Steu­er­be­ra­ter – als Ver­tre­ter in Bei­trags­strei­tig­kei­ten

Steu­er­be­ra­ter dür­fen ihre Man­dan­ten auch in Strei­tig­kei­ten über Frem­den­ver­kehrs­bei­trä­ge ver­tre­ten.

Steu­er­be­ra­ter – als Ver­tre­ter in Bei­trags­strei­tig­kei­ten

Die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts liegt ein Rechts­streit zwi­schen der Stadt Rie­den­burg und meh­re­ren Steu­er­be­ra­tern zu Grun­de. Die Stadt Rie­den­burg ist ein Frem­den­ver­kehrs­ort im Alt­mühl­tal. Die kla­gen­den Steu­er­be­ra­ter betreu­en ver­schie­de­ne Frem­den­ver­kehrs­be­trie­be in Steu­er­sa­chen und machen zusätz­lich die erfor­der­li­chen Anga­ben zu den Frem­den­ver­kehrs­bei­trä­gen. Zwi­schen Stadt­ver­wal­tung und Steu­er­be­ra­tern ist umstrit­ten, ob die Steu­er­be­ra­ter auch berech­tigt sind, im Namen ihrer Man­dan­ten Wider­sprü­che gegen Bei­trags­be­schei­de zu erhe­ben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg1 und der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof2 haben eine ent­spre­chen­de Bevoll­mäch­ti­gung der Steu­er­be­ra­ter für unzu­läs­sig gehal­ten. Steu­er­be­ra­ter könn­ten, so der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, im Wider­spruchs­ver­fah­ren gegen Frem­den­ver­kehrs­bei­trä­ge als Bevoll­mäch­tig­te zurück­ge­wie­sen wer­den, weil sie weder nach dem Steu­er­be­ra­tungs­ge­setz (StBerG) noch nach dem Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz (RDG) auf dem Rechts­ge­biet des Frem­den­ver­kehrs­bei­trags tätig sein dürf­ten. Steu­er­be­ra­ter sei­en nach § 33 S. 1 StBerG grund­sätz­lich nur zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen befugt. Dazu zähl­ten zwar auch lan­des­recht­li­che Steu­ern. Der Frem­den­ver­kehrs­bei­trag sei jedoch kei­ne Steu­er, son­dern ein Bei­trag. Die Bera­tung in Bezug auf Frem­den­ver­kehrs­bei­trä­ge gehö­re auch nicht als Neben­leis­tung i.S.d. § 5 Abs. 1 S. 1 RDG zum Berufs- und Tätig­keits­bild eines Steu­er­be­ra­ters. Dabei sei im Sin­ne einer gene­ra­li­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se auf die all­ge­mei­nen Rechts­kennt­nis­se abzu­stel­len, die ein typi­scher Steu­er­be­ra­ter besit­ze.

Dem­ge­gen­über hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt der Revi­si­on der Steu­er­be­ra­ter statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass sie zur Ver­tre­tung von Man­dan­ten in Rechts­strei­tig­kei­ten über Frem­den­ver­kehrs­bei­trä­ge berech­tigt sind.

Die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts beruht im Wesent­li­chen auf § 67 VwGO, wonach Steu­er­be­ra­ter „in Abga­ben­an­ge­le­gen­hei­ten“ vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten und Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­ten als Bevoll­mäch­tig­te auf­tre­ten dür­fen. Unter den Begriff der Abga­ben­an­ge­le­gen­hei­ten fal­len nicht nur – wie von den Vor­in­stan­zen ange­nom­men – Strei­tig­kei­ten über die von den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten zu ent­schei­den­den lan­des­recht­li­chen Steu­ern, son­dern auch Rechts­strei­tig­kei­ten über kom­mu­na­le Gebüh­ren und Bei­trä­ge. Es trifft zwar zu, dass das Berufs­bild des Steu­er­be­ra­ters von der geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen geprägt ist. Das Steu­er­be­ra­ter­ge­setz lässt jedoch die nach ande­ren Vor­schrif­ten bestehen­den Ver­tre­tungs­be­fug­nis­se der Steu­er­be­ra­ter im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, in Las­ten­aus­gleichs­sa­chen und im Ver­wal­tungs­pro­zess aus­drück­lich unbe­rührt. Das Berufs­bild der Steu­er­be­ra­ter kann daher nicht als Argu­ment für eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des § 67 VwGO die­nen.

Zwar gestat­tet § 67 VwGO nur die Ver­tre­tung im gericht­li­chen Ver­fah­ren und nicht im vor­ge­schal­te­ten Wider­spruchs­ver­fah­ren. Für die außer­ge­richt­li­che Ver­tre­tung gilt das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz (RDG), das dafür grund­sätz­lich eine eige­ne Erlaub­nis vor­aus­setzt. Die den Steu­er­be­ra­tern ein­ge­räum­te Erlaub­nis zur Pro­zess­füh­rung erfasst jedoch nach § 5 Abs. 1 RDG auch Neben­leis­tun­gen, die damit in einem aus­rei­chen­den sach­li­chen Zusam­men­hang ste­hen. Der erfor­der­li­che Zusam­men­hang ist bei der Ver­tre­tung im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Vor­ver­fah­ren gege­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 20. Janu­ar 2016 – 10 C 17.2014 -

  1. VG Regens­burg, Urteil vom 15.05.2012 – RN 4 K 11.1915
  2. BayVGH, Urteil vom 16.05.2014 – 4 B 13.1161