Ver­si­che­rungsteu­er­pflicht eines kom­mu­na­len Scha­dens­aus­gleichs

Scha­dens­auf­wen­dun­gen, die von Mit­glie­dern eines kom­mu­na­len Scha­dens­aus­gleichs in Höhe eines (varia­blen) Selbst­be­halts selbst getra­gen wer­den, erfül­len nicht die Merk­ma­le eines Ver­si­che­rungs­ent­gelts. Dies gilt auch dann, wenn die kon­kre­te Höhe des Selbst­be­halts erst nach Ablauf des jewei­li­gen Ver­si­che­rungs­zeit­raums errech­net wer­den kann.

Ver­si­che­rungsteu­er­pflicht eines kom­mu­na­len Scha­dens­aus­gleichs

Der Ver­si­che­rungsteu­er unter­liegt nach nähe­rer Maß­ga­be des § 1 Vers­StG die Zah­lung des Ver­si­che­rungs­ent­gelts auf­grund eines durch Ver­trag oder auf sons­ti­ge Wei­se ent­stan­de­nen Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses.

Unter dem Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis ist das durch Ver­trag oder auf sons­ti­ge Wei­se ent­stan­de­ne Rechts­ver­hält­nis des ein­zel­nen Ver­si­che­rungs­neh­mers zum Ver­si­che­rer und sei­ne Wir­kun­gen zu ver­ste­hen 1. Wesent­li­ches Merk­mal für ein "Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis" i.S. des § 1 Abs. 1 Vers­StG ist das Vor­han­den­sein eines vom Ver­si­che­rer gegen Ent­gelt über­nom­me­nen Wag­nis­ses 2.

Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 Vers­StG ist Ver­si­che­rungs­ent­gelt jede Leis­tung, die für die Begrün­dung und zur Durch­füh­rung des Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses an den Ver­si­che­rer zu bewir­ken ist. Zah­lung des Ver­si­che­rungs­ent­gelts ist jede Leis­tung, die die Schuld des Ver­si­che­rungs­neh­mers gegen­über dem Ver­si­che­rer erlö­schen lässt 3.

Gegen­stand der Besteue­rung ist nicht das Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis als sol­ches 4, son­dern viel­mehr die Zah­lung des Ver­si­che­rungs­ent­gelts durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer, d.h. durch den zur Zah­lung Ver­pflich­te­ten. Die Ver­si­che­rungsteu­er ist eine Ver­kehr­steu­er auf den recht­lich erheb­li­chen Vor­gang des Geld­um­sat­zes. Ent­schei­dend ist, dass eine geschul­de­te Leis­tung an den Gläu­bi­ger so bewirkt wird, dass die Schuld durch Zah­lung des Ver­si­che­rungs­ent­gelts erlischt 5.

Soweit der Scha­dens­aus­gleich ohne Zwi­schen­schal­tung einer Ver­si­che­rung und damit ohne gemein­sa­me Risi­ko­tra­gung allein durch den Schä­di­ger aus eige­nem Ver­mö­gen im Wege einer "Eigen­de­ckung" bewirkt wird, fehlt es an einem Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis und damit an einem Ver­si­che­rungs­ent­gelt 6. Ein sol­cher Scha­dens­aus­gleich löst daher kei­ne Ver­si­che­rungsteu­er­pflicht aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Dezem­ber .2010 – II R 12/​08

  1. BFH, Urtei­le vom 30.08.1961 – II 234/​58 U, BFHE 73, 628, BSt­Bl III 1961, 494; vom 16.12.2009 – II R 44/​07, BFH/​NV 2010, 784, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 784, m.w.N.[]
  3. BFH, Urtei­le vom 20.04.1977 II R 47/​76, BFHE 122, 559, BSt­Bl II 1977, 748, und in BFH/​NV 2010, 784[]
  4. Begrün­dung zum Vers­StG 1937, RSt­Bl 1937, 839[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 73, 628, BSt­Bl III 1961, 494; vom 05.02.1992 – II R 93/​88, BFH/​NV 1993, 68; und in BFH/​NV 2010, 784[]
  6. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 784[]