Wind­kraft­an­la­gen als wirt­schaft­li­che Ein­heit

Meh­re­re mit Wind­kraft­an­la­gen bebau­te Grund­stücks­flä­chen bil­den regel­mä­ßig kei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit i.S. des § 2 Abs. 1 BewG, wenn sie durch Grund­stü­cke, die zum land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen gehö­ren, von­ein­an­der getrennt sind.

Wind­kraft­an­la­gen als wirt­schaft­li­che Ein­heit

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ist der Klä­ger Eigen­tü­mer eines Grund­stücks, das aus zehn Teil­flä­chen besteht, auf denen auf­grund eines Nut­zungs­ver­trags jeweils eine von einem Drit­ten betrie­be­ne Wind­kraft­an­la­ge errich­tet ist. Zwi­schen den Teil­flä­chen befin­den sich zum land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen des Klä­gers gehö­ren­de Flä­chen. Das Finanz­amt bewer­te­te die mit den ein­zel­nen Wind­kraft­an­la­gen bebau­ten Teil­flä­chen als eine ein­zi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit.

Der Bun­des­fi­nanz­hof beur­teil­te die Teil­flä­chen dem­ge­gen­über wie bereits das Finanz­ge­richt wegen der feh­len­den räum­li­chen Ver­bin­dung als geson­der­te wirt­schaft­li­che Ein­hei­ten. Die Flä­chen wür­den weder durch den Nut­zungs­ver­trag noch durch die auf ihnen errich­te­ten Wind­kraft­an­la­gen zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit zusam­men­ge­fasst. Die Wind­kraft­an­la­gen stell­ten näm­lich ihrer­seits jeweils eigen­stän­di­ge, zusam­men­ge­setz­te Wirt­schafts­gü­ter dar. Der Ver­ka­be­lung zwi­schen ihnen und der der Ein­spei­sung des erzeug­ten Stroms in das Strom­netz die­nen­den Über­ga­be­sta­ti­on kom­me dabei kei­ne Bedeu­tung zu.

Für wirt­schaft­li­che Ein­hei­ten, für die ein Ein­heits­wert fest­zu­stel­len ist, wird der Ein­heits­wert gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 1 BewG nach­träg­lich fest­ge­stellt (Nach­fest­stel­lung), wenn nach dem Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt (§ 21 Abs. 2 BewG) die wirt­schaft­li­che Ein­heit neu ent­steht.

Was als wirt­schaft­li­che Ein­heit zu gel­ten hat, ist gemäß § 2 Abs. 1 Satz 3 BewG nach den Anschau­un­gen des Ver­kehrs zu ent­schei­den, und bestimmt sich daher vor­nehm­lich nach wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten 1. Dabei sind die ört­li­che Gewohn­heit, die tat­säch­li­che Übung, die Zweck­be­stim­mung und die wirt­schaft­li­che Zusam­men­ge­hö­rig­keit der ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter zu berück­sich­ti­gen (§ 2 Abs. 1 Satz 4 BewG).

Meh­re­re Grund­stü­cke gehö­ren zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit, wenn sie zu einem ein­heit­li­chen Zweck zusam­men­ge­fasst sind, der sich äußer­lich in einer ent­spre­chen­den ein­heit­li­chen Aus­ge­stal­tung nie­der­schlägt, durch wel­che die selb­stän­di­ge Funk­ti­on des ein­zel­nen Grund­stücks nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung auf­ge­ho­ben wird. Dabei hat der sub­jek­ti­ve Wil­le eine wesent­li­che Bedeu­tung, der aller­dings nicht im Wider­spruch zu den objek­ti­ven äuße­ren Merk­ma­len ste­hen darf 2.

Die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen meh­re­re Grund­stü­cke zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit gehö­ren, sind nach die­ser Ent­schei­dung nicht erfüllt, wenn meh­re­re einem Eigen­tü­mer gehö­ren­de Wohn­blö­cke in groß­städ­ti­scher Lage anein­an­der­ge­reiht sind, und zwar auch dann nicht, wenn deren Ver- und Ent­sor­gungs­ein­rich­tun­gen viel­fäl­tig mit­ein­an­der ver­bun­den sind, der Grund­stücks­kom­plex gemein­schaft­lich ver­wal­tet wird, für alle Mie­ter eine gemein­schaft­li­che Tief­ga­ra­ge vor­han­den ist und dar­über hin­aus die Gesamt­an­la­ge ein­heit­lich geplant und archi­tek­to­nisch gestal­tet und gleich­zei­tig errich­tet wur­de. Eine ande­re Beur­tei­lung ist nur gerecht­fer­tigt, wenn die nach ein­heit­li­chem Plan errich­te­te Wohn­an­la­ge zu einem ein­heit­li­chen Zweck zusam­men­ge­fasst ist, der sich nicht nur äußer­lich in einer ent­spre­chen­den ein­heit­li­chen Aus­ge­stal­tung nie­der­schlägt, son­dern der auch die selb­stän­di­ge Funk­ti­on des ein­zel­nen Grund­stücks nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung auf­hebt.

Bei der Beur­tei­lung, ob meh­re­re Teil­flä­chen eine wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­den, kommt es auch auf deren räum­li­che Lage zuein­an­der an 3. Bei räum­li­cher Tren­nung lie­gen beim Grund­ver­mö­gen (§ 68 BewG) regel­mä­ßig meh­re­re wirt­schaft­li­che Ein­hei­ten vor 4.

Dem­ge­gen­über ist es für die Abgren­zung der wirt­schaft­li­chen Ein­hei­ten des Grund­ver­mö­gens grund­sätz­lich ohne Ein­fluss, ob eine Grund­stücks­flä­che katas­ter­tech­nisch ver­selb­stän­digt ist und ein eige­nes Flur­stück bil­det. Das bewer­tungs­recht­li­che Grund­stück kann meh­re­re Flur­stü­cke umfas­sen, aber auch nur Teil eines Flur­stücks sein 5.

Meh­re­re unbe­bau­te Teil­flä­chen eines Grund­stücks, die durch Grund­stü­cke von­ein­an­der getrennt sind, die zum land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gen gehö­ren, bil­den nach die­sen Grund­sät­zen auch dann kei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit, wenn sich auf ihnen Betriebs­vor­rich­tun­gen (§ 68 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BewG) befin­den, die zwar gleich­ar­tig und durch Lei­tun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den sind und dem­sel­ben Zweck die­nen, aber ihrer­seits jeweils ein geson­der­tes Wirt­schafts­gut sind. Sol­che Betriebs­vor­rich­tun­gen sind nicht geeig­net, abwei­chend vom Regel­fall die von­ein­an­der getrenn­ten Teil­flä­chen zu einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit zusam­men­zu­fas­sen.

Etwas ande­res gilt, wenn die Teil­flä­chen aus bau­pla­nungs­recht­li­chen oder ande­ren öffent­lich­recht­li­chen Grün­den nur zusam­men ver­äu­ßert wer­den kön­nen 6. Pri­vat­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen, die von den Betei­lig­ten geän­dert wer­den kön­nen, spie­len dem­ge­gen­über kei­ne Rol­le; denn sie betref­fen nicht die für die Beur­tei­lung, ob eine wirt­schaft­li­che Ein­heit vor­liegt, maß­ge­ben­den objek­ti­ven äuße­ren Merk­ma­le.

Das Vor­lie­gen einer ein­zi­gen wirt­schaft­li­chen Ein­heit kann auch nicht dar­aus abge­lei­tet wer­den, dass sich auf den ein­zel­nen Teil­flä­chen gleich­ar­ti­ge Betriebs­vor­rich­tun­gen, näm­lich die Wind­kraft­an­la­gen, befin­den, die von der KG in Über­ein­stim­mung mit dem Nut­zungs­ver­trag für den­sel­ben Zweck, näm­lich die Erzeu­gung von elek­tri­schem Strom mit Hil­fe der Wind­ener­gie, ver­wen­det wer­den. Die­se Wind­kraft­an­la­gen stel­len näm­lich jeweils eigen­stän­di­ge, zusam­men­ge­setz­te Wirt­schafts­gü­ter dar, und zwar auch dann, wenn sie durch eine Ver­ka­be­lung unter­ein­an­der und mit der Über­ga­be­sta­ti­on, an der der von den Anla­gen erzeug­te Strom in das Strom­netz ein­ge­speist wird, ver­bun­den sind 7.

Für die Höhe der Grund­steu­er ist es im Ergeb­nis uner­heb­lich, ob für die Teil­flä­chen ein ein­zi­ger Ein­heits­wert oder ob für jede von ihnen ein eige­ner Ein­heits­wert fest­ge­stellt wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2012 – II R 25/​10

  1. BFH, Urteil vom 03.03.1993 – II R 32/​89, BFH/​NV 1993, 584, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 10.05.2006 – II R 17/​05, BFH/​NV 2006, 2124[]
  3. H.U. Vis­korf in Viskorf/​Knobel/​Schuck, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 3. Aufl., § 2 BewG Rz 14[]
  4. BFH, Urteil vom 03.12.1954 – III 91/​54 U, BFHE 60, 11, BSt­Bl III 1955, 5[]
  5. BFH, Urtei­le vom 25.02.1983 – III R 81/​82, BFHE 138, 468, BSt­Bl II 1983, 552, und vom 26.02.1986 – II R 236/​83, BFH/​NV 1987, 366; BFH, Beschluss vom 28.04.1993 – II S 6/​93, BFH/​NV 1993, 642[]
  6. BFH, Urteil in BFH/​NV 1987, 366[]
  7. BFH, Urteil vom 14.04.2011 – IV R 46/​09, BFHE 233, 214, BSt­Bl II 2011, 696[]