Ver­fah­rens­aus­set­zung wegen feh­len­den Grund­la­gen­be­scheids

Nach § 74 FGO kann das Gericht, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits ganz oder teil­wei­se von dem Bestehen oder Nicht­be­stehen eines Rechts­ver­hält­nis­ses abhängt, das den Gegen­stand eines ande­ren anhän­gi­gen Rechts­streits bil­det oder von einer Ver­wal­tungs­be­hör­de fest­zu­stel­len ist, anord­nen, dass die Ver­hand­lung bis zur Ent­schei­dung der Ver­wal­tungs­be­hör­de aus­zu­set­zen ist.

Ver­fah­rens­aus­set­zung wegen feh­len­den Grund­la­gen­be­scheids

Die Ent­schei­dung im aus­zu­set­zen­den Ver­fah­ren muss vom Bestehen oder Nicht­be­stehen eines Rechts­ver­hält­nis­ses abhän­gen. Die­se Abhän­gig­keit ist gege­ben, wenn die ande­re Ent­schei­dung für das aus­zu­set­zen­de Ver­fah­ren vor­greif­lich ist.

Danach muss ein Kla­ge­ver­fah­ren gegen einen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid regel­mä­ßig dann aus­ge­setzt wer­den, wenn in ihm Ein­wen­dun­gen erho­ben wer­den, über die in einem geson­der­ten Grund­la­gen­be­scheid zu ent­schei­den ist 1.

Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der Grund­la­gen­be­scheid bereits ergan­gen und ange­foch­ten ist oder ob ein sol­cher erst noch erge­hen muss 2.

An der Vor­greif­lich­keit fehlt es jedoch, wenn die Vor­fra­ge im anhän­gi­gen Rechts­streit nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juli 2015 – III R 32/​13

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 16.04.1993 – I B 173/​92, BFH/​NV 1993, 745, unter II.[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 06.12 1995 – I R 131/​94, BFH/​NV 1996, 592, unter II. 1.; Thür­mer in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 74 FGO Rz 55[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 21.12 2005 – III B 145/​05, BFH/​NV 2006, 1103, unter II. 2.[]