Tabak­steu­er für unbe­kann­ten LKW-Inhalt

Nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs schul­det der Fah­rer eines LKW, in dem Ziga­ret­ten ver­steckt sind, auch dann die Tabak­steu­er, wenn er die Ziga­ret­ten, ohne von die­sen zu wis­sen, aus einem Mit­glieds­staat der Euro­päi­schen Gemein­schaft nach Deutsch­land ver­bringt.

Tabak­steu­er für unbe­kann­ten LKW-Inhalt

Der Fah­rer eines LKW kann nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs zur Ent­rich­tung des Zolls und ande­rer Ein­fuhr­ab­ga­ben für Waren, die er mit sei­nem LKW in die Gemein­schaft ver­bringt, ohne sie bei der Zoll­be­hör­de anzu­mel­den, auch dann her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn er nicht wuss­te, dass sie sich unter der Ladung befin­den. Zoll­schuld­ner wird also auch der­je­ni­ge, der von dem Orga­ni­sa­tor eines Ein­fuhr­schmug­gels nicht ein­ge­weiht, son­dern als gut­gläu­bi­ges Werk­zeug benutzt wor­den ist, um Waren ohne Ent­rich­tung der Ein­fuhr­ab­ga­ben in die Gemein­schaft zu brin­gen.

Der BFH hat­te jetzt die Fra­ge zu ent­schei­den, ob Ent­spre­chen­des auch gilt, wenn ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ge Waren aus einem ande­ren Mit­glied­staat der EG nach Deutsch­land gelan­gen. In die­sem Fall ist näm­lich die deut­sche Ver­brauch­steu­er unge­ach­tet einer ent­spre­chen­den Ver­steue­rung der Ware in dem betref­fen­den Her­kunfts­land zu ent­rich­ten (es sei denn, es han­delt sich um Ware, die ledig­lich zum pri­va­ten Gebrauch des­je­ni­gen bestimmt ist, der sie nach Deutsch­land bringt). Nicht geklärt war aber bis­her, ob – wie bei der Ein­fuhr aus einem nicht zur EG gehö­ren­den Land – der LKW-Fah­rer die deut­sche Ver­brauch­steu­er schul­det, wenn er sich gar nicht bewusst war, ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ge Ware nach Deutsch­land zu brin­gen, weil die­se ohne sein Wis­sen im Fahr­zeug ver­steckt war.

Der BFH hat die­se Fra­ge nun bejaht. Den ein­schlä­gi­gen Rechts­vor­schrif­ten gehe es dar­um, dass die Behör­den den­je­ni­gen ver­brauch­steu­er­recht­lich ver­ant­wort­lich machen kön­nen, in des­sen Besitz Ware ange­trof­fen wird, der also anhand objek­ti­ver Umstän­de rela­tiv leicht aus­ge­macht und zur Steu­er her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Weder das deut­sche Tabak­steu­er­ge­setz noch die Richt­li­nie der EG über das all­ge­mei­ne Sys­tem, den Besitz, die Beför­de­rung und die Kon­trol­le ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ger Waren (sog. Sys­tem-Richt­li­nie) set­ze vor­aus, dass der Betref­fen­de weiß, dass sich die steu­er­ba­ren Waren in sei­nem Besitz befin­den. Der BFH hat des­halb im Ergeb­nis die Kla­ge eines nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts gut­gläu­bi­gen LKW-Fah­rers gegen einen Tabak­steu­er­be­scheid abge­wie­sen.

Nicht zu ent­schei­den war im Streit­fall die Fra­ge, ob die­se Steu­er­schuld im Wege der Bil­lig­keit erlas­sen wer­den kann.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 07 – VII R 49/​06