Ver­fah­rens­un­ter­bre­chung bei Insol­venz­eröff­nung – und die Teil­auf­nah­me durch den Insolvenzschuldner

Das durch Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens zunächst gemäß § 155 FGO i.V.m. § 240 ZPO unter­bro­che­ne Ver­fah­ren kann durch die Insol­venz­schuld­ne­rin nur inso­weit auf­ge­nom­men wer­den, als die streit­ge­gen­ständ­li­chen Steu­er­schul­den gezahlt wor­den sind.

Ver­fah­rens­un­ter­bre­chung bei Insol­venz­eröff­nung – und die Teil­auf­nah­me durch den Insolvenzschuldner

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat der Insol­venz­ver­wal­ter den Rechts­streit nicht auf­ge­nom­men. Die Frei­ga­be eines streit­be­fan­ge­nen Mas­se­ge­gen­stan­des bedeu­tet regel­mä­ßig, dass der Insol­venz­ver­wal­ter die Auf­nah­me des Ver­fah­rens ablehnt [1].

Soweit die Umsatz­steu­er­schul­den ent­rich­tet waren han­delt es sich um einen Aktiv­pro­zess i.S. von § 85 InsO, weil das Ver­fah­ren dazu füh­ren soll, dass die zur Ver­tei­lung anste­hen­de Mas­se ver­grö­ßert wird [2].

Soweit die nicht getilg­ten Umsatz­steu­er­schul­den zur Insol­venz­ta­bel­le fest­ge­stellt wor­den sind, ist die Insol­venz­schuld­ne­rin nicht zur Auf­nah­me des inso­weit vor­lie­gen­den Pas­siv­pro­zes­ses berech­tigt. Liegt für eine Insol­venz­for­de­rung ‑wie im Streit­fall- ein voll­streck­ba­rer Schuld­ti­tel vor, so obliegt es dem Insol­venz­schuld­ner, einen von ihm erho­be­nen Wider­spruch bin­nen einer Frist von einem Monat, begin­nend mit dem Prü­fungs­ter­min, durch Auf­nah­me des anhän­gi­gen Rechts­streits zu ver­fol­gen (§ 184 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 InsO) [3].

Dies ist im hier ent­schie­de­nen Fall nicht erfolgt; die Insol­venz­schuld­ne­rin hat das Ver­fah­ren erst mehr als einen Monat nach dem Prü­fungs­ter­min auf­ge­nom­men. Ihre Auf­nah­me­er­klä­rung ist daher inso­weit unwirk­sam [4].

Die Insol­venz­schuld­ne­rin war nur inso­weit befugt, den Rechts­streit auf­zu­neh­men, als ein Aktiv­pro­zess vor­liegt (§ 85 Abs. 2 InsO) [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2015 – XI R 47/​13

  1. Münch­Komm-InsO/­Schu­ma­cher, 3. Aufl., § 85 Rz 23, m.w.N.; vgl. auch BGH, Urteil vom 24.07.2003 – IX ZR 333/​00, ZIn­sO 2003, 943, unter I. 2.a, Rz 18[]
  2. vgl. dazu z.B. BFH, Urtei­le vom 07.03.2006 – VII R 11/​05, BFHE 212, 11, BStBl II 2006, 573, unter II. 1.b, Rz 9; vom 27.10.2011 – III R 60/​09, BFH/​NV 2012, 576, Rz 10[]
  3. vgl. dazu: MünchKommInsO/​Schumacher, a.a.O., § 184 Rz 8d; Lei­pold, DStZ 2012, 103, 114[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 212, 11, BStBl II 2006, 573, unter II. 4., Rz 15; BFH, Beschluss vom 19.03.2009 – X B 224/​08, BFH/​NV 2009, 1149, unter II. 2., Rz 22[]
  5. vgl. dazu z.B. BFH, Urteil vom 19.02.2014 – XI R 1/​12, BFH/​NV 2014, 1398, Rz 16, m.w.N.[]

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