Was­ser­pfei­fen­ta­bak – und die Tabak­steu­er­pflicht

Was­ser­pfei­fen­ta­bak unter­fällt der Tabak­steu­er­pflicht.

Was­ser­pfei­fen­ta­bak – und die Tabak­steu­er­pflicht

Es han­delt sich bei die­sem Tabak um eine Tabak­wa­re im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Satz 1 TabStG, die der Tabak­steu­er unter­liegt. Zu den Tabak­wa­ren gehört nach § 1 Abs. 2 Nr. 3 TabStG auch Rauch­ta­bak als Fein­schnitt und Pfei­fen­ta­bak, defi­niert als geschnit­te­ner oder anders zer­klei­ner­ter oder gespon­ne­ner oder in Plat­ten gepress­ter Tabak, der sich ohne wei­te­re indus­tri­el­le Bear­bei­tung zum Rau­chen eig­net.

Für die Fra­ge der Steu­er­bar­keit kommt es nicht dar­auf an, ob die­ser Tabak in der Was­ser­pfei­fe ver­brennt oder sich die nach Hit­ze­ein­wir­kung aus­tre­ten­den Dämp­fe durch eine ande­re Form der Stoff­um­wand­lung erge­ben. Ent­schei­dend ist ledig­lich, ob der nach Hit­ze­ein­wir­kung ent­ste­hen­de Rauch durch Ein­zie­hen in den Mund­raum bzw. Inha­la­ti­on genos­sen, also "geraucht" wird 1. Was­ser­pfei­fen­ta­bak ist des­halb grund­sätz­lich steu­er­bar 2.

Was­ser­pfei­fen­ta­bak ver­liert auch durch Bei­mi­schung ande­rer Stof­fe nicht sei­ne Eigen­schaft als Tabak­wa­re, wenn er sich wei­ter­hin ohne wei­te­re indus­tri­el­le Bear­bei­tung zum Rau­chen eig­net. Dies ergibt sich bereits aus § 1 Abs. 8 Satz 1 TabStG, wonach auch sol­che Erzeug­nis­se als Ziga­ret­ten oder Rauch­ta­bak gel­ten, die statt aus Tabak ganz oder teil­wei­se aus ande­ren Stof­fen bestehen, sofern die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen nach § 1 Abs. 2 Nr. 2 oder 3 TabStG erfüllt sind 3. Dass sich der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Tabak ohne wei­te­res zum Rau­chen in Was­ser­pfei­fen eig­ne­te, hat das Land­ge­richt rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt.

Für die Steu­er­bar­keit des Was­ser­pfei­fen­ta­baks ist es uner­heb­lich, ob die­ser – wie vor­lie­gend – über einen höhe­ren Anteil an Feucht­hal­te­mit­teln ver­fügt, als lebens­mit­tel­recht­lich zuläs­sig ist (mehr als 5 %). Die Vor­schrif­ten, die sich mit der lebens­mit­tel­recht­li­chen Zusam­men­set­zung von Tabak­erzeug­nis­sen zum Schutz der Gesund­heit der Ver­brau­cher beschäf­ti­gen, wie das frü­he­re Vor­läu­fi­ge Tabak­ge­setz (und das jet­zi­ge Tabak­erzeug­nis­ge­setz), haben eine gänz­lich ande­re Ziel­rich­tung als das TabStG. Dass ein Tabak­erzeug­nis lebens­mit­tel­recht­lich ein­wand­frei ist, ist nach dem TabStG nicht Vor­aus­set­zung der Steu­er­bar­keit (vgl. § 1 TabStG). An kei­ner Stel­le macht das TabStG die Steu­er­bar­keit von wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig, die über die Eig­nung des Tabak­erzeug­nis­ses zum Rau­chen hin­aus­gin­gen. Nicht die Qua­li­tät des Tabaks, son­dern des­sen Rauch­bar­keit ist für die Steu­er­bar­keit maß­geb­lich 4. Mit die­sem Ver­ständ­nis kor­re­spon­diert auch die Ein­ord­nung von Was­ser­pfei­fen­ta­bak in der Kom­bi­nier­ten Nomen­kla­tur (Pos. 2403 11).

Eines Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens beim Euro­päi­schen Gerichts­hof nach Art. 267 AEUV bedarf es inso­weit nicht, denn die Rechts­fra­ge ist auch vor dem Hin­ter­grund des har­mo­ni­sier­ten Ver­brauchs­steu­er­rechts vor­lie­gend ein­deu­tig und zwei­fels­frei zu beant­wor­ten ("acte clai­re") 5. Die Steu­er­bar­keit von zum Rau­chen bestimm­ten und geeig­ne­ten Was­ser­pfei­fen­ta­bak, der lebens­mit­tel­recht­li­chen Vor­schrif­ten nicht ent­spricht, ist noch von nie­man­dem ernst­haft in Zwei­fel gezo­gen wor­den 6.

Ent­spre­chen­de Rege­lun­gen fin­den sich in den Tabak­steu­er­ge­set­zen der im vor­lie­gen­den Fall zusätz­lich betrof­fe­nen Uni­ons­staa­ten Bel­gi­en, Tsche­chi­en und Slo­we­ni­en. Der Was­ser­pfei­fen­ta­bak war für den Ein­satz in Was­ser­pfei­fen bestimmt und geeig­net und wur­de auch ent­spre­chend bestim­mungs­ge­mäß ver­braucht.

Die rein kör­per­li­che Auf­nah­me der nicht gestell­ten Men­ge Was­ser­pfei­fen­ta­bak in das Steuer­la­ger führt nicht dazu, dass die­se auch recht­lich in das Steuer­la­ger auf­ge­nom­men und damit in das Steu­er­aus­set­zungs­ver­fah­ren über­führt wor­den ist.

Durch die Falsch­an­ga­ben bei der Ein­fuhr wur­de hin­sicht­lich der nicht dekla­rier­ten Men­ge Was­ser­pfei­fen­ta­bak neben Zoll- und Ein­fuhr­um­satz­steu­er auch Tabak­steu­er ver­kürzt. Denn die­se Ver­brauch­steu­er fiel im Zeit­punkt des vor­schrifts­wid­ri­gen Ver­brin­gens in das Zoll­ge­biet an (Art.202 Abs. 1 Buch­sta­be a, Abs. 2, Art. 4 Nr. 10 ZK, § 3 Abs. 3 AO).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juli 2016 – 1 StR 19/​16

  1. vgl. näher VGH Mün­chen, Beschluss vom 05.03.2014 – 20 ZB 13.2439 mwN; VG Augs­burg, Urteil vom 01.10.2013 – Au 1 K 13.767[]
  2. vgl. auch FG Ham­burg, Beschluss vom 16.04.2014 – 4 – V 55/​14; FG Mün­chen, Gerichts­be­scheid vom 02.05.2011 – 14 K 662/​09; FG Ham­burg, Urteil vom 07.10.2008 – 4 K 124/​08; bestä­tigt durch BFH, Beschluss vom 30.04.2009 – – VII B 243/​08[]
  3. vgl. hier­zu auch FG Ham­burg, Urteil vom 07.10.2008 – 4 K 124/​08[]
  4. vgl. zu all­dem FG Ham­burg, Urteil vom 07.10.2008 – 4 K 124/​08; bestä­tigt durch BFH, Beschluss vom 30.04.2009 – VII B 243/​08[]
  5. vgl. hier­zu zuletzt BGH, Beschlüs­se vom 10.03.2016 – – V ZB 188/​14, NVwZ-RR 2016, 518; und vom 11.05.2016 – 1 StR 627/​15 Rn. 33, NStZ-RR 2016, 290 jeweils mwN[]
  6. vgl. FG Ham­burg, Urteil vom 07.10.2008 – 4 K 124/​08; bestä­tigt durch BFH, Beschluss vom 30.04.2009 – VII B 243/​08[]