Ver­fah­rens­man­gel – und die feh­len­de Beschwer

Ein gel­tend gemach­ter Ver­fah­rens­man­gel ist bei feh­len­der Beschwer des Beschwer­de­füh­rers unbe­acht­lich. Die Nichtu­las­sungs­be­schwer­de ist in die­sem Fall als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen.

Ver­fah­rens­man­gel – und die feh­len­de Beschwer

All­ge­mei­ne Vor­aus­set­zung für die Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels ist die Beschwer des Rechts­mit­tel­füh­rers. Dies gilt auch für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de [1]. Da das Rechts­mit­tel von der Beklag­ten ein­ge­legt wur­de, ist auf die mate­ri­el­le Beschwer abzu­stel­len [2]. Mate­ri­ell beschwert ist ein Betei­lig­ter, wenn der rechts­kraft­fä­hi­ge Inhalt der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung für ihn nach­tei­lig ist [3].

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hat das Finanz­ge­richt zwar der Kla­ge zum Teil statt­ge­ge­ben. Den­noch ist die Fami­li­en­kas­se nicht beschwert, weil sie sich nur inso­weit gegen das Urteil des Finanz­ge­richt wen­det, als es den Zeit­raum betrifft, für den das Finanz­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen hat (Sep­tem­ber 2011 bis Mai 2013). Das Finanz­ge­richt ist damit über den Kla­ge­an­trag hin­aus­ge­gan­gen (§ 96 Abs. 1 Satz 2 FGO), aller­dings führt dies für die Fami­li­en­kas­se nicht zu einem Nach­teil. Man­gels Beschwer kann sie den Ver­fah­rens­man­gel nicht nach § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO im Wege der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gel­tend machen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. August 2017 – III B 151/​16

  1. BFH, Beschluss vom 21.10.2014 – I B 100/​13, BFH/​NV 2015, 220[]
  2. Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., Vor § 115 Rz 14; Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, Vor § 115 FGO Rz 22[]
  3. BFH, Beschluss vom 11.12 1990 – IX R 158/​86, BFH/​NV 1991, 391, sowie BFH, Urteil vom 18.12 2008 – V R 38/​06, BFHE 225, 155, BStBl II 2009, 749[]