die Vor­in­stanz – zuguns­ten der Klä­ge­rin. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des HZA lie­ge dem TabStG ein ein­heit­li­cher Ziga­ret­ten­be­griff zugrun­de. Sowohl bei den rauch­fer­tig ange­bo­te­nen als auch bei den Steck­zi­ga­ret­ten sei für die Besteue­rung des jewei­li­gen Tabak­strangs als eine Ziga­ret­te allein der objek­ti­ve Umstand maß­geb­lich, dass eine Län­ge von 9 cm (ohne Fil­ter und Mund­stück) nicht über­schrit­ten wer­de. Ein Tabak­strang wie im Streit­fall mit einer Län­ge von 177 mm sei also als zwei Ziga­ret­ten zu besteu­ern. Damit sei dem Sinn und Zweck der Rege­lung, Steu­er­um­ge­hun­gen durch Her­stel­lung über­lan­ger Tabak­strän­ge zu ver­hin­dern, Genü­ge getan. Die sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen, Emp­feh­lun­gen oder Anwei­sun­gen des Her­stel­lers, aus einem sol­chen Strang mehr als zwei Ziga­ret­ten zu gewin­nen, sei­en für die Besteue­rung unbe­acht­lich. Dies ent­spre­che auch den Vor­ga­ben des Gemein­schafts­rechts in der Richt­li­nie 95/​59/​EG, wes­halb es einer Anru­fung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten nicht bedür­fe.

Für die Bestim­mung des stück­be­zo­ge­nen Steu­er­an­teils einer über­lan­gen Ziga­ret­te gemäß § 4 Abs. 2 TabStG ist aus­schließ­lich die Län­ge des jewei­li­gen Tabak­strangs maß­ge­bend. Die Vor­stel­lun­gen oder Emp­feh­lun­gen des Her­stel­lers hin­sicht­lich der vom Ver­brau­cher vor­zu­neh­men­den Zer­tei­lung des Tabak­strangs in ein­zel­ne rauch­ba­re Abschnit­te sind unbe­acht­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. Juni 08 – VII B 251/​07