Was ist Bier?

Was ist Bier?

Was ist Bier?

Mit die­ser Fra­ge hat­te sich der Bun­des­fi­nanz­hof in einem Fall zu befas­sen, in dem es um die Besteue­rung eines aus den Nie­der­lan­den unter der Bezeich­nung "malt beer base" bezo­ge­nen Pro­duk­tes ging. Unter Zusatz von Limo­na­de wur­de das Pro­dukt in Deutsch­land zur Her­stel­lung eines alko­hol­hal­ti­gen Misch­ge­trän­kes ver­wen­det. Zur Her­stel­lung der "malt beer base" war in den Nie­der­lan­den stark ein­ge­brau­tes Bier einem beson­de­ren Ver­fah­ren unter­zo­gen wor­den. Nach der sog. Ultra­fil­tra­ti­on war aus dem Bier eine farb­lo­se, kla­re, nach Alko­hol rie­chen­de, schwach bit­ter schme­cken­de Flüs­sig­keit gewor­den.

Wäh­rend das erst­in­stanz­li­che Gericht das Erzeug­nis auf­grund des im Brau­ver­fah­ren her­ge­stell­ten Aus­gangs­pro­dukts als Bier ein­stuf­te, bestä­tig­te der BFH die Auf­fas­sung der Zoll­ver­wal­tung, dass es sich nicht mehr um Bier, son­dern um eine Alkohol/​Was­ser-Mischung hand­le, die nicht der Bier­steu­er, son­dern der Brannt­wein­steu­er zu unter­wer­fen sei (Urteil vom 28. März 2006 VII R 50/​04). Für die steu­er­li­che Qua­li­fi­zie­rung als Bier kom­me es näm­lich ent­schei­dend dar­auf an, wie das Erzeug­nis schme­cke und wie es aus­se­he. Bei die­ser Betrach­tung sei uner­heb­lich, dass es sich bei dem Aus­gangs­pro­dukt um Bier gehan­delt habe. Jeden­falls kön­ne ein dem Ver­brau­cher nicht unmit­tel­bar als fer­ti­ges Getränk ange­bo­te­nes Erzeug­nis, dem in erheb­li­cher Men­ge die für Bier typi­schen Bit­ter­stof­fe ent­zo­gen wor­den sei­en, und das kei­ne bier­ty­pi­sche Fär­bung auf­wei­se, nicht mehr als Bier ange­se­hen wer­den. Viel­mehr hand­le es sich um ein der Brannt­wein­steu­er unter­lie­gen­des Zwi­schen­pro­dukt.

Die vom BFH getrof­fe­ne Ent­schei­dung ist für Geträn­ke­her­stel­ler des­halb von nicht uner­heb­li­cher Bedeu­tung, weil der Unter­schied in der steu­er­li­chen Belas­tung von Bier und Brannt­wein beson­ders hoch ist. Für einen Liter Bier sind ca. 10 Cent zu ent­rich­ten. Dage­gen beträgt die Steu­er für einen Liter rei­nen Alko­hols 13 Euro. Bei die­ser Dis­kre­panz ist es leicht nach­voll­zieh­bar, dass Her­stel­ler von alko­hol­hal­ti­gen Misch­ge­trän­ken nach Wegen suchen, die Besteue­rung des ein­ge­setz­ten Alko­hols als Brannt­wein zu ver­mei­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. März 2006 – VII R 50/​04