Ver­kauf von Geschäfts­an­tei­len – und der aus­ste­hen­de Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss

Liegt im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft noch kein Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss vor, so kommt eine Abspal­tung der Aus­schüt­tungs­an­sprü­che nicht in Betracht 1. Ent­spre­chend kann ein Gesell­schaf­ter Gewinn­an­sprü­che aus einer am Bilanz­stich­tag noch nicht beschlos­se­nen Gewinn­ver­wen­dung einer Toch­ter­ge­sell­schaft grund­sätz­lich nicht akti­vie­ren 2.

Ver­kauf von Geschäfts­an­tei­len – und der aus­ste­hen­de Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss

Zwar kön­nen nach dem Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 192, 339, BSt­Bl II 2000, 632 in äußerst sel­te­nen Fäl­len 3 Gewinn­aus­schüt­tungs­an­sprü­che aus­nahms­wei­se (pha­sen­gleich) als eigen­stän­di­ge Wirt­schafts­gü­ter zu akti­vie­ren sein. Dazu ist es aller­dings erfor­der­lich, dass zum Bilanz­stich­tag ein Gewinn aus­zu­wei­sen und der min­des­tens aus­schüt­tungs­fä­hi­ge Gewinn bekannt ist und anhand objek­ti­ver Gesichts­punk­te nach­ge­wie­sen wer­den kann, dass die Gesell­schaf­ter der aus­schüt­ten­den Gesell­schaft am Bilanz­stich­tag end­gül­tig ent­schlos­sen waren, eine bestimm­te Gewinn­ver­wen­dung künf­tig zu beschlie­ßen. Über­dies muss sich die Aus­schüt­tungs­ab­sicht des (beherr­schen­den) Gesell­schaf­ters auf einen genau fest­ge­leg­ten Betrag bezie­hen, wofür es nicht aus­reicht, dass die Höhe des aus­zu­schüt­ten­den Betrags nur unge­fähr fest­steht und sei­ne exak­te Bezif­fe­rung von erst in der Zukunft erkenn­ba­ren Umstän­den abhän­gig ist 4.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall soll­te der im Anteils­über­tra­gungs­ver­trag ver­ein­bar­te Kauf­preis für die Antei­le an der GmbH die "bis zum 31.12 1997 gezeig­ten Gewinn­vor­trä­ge und even­tu­el­len Rück­la­gen der GmbH" umfas­sen. Schon aus die­ser Ver­ein­ba­rung ergibt sich, dass im Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt (27.12 1998, 24 Uhr) noch kei­ne akti­vie­rungs­fä­hi­gen Aus­schüt­tungs­an­sprü­che bestan­den.

Dar­an ändert auch der Umstand nichts, dass im Rah­men der Kauf­ver­trags­ver­hand­lung der Erwerb der Betei­li­gung und der­je­ni­ge des Gewinn­be­zugs­rechts zunächst getrennt ver­han­delt und bestimmt wor­den sind, denn maß­geb­lich für die Bilan­zie­rung ist allei­ne das end­gül­tig ver­ein­bar­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft. Ange­sichts des ein­deu­ti­gen Inhalts des Anteils­über­tra­gungs­ver­tra­ges ist auch für eine wirt­schaft­li­che Betrach­tungs­wei­se kein Raum.

Vor­lie­gend wur­den die maß­geb­li­chen Gewinn­ver­wen­dungs­be­schlüs­se für die Aus­schüt­tung des Gewinns des Jah­res 1997 und die Vor­ab­aus­schüt­tung des Jah­res 1998 erst nach die­sem Zeit­punkt gefasst und die ent­spre­chen­den Aus­schüt­tun­gen eben­falls erst danach durch­ge­führt. Selbst wenn die Vor­aus­set­zun­gen, die nach dem Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 192, 339, BSt­Bl II 2000, 632 an eine vor­zei­ti­ge Akti­vie­rung von Gewinn­aus­schüt­tungs­an­sprü­chen zu stel­len sind, vor­lä­gen, wür­de dies des­halb nichts dar­an ändern, dass die Ansprü­che erst nach dem maß­geb­li­chen Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt ‑und damit unab­hän­gig vom Ver­äu­ße­rungs­vor­gang- zu akti­vie­ren gewe­sen wären.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Mai 2015 – IV R 15/​12

  1. BFH, Urteil vom 21.05.1986 – I R 199/​84, BFHE 147, 44, BSt­Bl II 1986, 794[]
  2. BFH, Beschluss vom 07.08.2000 – GrS 2/​99, BFHE 192, 339, BSt­Bl II 2000, 632; BFH, Urtei­le vom 20.12 2000 – I R 50/​95, BFHE 194, 185, BSt­Bl II 2001, 409; vom 28.02.2001 – I R 48/​94, BFHE 195, 189, BSt­Bl II 2001, 401; vom 07.02.2007 – I R 15/​06, BFHE 216, 541, BSt­Bl II 2008, 340[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 216, 541, BSt­Bl II 2008, 340[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 194, 185, BSt­Bl II 2001, 409, und in BFHE 216, 541, BSt­Bl II 2008, 340[]