Ver­mö­gens­aus­kunft – und trotz­dem eine Sachpfändung

Die auf Antrag eines Gläu­bi­gers abge­ge­be­ne Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 284 AO) sperrt nicht die Sach­pfän­dung eines ande­ren Gläubigers.

Ver­mö­gens­aus­kunft – und trotz­dem eine Sachpfändung

Die Durch­füh­rung der Voll­stre­ckung (§ 249 Abs. 1 S. 1 AO) durch das Haupt­zoll­amt ist nicht des­we­gen ermes­sens­feh­ler­haft weil die Schuld­ne­rin zuvor vor dem Finanz­amt – also auf Betrei­ben eines ande­ren Gläu­bi­gers – eine Ver­mö­gens­aus­kunft abge­ge­ben hat.

Dies ergibt sich im vor­lie­gen­den schon dar­aus, dass nach dem unbe­strit­te­nen Vor­trag der Schuld­ne­rin die Ver­mö­gens­aus­kunft bei der Voll­stre­ckung nicht vor­lag, son­dern sie die Voll­stre­ckungs­be­am­ten wäh­rend der Durch­su­chung ledig­lich hier­auf hin­ge­wie­sen hat­te. Zur Voll­stre­ckungs­ak­te ist die Ver­mö­gens­aus­kunft erst nach der Durch­su­chung gelangt.

Selbst wenn die Ver­mö­gens­aus­kunft wäh­rend der Haus­durch­su­chung vor­ge­le­gen hät­te, hät­te dies ihre Fort­füh­rung nicht ermes­sens­feh­ler­haft wer­den las­sen. Bei­de Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen – die Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 284 AO) und die Sach­pfän­dung (§§ 281 ff. AO) – ste­hen näm­lich selb­stän­dig neben­ein­an­der [1]. Die ein­mal abge­ge­be­ne Ver­mö­gens­aus­kunft sperrt – mit bestimm­ten Ein­schrän­kun­gen – ledig­lich für zwei Jah­re die Abga­be einer erneu­ten Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 802d Abs. 1 ZPO), nicht jedoch die Durch­füh­rung wei­te­rer Voll­stre­ckungs­maß­nah­men. Ande­ren­falls könn­te sich ein Schuld­ner allein durch die Abga­be einer – fal­schen – Ver­mö­gens­aus­kunft vor jeg­li­chen Voll­stre­ckungs­maß­nah­men schüt­zen, obwohl die prak­ti­sche Erfah­rung zeigt, dass – trotz Straf­be­weh­rung – auf die Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit von Schuld­ner-Selbst­aus­künf­ten wenig Ver­lass ist [2]. Tat­säch­lich wur­de im vor­lie­gen­den Fall ein TV-Flach­bild­schirm­ge­rät Phil­ips gepfän­det, den die Schuld­ne­rin in der Ver­mö­gens­aus­kunft vom …09.2013 nicht ange­ge­ben hat­te, obwohl dort unter Nr. 22 a)) auch Gegen­stän­de zu nen­nen waren, die unter Eigen­tums­vor­be­halt gekauft, zur Sicher­heit über­eig­net oder frei­wil­lig ver­pfän­det wor­den sind.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 6. Janu­ar 2016 – 4 K 203/​14

  1. Mül­ler-Eiselt, in: Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO/​FGO, 235. EL Okt.2015, § 284 AO Rn. 5[]
  2. so aus­drück­lich der Ent­wurf eines Geset­zes zur Reform der Sach­auf­klä­rung in der Zwangs­voll­stre­ckung, BT-Drs. 16/​10069, S.20[]