Tan­tra-Ganz­kör­per­mas­sa­ge – und die Ver­gnü­gungs­steu­er

Die Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart ist nicht auf Ein­rich­tun­gen mit Bezug zum Rot­licht­mi­lieu beschränkt. Das Ange­bot von Tan­tra-Mas­sa­gen als Ganz­kör­per­mas­sa­gen unter Ein­be­zie­hung des Intim­be­reichs in einem Mas­sa­ge-Stu­dio ist eben­falls von der Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung umfasst.

Tan­tra-Ganz­kör­per­mas­sa­ge – und die Ver­gnü­gungs­steu­er

Mit die­ser Begrün­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ver­an­la­gung eines Mas­sa­ge-Stu­di­os zur Ver­gnü­gungs­steu­er als recht­mä­ßig ange­se­hen und damit der Beru­fung der Inha­be­rin des Stutt­gar­ter Mas­sa­ge-Stu­di­os gegen ein ent­spre­chen­des Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart kei­nen Erfolg beschie­den. Nach § 1 Absatz 2 Nr. 10 der am 1. Janu­ar 2012 in Kraft getre­te­nen Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der Beklag­ten unter­liegt "das geziel­te Ein­räu­men der Gele­gen­heit zu sexu­el­len Ver­gnü­gun­gen in Bor­del­len, Lauf­häu­sern, Bars, Sau­na-, FKK- und Swin­ger­clubs und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen" der Ver­gnü­gungs­steu­er. Die Klä­ge­rin betreibt in Stutt­gart ein Mas­sa­ge-Stu­dio und bie­tet dort u.a. so genann­te Tan­tra-Ganz­kör­per­mas­sa­gen unter Ein­be­zie­hung des Intim­be­reichs an. Die Beklag­te ver­an­lag­te die Klä­ge­rin zur Ver­gnü­gungs­steu­er, weil sie mit ihrem Ange­bot im Sin­ne der Sat­zungs­re­ge­lung "in einer ähn­li­chen Ein­rich­tung gezielt Gele­gen­heit zu sexu­el­len Ver­gnü­gun­gen" ein­räu­me. Die Klä­ge­rin erhob erfolg­los Wider­spruch und anschlie­ßend Kla­ge. Sie mach­te gel­tend, Haupt­zweck der Mas­sa­ge sei nicht das sexu­el­le Ver­gnü­gen, son­dern das ganz­heit­li­che Wohl­be­fin­den und eine ganz­heit­li­che Selbst­er­fah­rung im Sin­ne der tan­tri­schen Erkennt­nis­leh­re. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt ihre Kla­ge abge­wie­sen hat, ver­folgt die Klä­ge­rin ihr Ziel wei­ter mit der Beru­fung.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richt­hof Baden-Würt­tem­berg aus­ge­führt, die Ver­gnü­gungs­steu­er sei als eine typi­sche ört­li­che Auf­wand­steu­er recht­lich zuläs­sig. Besteu­ert wer­de die erhöh­te wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit eines sich Ver­gnü­gen­den, wie sie sich in der Ver­wen­dung sei­nes Ein­kom­mens für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf im ört­li­chen Bereich der Beklag­ten aus­drü­cke. Die Ver­gnü­gungs­steu­er beru­he auf dem all­ge­mei­nen Gedan­ken, dass dem­je­ni­gen, der sich ein – ent­gelt­li­ches – Ver­gnü­gen leis­te, eine zusätz­li­che Abga­be für die All­ge­mein­heit zumut­bar sei. Zum her­kömm­li­chen Bild der Ver­gnü­gungs­steu­er gehö­re, dass sie, wie auch hier, zur Ver­ein­fa­chung der Abwick­lung beim Ver­an­stal­ter des Ver­gnü­gens erho­ben wer­de und nicht unmit­tel­bar bei dem sich Ver­gnü­gen­den, den sie im Grun­de tref­fen sol­le.

Die strei­ti­ge Sat­zungs­re­ge­lung sei hin­rei­chend bestimmt, ins­be­son­de­re was den Begriff "ähn­li­che Ein­rich­tun­gen" ange­he. Sie sei ent­ge­gen der Ansicht der Klä­ge­rin nicht auf Ein­rich­tun­gen mit Bezug zum Rot­licht­mi­lieu beschränkt. Das Ange­bot von Tan­tra-Mas­sa­gen als Ganz­kör­per­mas­sa­gen unter Ein­be­zie­hung des Intim­be­reichs in einem Mas­sa­ge-Stu­dio sei auch eine "geziel­te Ein­räu­mung der Gele­gen­heit zu sexu­el­len Ver­gnü­gun­gen" im Sin­ne die­ser Sat­zungs­re­ge­lung. Eine sol­che Mas­sa­ge bie­te bei objek­ti­ver Betrach­tungs­wei­se eine Zer­streu­ung und Ent­span­nung mit ero­ti­schem Bezug. Hier­an kön­ne in Anse­hung der Wer­bung der Klä­ge­rin, aber auch der Grund­sät­ze des Tan­tra­mas­sa­gen-Ver­ban­des nicht ernst­lich gezwei­felt wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 3. Juli 2014 – 2 S 3/​14