Umstruk­tu­rie­run­gen im Kon­zern – und die Grund­er­werb­steu­er­ver­güns­ti­gung

Die Grund­er­werb­steu­er­ver­güns­ti­gung darf nicht ledig­lich des­halb ver­sagt wer­den, weil das herr­schen­de Unter­neh­men sei­ne Betei­li­gung an dem beherrsch­ten Unter­neh­men noch kei­ne fünf Jah­re gehal­ten habe, wenn das beherrsch­te Unter­neh­men neu gegrün­det wor­den ist.

Umstruk­tu­rie­run­gen im Kon­zern – und die Grund­er­werb­steu­er­ver­güns­ti­gung

In dem hier vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall war die A AG seit mehr als fünf Jah­ren unun­ter­bro­chen Allein­ge­sell­schaf­te­rin der A GmbH, die 100% der Antei­le an der B GmbH hielt. Letz­te­re hielt wie­der­um 100% der Antei­le an der C GmbH. Sowohl die B GmbH als auch die C GmbH ver­füg­ten über Grund­stü­cke und grund­stücks­glei­che Rech­te in ver­schie­de­nen Gemeinden.2014 wur­de die Abspal­tung des gesam­ten Geschäfts­an­teils der A GmbH an der B GmbH auf die hier­bei neu gegrün­de­te Klä­ge­rin beschlos­sen, und zwar gegen Gewäh­rung von Antei­len an der Klä­ge­rin an die A AG. Die Abspal­tung war steu­er­bar nach dem Grund­er­werb­steu­er­ge­setz.

Das Finanz­amt ver­sag­te die von der Klä­ge­rin bean­trag­te Ver­güns­ti­gung bei Umstruk­tu­rie­run­gen im Kon­zern, weil die Klä­ge­rin die fünf­jäh­ri­ge Vor­be­hal­tens­frist nicht erfül­le. Zwar erge­be sich aus dem Zweck des Geset­zes, dass bei einer Umwand­lung durch Neu­grün­dung die Vor­schrift ein­schrän­kend aus­ge­legt wer­den müs­se. Das gel­te jedoch nicht für den vor­lie­gen­den Fall. Denn die not­wen­di­ge Vor­be­sitz­zeit kön­ne nicht von der A GmbH abge­lei­tet wer­den, weil die bei der Abspal­tung ent­stan­de­nen Antei­le an der Klä­ge­rin nicht an die­se, son­dern an die A AG aus­ge­ge­ben wor­den sei­en; an der A GmbH sei die Klä­ge­rin nicht mehr betei­ligt.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat auch der hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­ge statt­ge­ge­ben. Dem Finanz­amt sei zwar dar­in zuzu­stim­men, dass die Klä­ge­rin die Vor­be­hal­tens­frist von fünf Jah­ren nicht erfüllt habe. Nach dem Zweck des Geset­zes dür­fe die Steu­er­ver­güns­ti­gung jedoch nicht ledig­lich des­halb ver­sagt wer­den, weil das herr­schen­de Unter­neh­men sei­ne Betei­li­gung an dem beherrsch­ten Unter­neh­men noch kei­ne fünf Jah­re gehal­ten habe, da das beherrsch­te Unter­neh­men neu gegrün­det wor­den sei. Die Frist die­ne der Ver­hin­de­rung von Steu­er­um­ge­hun­gen durch miss­bräuch­li­che Gestal­tun­gen. Bei einem – wie hier – aus­schließ­lich kon­zern­in­ter­nen Vor­gang sei ein sol­cher Miss­brauch objek­tiv aus­ge­schlos­sen. Denn durch den Umwand­lungs­vor­gang sei­en kei­ne Grund­stü­cke aus dem Kon­zern­ver­bund gelöst wor­den.

Zwar ist die Über­tra­gung des Grund­be­sit­zes nach § 1 Abs.3 GrEStG steu­er­bar. Die Steu­er wird jedoch nach § 6a GrEStG nicht erho­ben, wenn an einem – wie hier – steu­er­ba­ren Umwand­lungs­vor­gang i.S.d. § 1 Abs. 1 Nr. 2 UmwG aus­schließ­lich ein herr­schen­des Unter­neh­men und ein oder meh­re­re von die­sem herr­schen­den Unter­neh­men abhän­gi­ge Gesell­schaf­ten oder meh­re­re von einem herr­schen­den Unter­neh­men abhän­gi­ge Gesell­schaf­ten betei­ligt sind (§ 6a Satz 3 GrEStG). Erfor­der­lich ist das Vor­han­den­sein eines herr­schen­den Unter­neh­mens; die­ses muss aber nicht zwin­gend an dem Umwand­lungs­vor­gang betei­ligt sein 1. Die A AG als herr­schen­des Unter­neh­men war vor­lie­gend an der Abspal­tung nicht betei­ligt; betei­ligt waren viel­mehr – was für § 6a GrEStG aus­reicht – aus­schließ­lich von der A AG abhän­gi­ge Gesell­schaf­ten. Abhän­gig ist eine Gesell­schaft gemäß § 6a Satz 4 GrEStG, an deren Kapi­tal das herr­schen­de Unter­neh­men inner­halb von fünf Jah­ren vor dem Rechts­vor­gang und fünf Jah­re nach dem Rechts­vor­gang unmit­tel­bar oder mit­tel­bar oder teils unmit­tel­bar, teils mit­tel­bar zu min­des­tens 95 v.H. unun­ter­bro­chen betei­ligt ist. Die­se Vor­be­hal­tens­frist von fünf Jah­ren ist für die erst mit Ver­trag vom 27.06.2014 gegrün­de­te Klä­ge­rin nicht erfüllt. Aller­dings ergibt sich aus dem Zweck des Geset­zes, dass bei einer Umwand­lung durch Neu­grün­dung einer Gesell­schaft die Vor­schrift ein­schrän­kend aus­ge­legt wer­den muss. Die in § 6a Satz 4 GrEStG nor­mier­te Frist dient, wie die Frist in § 6 Abs.4 Satz 1 GrEStG, der Ver­hin­de­rung von Steu­er­um­ge­hun­gen durch miss­bräuch­li­che Gestal­tun­gen. Bei einem – wie hier – aus­schließ­lich kon­zern­in­ter­nen Vor­gang ist ein sol­cher Miss­brauch objek­tiv aus­ge­schlos­sen. Durch den Umwand­lungs­vor­gang wer­den kei­ne Grund­stü­cke aus dem Kon­zern­ver­bund gelöst. Eben­so, wie die Ein­hal­tung der Vor­be­hal­tens­frist nach § 6 Abs.4 Satz 1 GrEStG zu sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis­sen füh­ren kann, wenn die Gesamt­hand noch kei­ne fünf Jah­re bestan­den hat 2, ist die Steu­er­ver­güns­ti­gung des § 6a GrEStG nicht bereits des­halb zu ver­sa­gen, wenn das herr­schen­de Unter­neh­men sei­ne Betei­li­gung an dem beherrsch­ten Unter­neh­men noch kei­ne fünf Jah­re gehal­ten hat, weil das beherrsch­te Unter­neh­men neu­ge­grün­det wur­de 3. Im Übri­gen trägt die Nach­be­hal­tens­frist des § 6a GrEStG einem even­tu­el­len Miss­brauch hin­rei­chend Rech­nung. Die Zeit der Ver­mö­gens­zu­ge­hö­rig­keit beim über­tra­gen­den Rechts­trä­ger ist inso­fern dem neu­ge­grün­de­ten Rechts­trä­ger zuzu­rech­nen 4.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 4. Novem­ber 2015 – 7 K 1553/​15 GE

  1. Boruttau/​Viskorf § 6a GrEStG Rz. 43[]
  2. vgl. BFH Urteil vom 25.02.1969 – II 142/​63, BFHE 95, 292, BSt­Bl II 1969, 400[]
  3. vgl. auch Rödder/​Schöndorf in DStR 2010, 415ff; Hof­mann, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, 10.Aufl.2014 § 6a Rdz.16 m.w.N.[]
  4. Boruttau/​Viskorf § 6a GrEStG Rz. 79[]